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Die Royals, Teil 4: Charles, Camilla und Diana - es begann mit einer Traumhochzeit und endete tödlich

Am 19. Mai feiern Meghan Markle und Prinz Harry ihre Hochzeit. In einer vierteiligen Serie blickt der stern auf die über tausendjährige Geschichte der britischen Monarchie. Dieses Mal: Charles, Camilla und Diana.

Die Hochzeit von Charles und Diana 1981 und das Unfallwrack bei ihrem tödlichen Crash 1997

Die Hochzeit von Charles und Diana 1981 und das Unfallwrack bei ihrem tödlichen Crash 1997

DPA / Picture Alliance

Sie kamen sich das erste Mal auf einem Heuballen näher, der Thronfolger und die schüchterne Tochter aus aristokratischem Hause.

"Er hatte seine Hände überall", erinnerte sich Diana später. "Ich dachte, so etwas gehöre sich nicht. Ich war vielleicht frigide!" Charles wurde in diesem Sommer 1980 "PlayboyPrinz" genannt und machte bevorzugt verheirateten Frauen den Hof und seiner Mutter Königin Elizabeth II. mächtige Sorgen.

Der 31Jährige zeigte keine Anstalten, sich das "reine und süße" Mädchen zu suchen, das ihm sein Patenonkel Lord Mountbatten als perfekte Ehefrau ans Herz gelegt hatte.

Der hatte Charles allerdings auch geraten, erst einmal seinen "wilden Samen" auszustreuen. Was dieser mit Ausdauer tat. Von ihren eigenen Offizieren musste die Königin hören, der unsittliche Charles schlafe sich mit der Ehefrau eines Majors durch die Gästebetten befreundeter Adeliger. Diese Ehefrau hieß Camilla Parker Bowles, erdig, mit trockenem Humor sowie der Gabe ausgestattet, den Prinzen von melancholischem Selbstmitleid zu kurieren. Als Geliebte war sie perfekt, für das Ehebett des Thronfolgers denkbar ungeeignet.

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Diana, der jungfräuliche Spross der Familie Spencer

Die 19-jährige Lady Diana dagegen war der jungfräuliche Spross der Familie Spencer, die sich seit dem 16. Jahrhundert mithilfe von Schafsherden und Eheschließungen bis in den Hochadel vorgearbeitet hatte. Die Spencers folgten der seltsamen Tradition der britischen Oberklasse, ihren Töchtern keinerlei sinnvolle Ausbildung zukommen zu lassen. Diana verließ drei teure Privatschulen mit einer Urkunde für die exzellente Pflege ihres Meerschweinchens und dem Traum, ein Prinz werde sie vor der Unbill der Welt schützen.

Charles suchte als Ehefrau eine Gefährtin für einsame Stunden - im Grunde eine Camilla zwo, nur verfügbar. Warum er diese Qualitäten beim Teenager Diana zu finden glaubte, wird sein Geheimnis bleiben. Sein Freund Nicholas Soames, Enkel von Winston Churchill, warnte ihn vor "einer intellektuellen Kluft unendlichen Ausmaßes". Prinz Philip mahnte seinen Sohn, sich endlich für Land, Familie und Erbfolge zu verloben. Im Februar 1981 hielt Charles um Dianas Hand an. Ihrem "Ich liebe dich so sehr" entgegnete er "Was immer Liebe bedeutet" und verschwand für mehrere Wochen auf eine Staatsreise nach Indien.

Das Königshaus machte sich an die Arbeit. Unter Elizabeth II. hatte sich die britische Monarchie zum Familienbetrieb gewandelt. Hochzeiten waren neben Begräbnissen, Geburten und Krönungen die wichtigsten Propagandainstrumente, die perfekte Prunkinszenierung der königlichen Seifenoper.

Während Charles auf Reisen war, musste Diana vor Fernrohren und Teleobjektiven fliehen. Das "Rat Pack" etablierte sich in diesen Tagen, eine kleine Gruppe Reporter und Fotografen, die für ein Bild von Diana alles taten. Spätestens als sie sich als Prinzen-Freundin in einem Sommerrock mit zwei Kindern ablichten ließ, die Beine im Gegenlicht als Schattenrisse sichtbar, brachen alle Dämme des Anstandes. Dianas Konterfei auf Titelblättern verkaufte sich millionenfach. Vor ihrer Wohnung warteten Dutzende Paparazzi, Diana floh in Doppeldeckerbussen und durch Schuhläden. Vom Buckingham-Palast bekam sie keine Hilfe, sondern die Anweisung:

"Keine Sorge, das Interesse wird sich legen." Selten lagen königliche Berater so daneben.

Die Monarchie und der Boulevards

Die Monarchie war für das Zeitalter des Boulevards nicht gerüstet, wie Verfassungshistoriker Vernon Bogdanor erklärt:

"Noch zu Elizabeths Krönung 1953 glaubte ein Drittel der Briten, die Königin sei direkt von Gott gewählt." Diese Illusion war allerdings immer schwerer aufrechtzuerhalten. Die BBC hatte 1969 der staunenden Öffentlichkeit Prinz Philip beim Würstchengrillen, die Queen beim Weihnachtsbaumschmücken und Prinz Charles beim Erzählen schlechter Witze gezeigt.

Ein Jahr lang hatten Kameras den Alltag im Palast eingefangen.

"Eine bescheuerte Idee", wie Prinzessin Anne, Tochter der Königin, später bemerkte: "Das Letzte, was wir brauchten, war noch mehr Einsicht in unser Leben." Die Queen ließ den Film in die BBC-Archive verbannen. Und dann trat Diana in den royalen Reigen.

Niemand bereitete die 20-Jährige auf ihre neue Rolle als zukünftige "Princess of Wales" vor. Im komplizierten Machtgefüge der königlichen Haushalte vom Privatsekretär der Königin bis zum Butler von Prinz Charles sollte sie sich sofort zurechtfinden - und erhielt weniger Einweisung als eine Supermarktkassiererin.

Diana sagte später, sie habe diese Umgebung als "düster und hinterlistig" empfunden. Ihr Verlobter Charles ließ von seinen Bediensteten Geschenke an Camilla verschicken - Diana verging vor Eifersucht. In der sechsmonatigen Verlobungszeit verlor sie fast 20 Zentimeter Taillenumfang.

Die Hochzeit von Charles und Diana 1981

Die Hochzeit von Charles und Diana 1981

Picture Alliance

Am 29. Juli 1981 sahen weltweit 750 Millionen Fernsehzuschauer die vom Palast inszenierte Märchenhochzeit: Diana schwebte in einem seidenen Traumkleid zum Altar, hinter sich eine Schleppe von fast acht Meter Länge. Die Nation zitterte dem Kuss auf dem Balkon entgegen und holte die Taschentücher heraus. Der Ärger begann schon auf der Hochzeitsreise:

Prinz Charles las esoterische Romane, Diana kotzte sich die Seele aus dem Leib. Sie wollte Zweisamkeit, er war es gewöhnt, dass sein Butler jeden Morgen ins Zimmer stürmte, um die Gardinen aufzureißen.

Diana hasste ihr Leben als Prinzessin. Ihr Ehemann war nicht der Traumprinz, den sie erwartet hatte. Charles bestreitet, dass er schon damals die Affäre mit Camilla wieder aufnahm. Bis zur Geburt des zweiten Sohnes Harry im Jahr 1984 sei er treu gewesen, beteuerte er. Diana litt jedoch schon Jahre zuvor. Schwanger mit William, stürzte sie sich 1982 Treppen hinunter und schnitt sich vor den Augen ihres Ehemannes in Schenkel und Bauch. Charles ließ Psychologen holen und ging auf die Jagd.

Diana rettete die Erkenntnis, dass sie eines besser konnte als ihr Mann: Sie bezauberte Menschenmengen und machte Charles eifersüchtig. Charles schwadronierte über Betonbauten und Regenwasser-Recycling. Diana hielt die Hände von Aids-Kranken und rührte die Welt. Da war die Ehe derer zu Wales schon längst eine Farce. Charles verschanzte sich wochenlang mit Camilla im schottischen Palast Balmoral, Diana turtelte mit Reitlehrern, Bodyguards und Autohändlern. Es war das schreckliche Jahr 1992, das Königin Elizabeth später ihr "annus horribilis" nannte, in dem die Ehe von Diana und Charles implodierte.

Diana war ihr eigener PR-Berater

Im gleichen Jahr scheiterten auch die Ehen von Charles' Geschwistern Prinzessin Anne und Prinz Andrew. Der angeblich so perfekte royale Familienbetrieb unter Elizabeth II. wurde der Lächerlichkeit preisgegeben.

Doch die größte Bombe ließ Diana platzen. Sie begann, mit den Journalisten zu spielen: Wer ihre Version der unglücklichen Ehe verbreitete, durfte auf exklusive Geheimnisse hoffen.

Diana war ihr eigener PR-Berater. Sie telefonierte und dinierte mit Journalisten und ließ die Bluthunde des britischen Boulevards zu handzahmen Corgis werden, zumindest für eine Zeit. Die Briten wohnten einer Art Pingpongmatch der Lager Di und Charles bei, ausgetragen über die Massenmedien.

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Die "Sun" veröffentlichte die Abschrift eines Telefonats, in dem Diana von einem Autohändler liebevoll "Tintenfischchen" genannt wurde. Wenig später war zu lesen, dass Charles seiner Camilla am Telefon zugesäuselt habe, er würde gern als Hygieneartikel wiedergeboren, um ihr ganz nahe zu sein.

"Eben waren sie noch auf einem Podest, und schon rief ihnen der Mann auf der Straße ‚Tampon!' hinterher", erinnert sich die Kolumnistin und vehemente Antimonarchistin Julie Burchill: "Wir haben es geliebt." Premierminister John Major verkündete der Nation, dass sich das Ehepaar Wales trennen werde. Ein Ende der königlichen Seelenschau bedeutete dies nicht. Eine backsteindicke Biografie, begleitet von einem langatmigen Interview, sollte Charles 1994 als ernsthaften Thronfolger porträtieren. In Erinnerung blieb er als wehleidiger Ehebrecher. Diana erzählte ein gutes Jahr später mit zitternder Stimme und geschwärzten Augen der Fernsehnation von ihrer überfüllten Ehe zu dritt - und bezweifelte, dass Charles je ein guter König sein würde. Damit riss Elizabeth II. der Geduldsfaden: Sie forderte Sohn und Schwiegertochter per Notiz auf, sich scheiden zu lassen.

Die Königin der gebrochenen Herzen 

"Es ist eine Tragödie, dass Diana in dieser Zeit Geschmack an der Opferrolle gefunden hat", sagt ihr Privatsekretär Patrick Jephson. Die Prinzessin tat alles, um zur Königin der gebrochenen Herzen zu werden. Nur noch schlagzeilenträchtige Aktionen passten in ihr neues Jetset-Leben wie der kontroverse Besuch von Landminenopfern in Bosnien und Angola. Regelmäßig konsultierte sie Wahrsagerinnen und Tarot-Kartenleser und setzte sich unter Kupferpyramiden.

Sie vermisste ihre Söhne William und Harry, die im Internat Eton lebten, während sie allein im Kensington-Palast wohnte.

Vor den Toren lauerten die Fotografen, die sie selbst gerufen hatte und nun nicht mehr loswurde.

1997 begann Dianas Sommer des Yacht-Fiebers. Sie spielte ein letztes Mal ein Duett mit den Medien. Camilla feierte ihren 50. Geburtstag mit Prinz Charles, Diana posierte im Leoparden-Badeanzug für die Paparazzi, knutschte mit dem Milliardärssohn Dodi al-Fayed und belegte die Titelseiten. Am 27. August schrieb die "Daily Mail": "Die Ansicht eines beleibten Playboys, der die leicht bekleidete Diana betatscht, muss Prinz William entsetzen. Diana sollte mehr Anstand zeigen!" Fünf Tage später pries dieselbe Zeitung dieselbe Frau: "Sie war ein Edelstein reinster Güte und Heiterkeit." Da war Diana tot, gestorben nach einem Unfall am 13. Pfeiler des Pont-D'Alma- Tunnels in Paris in einem schwarzen Mercedes S 280. Niemand im Auto hatte Sicherheitsgurte getragen in dieser Nacht zum 31. August 1997. Der Fahrer Henri Paul war betrunken mit mehr als der doppelten Höchstgeschwindigkeit in den Tunnel gerast, um in einem James-Bond-Manöver den Paparazzi zu entkommen.

Dodi und der Fahrer starben an der Unfallstelle.

Die Ärzte versuchten stundenlang, Dianas Kreislauf zu stabilisieren, umsonst.

Der Unfallwagen, in dem Prinzessin Diana 1997 in Paris tödlich verunglückte

Aufnahme des Wracks des Unfallwagens, in dem Prinzessin Diana 1997 in Paris schwer verletzt wurde und wenige Stunden später im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag

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Der britische Botschafter rief um 3.30 Uhr morgens im schottischen Balmoral an, wo die Königsfamilie urlaubte.

Sofort begannen Diskussionen, wie weiter zu verfahren sei. Elizabeth II. bestand darauf, dass Diana kein Mitglied der Königsfamilie mehr und damit eine private Gedenkfeier angemessen sei. Prinz Charles kämpfte für die Rückführung im Staatsflugzeug. Irgendwann fiel die Frage: "Soll sie etwa in einem Harrods-Lastwagen nach Hause kommen?" Und obwohl die Königin und ihr Sohn sich in dieser Nacht nur wenige Meter voneinander aufhielten, wurden die Verhandlungen, wie stets, über ihre Privatsekretäre geführt.

Blumenmeere vor den Palästen

Um zehn Uhr morgens flog Prinz Charles mit einem Flugzeug der Queen nach Paris. Bei der Rückkehr warteten 150 Fotografen auf dem Flugfeld Northolt, Menschenmengen säumten die Straßen. Diana wurde in der königlichen Kapelle von St. James's Palace aufgebahrt.

Die Plätze vor den Palästen versanken in einem Blumenmeer. Jede Blüte eine Anklage gegen die emotionale Wüste im Palast, schrieben die Zeitungen. Dianas Biografin Sarah Bradford erinnert sich an ein revolutionäres Gefühl in der Luft: "Die Armee stand auf Abruf, so ernst war die Situation." Die Wut entzündete sich am Union Jack. Die Queen weigerte sich, die Flagge über dem Buckingham-Palast auf Halbmast zu setzen. Erst sechs Tage nach Dianas Tod gab sie dem Druck der Massen nach, ließ die Flagge senken und sprach zu ihrem Volk als Königin und Großmutter: "Wir haben versucht, William und Harry bei der Bewältigung ihres unglaublichen Verlustes zu helfen, den sie und wir alle verkraften müssen." Nach den klug gesetzten Worten verflog die Wut auf der Straße. Im Palast wurde weiter gestritten: Wer soll hinter dem Sarg herlaufen?

Wer wird zum Gottesdienst eingeladen? Wer redet?

Nach einem Machtwort von Prinz Philip gingen am Ende drei Generationen des Hauses Windsor mit dem Bruder Dianas hinter dem Sarg, auf dem eine einfache weiße Karte zu sehen war, darauf die Worte "Mummy". Prinz William schritt damals den Weg ab, den er demnächst als Verlobter Richtung Altar fahren wird - von Clarence House bis zur Westminster Abbey.

William soll es gehasst haben, wie sich seine Mutter in diesem Sommer 1997 hatte ablichten lassen. Ihm ist wohl bewusst, dass die Paparazzi von seiner Mutter ermutigt wurden.

Doch es scheint, dass er von seinem Vater gelernt hat, wie man sich seine Ehefrau nicht aussuchen, und von seiner Mutter, wie man nicht mit den Medien umgehen sollte. Im Juli 1998, ein Jahr nach Dianas Tod, veröffentlichte eine britische Boulevardzeitung einen spekulativen Bericht über die Geburtstagsfeier Williams. Sofort schickte der 16-Jährige seinen Privatsekretär aus, Beschwerde einzulegen. Es war das Ende von zwei Jahrzehnten königlich-medialem Seelen-Striptease. Und der Beginn des Zeitalters William.

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