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Meinung

Promis und Politik: Nach Nazi-Gerüchten: Warum es so wichtig ist, dass Taylor Swift endlich Farbe bekennt

Bisher hatte sie sich aus der Politik immer rausgehalten - jetzt geht Taylor Swift voran und fordert Fans auf, wählen zu gehen. Das Ergebnis zeigt: Mehr Promis sollten es ihr nachmachen. 

Donald Trump Taylor Swift

Donald Trump ist sauer auf Taylor Swift. Ihre Musik mag er jetzt "25 Prozent weniger" als vorher.

DPA

Donald Trump ist sauer. Der Grund heißt Taylor Swift, die mit einem einzigen Social-Media-Post auf Instagram für ein kleines politisches Erdbeben gesorgt hat. Die 28-Jährige verkündete am Sonntagabend, dass sie bei den Midterm-Wahlen am 6. November für die demokratischen Kandidaten stimmen wird und nicht für die republikanische Politikerin Marsha Blackburn. "Ich kann niemanden wählen, der nicht für die Würde ALLER Amerikaner kämpfen will, egal, welche Hautfarbe sie haben, welches Geschlecht oder wen sie lieben", schrieb sie.

Taylor Swift sorgt für neue Wähler

Außerdem forderte Swift ihre Anhänger auf, sich ebenfalls für die wichtige Wahl zu registrieren. Erst dann könnten sie am 6. November die politische Zukunft mitbestimmen. 112 Millionen Abonnenten hat Swift auf Instagram. Wer denkt, politische Meinungsverkündungen von Promis würden sowieso keine Wähler erreichen, täuscht. Wie die Non-Profit-Organisation Vote.org dem Nachrichtenmagazin "Buzzfeed News" bestätigte, haben sich in den 24 Stunden nach Swifts Appell 65.000 neue Wähler/innen registriert. Das ist eine beachtliche Zahl. Zum Vergleich: Im ganzen August hatten sich 56.669 wahlberechtigte Amerikaner gemeldet. Auch ihre Dankesrede bei den American Music Awards nutzte die Chartstürmerin, um Zuschauer leidenschaftlich zum Wählen zu animieren.

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I’m writing this post about the upcoming midterm elections on November 6th, in which I’ll be voting in the state of Tennessee. In the past I’ve been reluctant to publicly voice my political opinions, but due to several events in my life and in the world in the past two years, I feel very differently about that now. I always have and always will cast my vote based on which candidate will protect and fight for the human rights I believe we all deserve in this country. I believe in the fight for LGBTQ rights, and that any form of discrimination based on sexual orientation or gender is WRONG. I believe that the systemic racism we still see in this country towards people of color is terrifying, sickening and prevalent. I cannot vote for someone who will not be willing to fight for dignity for ALL Americans, no matter their skin color, gender or who they love. Running for Senate in the state of Tennessee is a woman named Marsha Blackburn. As much as I have in the past and would like to continue voting for women in office, I cannot support Marsha Blackburn. Her voting record in Congress appalls and terrifies me. She voted against equal pay for women. She voted against the Reauthorization of the Violence Against Women Act, which attempts to protect women from domestic violence, stalking, and date rape. She believes businesses have a right to refuse service to gay couples. She also believes they should not have the right to marry. These are not MY Tennessee values. I will be voting for Phil Bredesen for Senate and Jim Cooper for House of Representatives. Please, please educate yourself on the candidates running in your state and vote based on who most closely represents your values. For a lot of us, we may never find a candidate or party with whom we agree 100% on every issue, but we have to vote anyway. So many intelligent, thoughtful, self-possessed people have turned 18 in the past two years and now have the right and privilege to make their vote count. But first you need to register, which is quick and easy to do. October 9th is the LAST DAY to register to vote in the state of TN. Go to vote.org and you can find all the info. Happy Voting! 🗳😃🌈

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Aber warum löst gerade Taylor Swift so eine Welle aus? Weil sie wohl keinen besseren, wenngleich überraschenderen Zeitpunkt für ihre politische Unterstützung zweier Demokraten hätte finden können. Seit vielen Jahren wird die "Shake it off"-Sängerin dafür kritisiert, ihr neutrales Image zu pflegen, statt ihre Popularität zu nutzen. Während Swifts Erzfeindin Katy Perry mit Hillary Clinton auf Wahlkampf war, postete Swift Fotos von ihren Katzen, bewarb ihre Songs und hielt sich vornehm zurück. Zu groß die Angst, ihre konservativen Country-Fans aus den "Red States" zu verlieren - so die Vermutung vieler Kritiker. 

Genau der richtige Zeitpunkt

Sogar Verschwörungstheorien, Swift sei rechtsradikal, machten die Runde. Nun hat sie Stellung bezogen. Endlich, sagen die einen. Gefährlich, sagen die anderen. Denn dass die Musikerin tatsächlich Fans verlieren könnte, ist eine realistische Befürchtung. Und genau deshalb ist ihr der Schritt, in die Offensive zu gehen, hoch anzurechnen. Besser spät als nie. Der Effekt, den sie auf potenzielle Neuwähler hat, sollte Argument genug sein.

Wie wichtig es ist, dass junge Menschen überhaupt wählen gehen, hat sich bei der Präsidentschaftswahl 2016 und dem Brexit-Referendum in Großbritannien gezeigt. Alte Menschen bestimmen die Zukunft der jungen. Die wiederum sind politikverdrossen, fühlen sich von keiner Partei vertreten. Dieses Gefühl ist nachvollziehbar. Aber es ist gefährlich.

Vorbilder braucht das Land

Dass das bisher politisch unbeschriebene Blatt namens Taylor Swift jetzt also lautstark für die Wahl wirbt, ist nicht weniger als eine Sensation. All die Künstler, die jetzt noch schweigen und ihre blitzblank polierten Images wahren wollen, sollte sich an ihr ein Vorbild nehmen. Was sie erreichen könnten, zeigen die Zahlen von Vote.org.

Kein Wunder, dass Donald Trump beleidigt ist. Er möge Swifts Musik "25 Prozent weniger" als vorher, ließ er verlautbaren. Das dürfte dem Popstar vermutlich am Allerwertesten vorbeigehen. Swift hat einen Entschluss gefasst: Lieber auf der richtigen Seite der Geschichte stehen als in diese eingehen als meinungsloser Superstar, dem Downloads und Geld wichtiger sind als politisches Engagement, Menschenrechte und Demokratie.