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"The Swift Life"-App: Warum Taylor Swift sich nicht von ihren rechten Fans distanziert

Taylor Swifts neue App "The Swift Life" wurde sofort nach Veröffentlichung mit rechten Kommentaren geflutet. Für die Sängerin ist das jedoch noch immer kein Grund, sich ein für alle Mal gegen ihre Nazi-Fans zu wehren. Dabei ist der Image-Schaden schon jetzt groß. 

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Sie bezeichnet sich selbst als Feministin und wurde gerade erst auf dem diesjährigen "Person of the Year"-Titel des "Time"-Magazins geehrt - neben Frauen wie Rose McGowan oder Ashley Judd, die mit ihren Aussagen den systematischen Machtmissbrauch in Hollywood und die Weinstein-Affäre aufgedeckt hatten. Für viele Gegner der Sängerin ist die Ehrung jedoch ein Dorn im Auge. Schon vor der Präsidentschaftswahl 2016 wurde Taylor Swift dafür kritisiert, sich nicht aktiv gegen Donald Trump und dessen frauenfeindliche und rassistische Agenda zu stellen.

Statt wie andere Promis - darunter Swifts Erzfeindin Katy Perry – leidenschaftlich für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton zu kämpfen, schwieg die 28-Jährige eisern. Wen sie wählt, geht niemanden etwas an. So weit, so gut. Doch während es bei uns in Deutschland noch immer als Tabu gilt, jemanden nach seinen politischen Tendenzen zu fragen oder gar wissen zu wollen, für wen er oder sie sein Kreuz auf dem Wahlzettel macht, hat die politische Debatte in den USA in Zeiten von Trump Auswüchse angenommen, die die Regeln verändern. Besonders für Promis. 

Taylor Swifts Einfluss auf Jugendliche ist riesig

In den letzten Jahren gehörte Swift zu den erfolgreichsten Musikerinnen der Welt. Ihr neues Album, "Reputation“, verkaufte sich allein in den USA in der ersten Erscheinungswoche 1,2 Millionen Mal. Und Swifts (meist junge) Fans gelten als enorm treu. Was immer Taylor Swift ihnen in ihren meist sehr persönlichen Liedtexten - es geht fast immer um Ex-Freunde, Feinde, oder ihre Freundinnen - erzählt, sie glauben ihrem großen Idol. Sprich: Einfluss auf die junge Generation ist riesig. Warum nutzt sie ihn nicht?

Neonazis feiern Taylor Swift seit Jahren  

Das Pikante: Seit langem kursieren in Blogs der rechten "Alt Right"-Bewegung in den USA Einträge, in denen der "Bad Blood"-Star als "arische Göttin" bezeichnet und für seine unpolitische Art gefeiert wird. Doch nicht nur das, Swift wird sogar als verkappter Nazi bezeichnet, der nur darauf warte, dank mit seinem Standpunkt endlich an die Öffentlichkeit gehen zu können.

Gerade erste ging Swifts App "The Swift Life" im App Store an den Start. Das soziale Netzwerk soll Fans miteinander verbinden und den Austausch ermöglichen. Doch keine 48 Stunden nach Veröffentlichung entbrannten die ersten Diskussionen auf der Plattform. Homophobe Kommentare, Lob für Donald Trump, wütende Reaktionen auf Kritik gegen den US-Präsidenten - um Taylor Swifts Musik ging es kaum. Es ist, als würden sich die konservativen Trump-Unterstützer im Schatten ihres Popidols besonders wohlfühlen. Verständlich, schließlich tut Taylor Swift nichts dagegen, ihr schlechtes Image abzuschütteln.

Im Vergleich dazu: Vor ein paar Wochen rappte Eminem in einem Freestyle bei den BET Awards über seinen Hass auf Trump und dessen Anhänger. Und beendete seinen musikalischen Wutausbruch mit einer Nachricht an Fans, die sich mit Rassisten identifizieren: "Wenn ihr euch nicht entscheiden könnt, auf wessen Seite ihr stehen sollt, dann mache ich das für euch", rappte er und zeigte ihnen den Mittelfinger. Für den Hip-Hop-Star auch ein wirtschaftliches Risiko, schließlich hat er extrem viele Fans in den ländlichen Regionen des mittleren Westens, eben da, wo Trump großen Zuspruch erfuhr.

Der "Shake it off"-Star bleibt trotz Image-Schadens unpolitisch

Doch während Eminem wortgewaltig rappte, verklagte Taylor Swifts mächtiges Anwaltsteam lieber eine unabhängige Bloggerin, die sie dazu aufforderte, sich endlich zu den Nazi-Verbindungen zu äußern.

Aber warum bleibt Swift trotz allem unpolitisch? Vielleicht möchte sie dem öffentlichen Druck einfach nicht nachgeben und sich weiter nur auf ihre Musik konzentrieren. Oder vielleicht plant sie für ihr nächstes Album statt einer Tirade gegen böse Ex-Freunde zur Abwechslung eine Abrechnung mit ihren Nazi-Fans. Taylor Swift begann ihre Karriere als Country-Musikerin. Wahrscheinlich ist also auch, dass sie ihre eher konservativen Country-Fans auf keinen Fall verlieren will. Dass niemand Swift zwingen kann, sich politisch zu engagieren oder zu erzählen, welche Partei sie gewählt hat, ist selbstverständlich. Kein Prominenter ist gezwungen, seine politischen Ansichten in die Welt zu posaunen. Doch einmal öffentlich klar zu stellen, kein Nazi zu sein und mit dieser Art von Fans auch nichts zu tun haben zu wollen, ist eigentlich keine große Sache. Und könnte ihr eine Menge unschöner Schlagzeilen ersparen.