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Maha Vajiralongkorn: Der fremde König mit Villa in Bayern - Thailands Monarch Rama X. gekrönt

Wenige Landsleute haben Thailands König Maha Vajiralongkorn bisher leibhaftig gesehen. Oft weilt er Deutschland. Mit der Krönung soll die Ära von Rama X. jetzt richtig beginnen. Zuvor brachte er noch eine Familienangelegenheit in Ordnung.

Den Mann, der seit zweieinhalb Jahren ihr König ist, kennen die Thais nun schon in den verschiedensten Gestalten. Als überlebensgroßen Monarchen, wie er in Bangkok auf Plakaten an hohen Gebäuden hängt. Als jungen Mann von den neuen Geldscheinen. Als strengen Herrscher aus der Ferne, der seiner Schwester verbietet, in die Politik zu gehen. Und auch die wenig standesgemäßen Auftritte von Maha Vajiralongkorn während seiner vielen Deutschland-Aufenthalte haben sie zur Kenntnis genommen.

An diesem Samstag nun bekommen die knapp 70 Millionen Thais ihren König zu sehen wie noch nie: in handgesticktem Ornat, in goldenen Knickerbockern und mit Pantoffeln, deren Sohle aus Blattgold besteht. Und: mit Krone auf dem Kopf. 30 Monate nach dem Tod seines Vaters Bhumibol, dem immer noch sehr nachgetrauert wird, wurde der neue Monarch endlich gekrönt. Die Zeremonien nach jahrhundertealtem Ritus gehen über mehrere Tage. Die Krönung am Samstag war der Höhepunkt.

Rama X. mit Suthida: Am Mittwoch heiratete Maha Vajiralongkorn die frühere Flugbegleiterin und ernannte sie zur Königin

Thailands König Rama X. mit seiner Lebensgefährtin Suthida: Am Mittwoch heiratete Maha Vajiralongkorn die frühere Flugbegleiterin und ernannte sie zur Königin

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Maha Vajiralongkorn wird zum göttlichen Herrscher in Thailand

Am Sonntag wird der 66-Jährige auf einer Sänfte mehr als sieben Kilometer von Tempel zu Tempel durch die Stadt getragen. Trotz sengender Hitze von aktuell zeitweise mehr als 40 Grad werden dazu Hunderttausende erwartet - alle auf Knien, wie sich das gehört. Wer stehen bleibt, muss damit rechnen, ein Stöckchen in die Kniekehle zu bekommen. Für die Thais ist es eine der ersten Gelegenheiten, ihren oft so fernen Monarchen aus der Nähe zu sehen.

Wenn der Pomp vorüber ist, wird Rama X. - so der offizielle Name - alle Würden eines Thai-Königs haben. Künftig darf er unter einem neunstufigen Schirm sitzen, was in diesem Teil Asiens noch wichtiger ist als die Krone. Zudem darf er sich Devajara nennen, göttlicher Herrscher. In Thailand ist man mit solchen Dingen großzügiger als in europäischen Königshäusern.

Thailänder fremdeln noch mit Rama X.

An Bangkoks letzte Krönung können sich nur noch die Älteren erinnern. Fast sieben Jahrzehnte ist das her. Als Bhumibol sich im Großen Palast die "Große Krone des Sieges" aufsetzte - ein Trumm aus Gold von mehr als sieben Kilo Gewicht, 66 Zentimeter hoch, besetzt mit Diamanten - schrieb man das Jahr 1950. König war er schon seit 1946. Er blieb so lange an der Macht wie kein anderer Monarch der jüngeren Weltgeschichte. Selbst die Queen würde ihn erst 2022 überholen. 

Überhaupt hatte Thailand seit Beginn der Chakri-Dynastie 1782 nur neun Könige. Alle hießen Rama. Dann wurde strikt durchnummeriert. Rama X. heißt in voller Länge Maha Vajiralongkorn Bodin Dradebaya Warangkun ("König der Blitze, Abkömmling von allmächtigen Gottheiten"). Kein Wunder, dass so jemand ein großes Ego hat. 

Bislang - das darf man wohl trotz des sehr strengen Gesetzes sagen, das ihn vor jeder Form von "Majestätsbeleidigung" schützt - sind die Thais noch nicht warm geworden mit ihm. Am meisten verehrt wird immer noch Bhumibol, gefolgt von seiner Witwe Sirikit, die mit ihren 86 Jahren gerade ins Krankenhaus musste. Mit dem Sohn der beiden - dem einzigen neben drei Töchtern - haben sie es bislang nicht so. 

Ein Satz seiner Mutter aus den 1980ern hängt dem heutigen König nach: "Mein Sohn hat etwas von einem Don Juan. Frauen finden ihn interessant, und er findet Frauen noch interessanter." Mit 13 wurde er auf Schulen ins Ausland geschickt, zunächst England, dann Australien. Dort schloss er eine Militärakademie ab. Er feierte viel und in wechselnder Begleitung. So kam der Ruf des Lebemanns.

Vajiralongkorn besitzt eine Villa in Bayern

Aus drei gescheiterten Ehen hat der leidenschaftliche Hobby-Pilot zwei Töchter und fünf Söhne. Die Dinge sind kompliziert. Als mutmaßlicher Thronfolger gilt der Jüngste, Prinz Dipangkorn Rasmijoti (14). Anfangs dieser Woche wusste man noch nicht einmal genau, mit wem Rama X. heute zusammenlebt. Am Mittwoch jedoch brachte er eine der wichtigsten Familienangelegenheiten in Ordnung: Er heiratete seine ehemalige Leibwächterin Suthida (40) und ernannte sie auch zur Königin.

Bei der Hochzeit musste die frühere Stewardess im langen Kleid aus rosa Thai-Seide vor ihrem Mann zu Boden gehen. Der König, in weißer Uniform und schwarzen Lackschuhen, salbte ihr dann die Stirn. Es waren andere Bilder als die, die man von den beiden aus Bayern kennt. Dort hat Rama X. seit ein paar Jahren eine Villa, in Tutzing am Starnberger See - bei einem geschätzten Vermögen von mehr als 35 Milliarden Euro nur eine kleinere Immobilie. Von Bayern aus fliegt er auch seine eigene Boeing 737, die 2011 wegen finanzieller Streitigkeiten zwischen der thailändischen Regierung und einer deutschen Baufirma kurzzeitig von der bayerischen Justiz gepfändet wurde.

Die Tutzinger bekommen vom "Thai-Kini" nur wenig mit. Bekannt ist, dass der jüngste Sohn in der Nähe zur Schule geht. Als das Höhlendrama um ein thailändisches Fußball-Team im letzten Sommer die Welt bewegte, schrieb der Prinz den Jungen einen Brief - auf Deutsch: "Liebe Kinder, ihr hattet sicher große Angst. Aber ich habe immer an euch gedacht. Ich bin überglücklich, dass ihr alle gesund seid." Das löste Erstaunen aus: wegen der Sprache, aber auch, weil der Prinz in der Lage war, Mitgefühl auszudrücken. Der Vater auch?

König verbot Schwester Kandidatur bei Wahlen

Den Willen zur Macht hingegen hat Maha Vajiralongkorn zur Genüge bewiesen. Obwohl die absolute Monarchie schon lange vorbei ist, hat er eine hochpolitische Rolle. Ohne seine Gunst kann keine Regierung überleben - auch die Militärs nicht, die vor fünf Jahren wieder einmal putschten. Bei Audienzen müssen auch sie auf die Knie. Als neuer König setzte er durch, dass er keinen Vertreter mehr braucht, wenn er - wie so oft - im Ausland ist. Zudem sicherte er sich volle Kontrolle über den riesigen Firmenbesitz der Dynastie. 

Für die größte Aufregung jedoch sorgte er im Frühjahr, als er seiner Schwester Ubolratana (68) verbot, gegen die Militärs als Premierministerin zu kandidieren. Offizielle Begründung: Das Königshaus stehe über der Politik. Für viele sieht es jedoch so aus, als ob Rama X. aktuell auf der Seite der Militärs ist. Zum Schluss der Feiern will sich der König am Montag - wie nach Krönungen üblich - von einem Balkon aus ans Volk wenden. Zu sagen gäbe es einiges.

mad / Christoph Sator / DPA