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US-Vorwahlen: And the winner is...

Auch Hollywood kürt derzeit seine politischen Favoriten. Ex-Terminator Arnold Schwarzenegger will John McCain unterstützen, Halle Berry steht auf Barack Obama und Steven Spielberg auf Hillary Clinton. Ein Mega-Star kann sich jedoch nicht entscheiden.

Von Frank Siering, Los Angeles

Sie sind beide erprobte Kämpfer. Der eine war Soldat in Vietnam und geriet in jahrelange Kriegsgefangenschaft. Der andere lieferte sich erbitterte Schlachten mit Menschen und Maschinen - allerdings virtuell. Nun stehen der echte Soldat, John McCain, und der Leinwand-Krieger, Arnold Schwarzenegger, Seit' an Seit' im Wahlkampf. Der "Terminator" und heutige Gouverneur von Kalifornien wird den republikanischen Senator aus Arizona unterstützen. Die Empfehlung des moderaten Republikaners könnte McCain, den seine Anhänger "Big Mac" nennen, den entscheidenden Schub im bevölkerungsreichen Kalifornien geben, wo am kommenden Dienstag über die Kandidaten der beiden großen Parteien abgestimmt werden soll. Allein dort werden nahezu 15 Prozent der Delegiertenstimmen für den republikanischen Nominierungsparteitag vergeben. Übrigens: Auch Schwarzeneggers früherer Schauspielerkollege Sylvester Stallone gehört zu den McCain-Unterstützern.

Hollywood zieht Spendierhosen an

Mit zwei solch kräftigen Männern im Rücken geht McCain gestärkt in den Vorwahl-Endspurt. Doch auch die anderen Kandidaten können sich über mangelnde Promi-Unterstützung nicht beklagen. Rund 33 Millionen Dollar sollen die Stars aus der Musik- und Filmindustrie bisher im heiß umkämpften Vorwahlkampf dem - einstmals großen- Kandidatenfeld gespendet haben. Hollywoods Elite zieht dieser Tage die Spendierhosen an, wenn es um die Wahl der Kandidaten für die neue Präsidentschaft geht.

Michael Douglas zum Beispiel hat den beiden demokratischen Favoriten Hillary Clinton und Barack Obama jeweils eine Spende in Höhe von 4600 US-Dollar zukommen lassen - mehr ist gesetzlich verboten. Auch Schauspielerkollegin Barbara Streisand möchte, dass das Weiße Haus endlich wieder in die Hände der Demokraten fällt. Sie überwies jeweils 2300 Dollar an Clinton, Obama und auch an den mittlerweile ausgestiegenen John Edwards. "In Amerika kostet ein Wahlkampf nun einmal sehr viel Geld. Und ich tue, was ich kann, um die Republikaner aus der Macht zu hebeln", sagt die "Rote Zora" Streisand stets gern bei einem der vielen Champagner-Empfänge, die sie dieser Tage - ganz selbstlos, versteht sich - besucht.

Steven Spielberg und Rob Reiner zählen ebenfalls zu den Promis, die ihren Reichtum gern an verschiedene Kandidaten verteilen. Jetzt aber, da der "Super Tuesday" naht und das Rennen um die demokratische Nominierung auf Clinton versus Obama hinausläuft, werfen die Superstars ihre Eier dann doch lieber in ein Nest. "Ich werde von jetzt an Hillary unterstützen", verkündete jüngst Steven Spielberg. "Ihr Ehemann hat schon einen guten Job gemacht, und ich mag die Idee, dass wir der Welt erstmals einen weiblichen Präsidenten präsentieren können."

Oprah Winfrey vertraut Obama

Die bekannte Talkshow-Diva Oprah Winfrey dagegen ist da ganz anderer Meinung. Seit Wochen trommelt die einflussreiche Power-Lady die Werbetrommel für Barack Obama. Winfrey, die das erste Mal eine Empfehlung für einen Kandidaten aussprach, begründet dies so: Sie mache sich Sorgen, dass in den USA einiges in die falsche Richtung gehe, und sie vertraue Obama.

Doch schon machen sich Wahlkampfstrategen Gedanken, ob dieses geballte Aufgebot an Promi-Fans den Kandidaten wirklich nur hilft. "Die Unterstützung eines Hollywoodschauspielers kann bei vielen Wählern auch einen Negativeffekt haben, weil die Leinwandstars oftmals den Ruf haben, verwöhnt und zu wohlhabend zu sein", sagt etwa Lynn Vavreck, Professor für Politik an der University of California in Los Angeles.

Darüber hat wohl auch George Clooney nachgedacht. Clooney, ein persönlicher Freund von Obama, überließ die Entscheidung, ob er denn nun öffentlich für seinen politischen Buddy Werbung machen sollte oder nicht, dem Kandidaten selbst. Und die Berater von Obama kamen schnell zum Entschluss, dass Clooney lieber hinter den Kulissen denn auf der öffentlichen Bühne für Obama arbeiten solle.

Auffallend in Hollywood: Traditionell werden überwiegend die demokratischen Kandidaten von den Stars umgarnt. Ob nun Tyra Banks, Will Smith, Angela Bassett oder Halle Berry (allesamt für Obama) oder Michael Douglas, Danny De Vito und Tom Hanks (alle für Clinton), die Leinwandhelden mögen die liberalen Demokraten lieber. Ein Zyniker aus den Reihen der Stars, der lieber ungenannt bleiben möchte, sagte kürzlich "Die können es sich halt leisten, links zu wählen."

Aber auch die Republikaner haben prominente Gönner, allerdings nicht so zahlreich wie die Demokarten. So hat auch Mike Huckabee einen ehemaligen Actionstar auf seiner Seite, Chuck Norris tourt seit Monaten mit Huckabee duch das Land und hat sich zu einem der wichtigsten Helfer des ehemaligen Gouverneurs von Arkansas entwickelt. Komiker Adam Sandler dagegen hatte Rudy Giuliani mit einer Finanzspende von 2100 Dollar unterstützt - geholfen hat es allerdings nichts, Giuliani hat schon aufgegeben. Einzig Mitt Romney wurde von Hollywood - bisher zumindest - links liegen gelassen. Außer dem Sänger Pat Boone hat er keine Promis auf der Habenseite.

Mitarbeit: Malte Arnsperger