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VERURTEILT: Ein Prinz auf Bewährung

Acht Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 500.000 Mark! So lautet die Quittung für die Prügel- und Pöbel-Attacken von Prinz Ernst August von Hannover.

Ernst August Prinz von Hannover ist vom Amtsgericht in Springe wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Außerdem muss der Prinz eine Geldstrafe von 500.000 Mark zahlen. Das Gericht befand Ernst August nach einer mehrstündigen Verhandlung in allen Anklagepunkten für schuldig. Der Prinz war nicht erschienen, hatte aber über seinen Anwalt ein Teilgeständnis abgelegt und die Beleidigung von zwei verantwortlichen Redakteuren der »Bild«-Zeitung im vorigen Jahr eingeräumt. Das Gericht sah auch die Vorwürfe der Körperverletzung in zwei anderen Fällen durch Zeugenaussagen als erwiesen an. Der Anwalt des Prinzen ließ zunächst offen, ob Ernst August die Entscheidung annehmen wird.

Der Prinz wurde mehrfach tätlich

Den Zeugenaussagen zufolge hatte Ernst August während der Salzburger Festspiele 1999 eine Fotografin getreten und im vergangenen Jahr einen Hotelgeschäftsführer auf der kenianischen Insel Lamu verprügelt. Die als Zeugin geladene Fotografin der Illustrierten »Bunte«, Sabine Brauer, gab an, der Prinz habe in Salzburg nach einer höflichen Anfrage, ob sie ihn fotografieren dürfe, getobt und ihr ins Gesäß getreten. Auch drei aus Kenia angereiste Zeugen bestätigten weitgehend den Vorwurf der Anklage, wonach der Prinz auf der Ferieninsel Lamu den Hotelgeschäftsführer Josef Brunlehner zusammen geschlagen hatte.

Urteil blieb unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine zehnmonatige Bewährungsstrafe sowie eine Million Mark Geldstrafe gefordert. Der Verteidiger hatte dagegen lediglich für eine Geldstrafe von 170.000 Mark sowie für Freispruch in zwei der drei Fälle plädiert. Der Anwalt des Prinzen, Jochen Heidemeier, sagte, es müsse genau überlegt werden, ob das Urteil akzeptiert werde.

»Bild«-Journalisten weisen Entschuldigung zurück

Heidemeier erklärte weiter, sein Mandant bedauere die Beschimpfungen der »Bild«-Journalisten. Die Entschuldigung wiesen die frühere Leiterin von »Bild«-Hannover, Anne-Kathrin Berger, und ihr Anwalt jedoch zurück. Ernst August hatte sie nach der so genannten »Pinkel-Affäre« auf der Weltausstellung Expo in Hannover im Juni vergangenen Jahres am Telefon mit obszönen Äußerungen beleidigt. Die Boulevardzeitung hatte zuvor in Wort und Bild berichtet, der Prinz habe bei seinem offiziellen Expo-Besuch öffentlich am Pavillon der Türkei uriniert.