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Was macht eigentlich ...: ... Tina Theune-Meyer?

Von 1996 bis 2005 war sie Bundestrainerin der Deutschen Fußballfrauen. Mit ihr gewann die Nationalmannschaft fünf EM-Titel - und wurde vor vier Jahren erstmals Weltmeister.

Frau Theune-Meyer, wie oft ruft Bundestrainerin Silvia Neid an, Ihre Nachfolgerin, und bittet um Rat?

Das gab’s noch nie. Wir halten nach einem Länderspiel mal ein Schwätzchen, ich komme auf einen Kaffee vorbei, wenn die Mannschaft einen Lehrgang hat. Die kann den WM-Titel im September auch ohne meinen Rat verteidigen. Ich werde nur als Zuschauerin dabei sein.

Neid war Ihre Assistentin, als die deutschen Frauen vor vier Jahren Weltmeisterinnen wurden. Wie lautete Ihr Erfolgsrezept – elf Freundinnen müsst ihr sein?

Und die typisch deutschen Tugenden ausspielen! Nein, wir hatten einfach viele herausragende Spielerinnen; Birgit Prinz, die sich im richtigen Moment durchsetzt und trifft, oder Silke Rottenberg im Tor - was hat die für ein Halbfinale hingelegt!

In dem besiegten Sie die Gastgeberinnen USA mit 3 : 0. Im Finale spielten Sie gegen Schweden, lagen zur Pause 0 : 1 zurück ...

... und dann kam Maren Meinert rein und machte direkt nach der Halbzeit den Ausgleich. Mit der Verlängerung war ich sicher: Das wird was. Wir hatten schon mal mit einem Golden Goal gegen Schweden gewonnen, im Finale der EM 2001. In der gleichen Minute wie damals, der 98., köpfte Nia Künzer das 2 : 1 - arme Schweden!

Und Sie haben schön ein Fass aufgemacht?

In der Kabine war mächtig was los! Silvia und ich sind noch mal raus, haben den Sieg im leeren Stadion genossen. Mit Getränk.

Beim Endspiel saßen hierzulande 13,6 Millionen Zuschauer vorm Fernseher. Was ist geblieben von dieser Begeisterung?

Wenn wir vorher bei der Nationalmannschaft 5000 Zuschauer hatten, war das schon toll. Jetzt kommen bis zu 20 000. Und die Spielerinnen haben eigene Sponsoren. Es hat sich eine ganze Menge verändert.

Als die Frauen 1989 ihren ersten EM-Titel gewannen, erhielten Sie vom DFB als Prämie ein Kaffeeservice mit Blümchenmuster.

Uns war nur der Titel wichtig. Ich hatte nie das Gefühl, jetzt musst du mal die Ellbogen rausholen und kämpfen; ich hatte immer selbstbewusste Leute um mich rum und mit meinem Vorgänger Gero Bisanz, dessen Assistentin ich damals war, einen Lehrer, für den es selbstverständlich war, dass Frauen auch Fußball spielen können.

Nach dem EM-Sieg im Juni 2005 legten Sie Ihr Bundestraineramt nieder. Warum?

Ich dachte, wenn ich mal etwas anderes machen will im Leben, sollte dafür noch Zeit sein. Und für die Familie, die ich selten gesehen habe, auch wenn meine Mutter mir immer nachgereist ist; sie hat dann Kuchen gebacken für die Mannschaft, aber viel haben wir nicht voneinander gehabt.

Ganz ohne Fußball können Sie dennoch nicht.

Ich arbeite noch Teilzeit beim DFB. Ich biete Fortbildungslehrgänge an für Verbandssportlehrer oder die Trainer der Frauen- Bundesliga, bin verantwortlich für Talentförderung - und kann andere Dinge machen. Vor meinem Abschied habe ich von einem Freund eine Klavierstunde geschenkt bekommen mit einem Pianisten, der sollte mir "You’ll Never Walk Alone" beibringen, was ich der Mannschaft nach dem letzten Spiel vorspielen wollte - und auch geschafft habe. Seitdem übe ich weiter.

Dann können Sie inzwischen auch "Football’s Coming Home" am Klavier?

Genau, das ist mein Lieblingssong unter den "Kick-Hits", so nenne ich sie.

Woher rührt eigentlich Ihr Faible für Fußball?

Bei der WM 54 war ich noch ganz klein. Mein Vater war Pfarrer, aber damals noch in der Ausbildung, er hatte nicht viel Geld und sich deshalb ein Radio gebastelt, an dem er alle Spiele verfolgte. Ich hörte mit, wie der Reporter rief: "Toni, du bist ein Fußball- Gott!" So hat es mein Vater immer erzählt: Toni Turek hat mich infiziert.

Interview: Ulrike von Bülow

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