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Was macht eigentlich...: ...Rezzo Schlauch?

Der Jurist aus Baden-Württemberg, der demnächst 60 Jahre alt wird, gehörte jahrelang zum grünen Realo-Flügel. Heute arbeitet er auch für die politischen Gegner von einst.

Herr Schlauch, in der Debatte um den Afghanistan-Einsatz wirken die Grünen zerstritten und kopflos. Juckt es Sie nicht in den Fingern, wieder mitzumischen?

Ach, bei den Grünen ist immer debattiert worden. Nein, ich hab den Schlussstrich gezogen, und ich fühl mich sauwohl dabei. Wenn Sie 25 Jahre an oft entscheidender Stelle mitgewirkt haben, dann ist das lange genug. Klar gab es schöne Momente, aber ich vermisse weder die Grünen noch die Politik. Die Rolle eines Beobachters ist mir genug.

Manche behaupten, Politik sei eine Droge. Demnach müssten Sie doch schwerstabhängig sein.

Also, ich muss sagen: Ich kenne bessere Drogen. Manche Politikaussteiger meinen ja, ohne sie gehe nichts und sie müssten noch im Hintergrund Strippen ziehen. Dieses "noch diese Stiftungsstelle, noch jener Entbürokratisierungsjob" ist nicht mein Ding.

Haben Sie denn schon den Ruhestand eingeläutet?

Nein, ich arbeite nach wie vor. Ich kümmere mich für die Münchner Kanzlei Mayer und Kambli ...

... deren Chef ein früherer CSU-Politiker ist ...

... um die Finanzierungsmöglichkeiten für Mittelständler. Außerdem bin ich Aufsichtsratsvorsitzender der Spreadshirt AG Leipzig, einer Internet-Company. Als Freelancer bin ich unter anderem für ein Entsorgungsunternehmen tätig. Und ich bin im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv, im Beirat der EnBW...

... einem Kernkraftwerksbetreiber in Deutschland, der nicht gerade für regenerative Energien steht.

Ja, aber ich stehe dazu. Ich habe mir die Aufgabe gestellt und die Möglichkeit bekommen, dort das Thema voranzutreiben.

Sie scheinen keine Scheu im Umgang mit einstigen politischen Gegnern zu haben.

Berührungsängste hatte ich noch nie. Es sei denn, es ist irgendetwas Nationalistisches oder brutal Kapitalistisches. Wer Mauern hochzieht, ist bloß unsicher.

Ehemalige Parteikollegen haben Ihnen wegen der Tätigkeit für EnBW Verrat an grünen Idealen vorgeworfen.

Das sind diese politisch ausgelatschten Argumentationspfade, wo man einem vorhält, was er eigentlich tun müsste. So was nehme ich nicht sehr ernst. Ich war immer jemand, der auch außerhalb der Partei seinen Kopf hatte. Bei dieser inneren Unabhängigkeit half mir, dass ich als Rechtsanwalt schon früher einen spannenden Job hatte, den ich nach der Politik wieder aufnehmen konnte.

Es wurde früher viel vom grünen süddeutschen Männerbund Schlauch, Kuhn und Fischer geredet. Was ist davon geblieben?

Wissen Sie, in den Medien werden Klischees transportiert, die in der Realität oft nicht stimmen. Ich bin in keinem Männerbund. Ich habe noch ein paar Kontakte, und das war’s dann auch.

Sie werden am 4. Oktober 60 Jahre alt. Werden Sie feiern?

Ich bin bekannt dafür, dass ich gerne Feste feiere, wenn sie kommen. Ich werde in meinem Haus-Club Zapata in Stuttgart feiern, einem Latino-Club, dem ich früher mal als Anwalt geholfen habe.

Ist der Mann, der früher mit dem Slogan "Zwei Zentner für Stuttgart" für sich warb, etwa zum Sambatänzer geworden?

Nein, um Gottes willen! Aber ich mag gute Musik und nette Leute, die auch gern feiern. Es sind übrigens inzwischen weniger als zwei Zentner.

Interview: Roman Heflik

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