VG-Wort Pixel

Berlin vertraulich! Was bei Merkel tickt


Jüngst entblößte Merkel ihre Armbanduhr: rechteckig, silbern, schwarzes Armband. Offenbar ein Luxusprodukt. Ist die Kanzlerin doch nicht so preußisch-puritanisch, wie sie immer tut?
Von Hans Peter Schütz

Hitzige Debatten sind in der Bundespressekonferenz, der wichtigsten Informationsquelle der Berliner Journalisten, immer mal wieder zu erleben. Aber wegen eines Feueralarms musste bisher kein Bundesminister beim "Verkauf" seiner politischen Botschaft abtreten. Bei Bundesumweltminister Peter Altmaier war das jetzt der Fall, als er die jüngsten Schritte zur Energiewende verkündete. Die Feuerwehr fuhr vor, man dachte zunächst an eine Aktion militanter Umweltschützer. Die Presseleute Altmaiers verkauften ihren Minister reaktionsschnell als den "Brandbeschleuniger der Bundesregierung." Die wahre Ursache: Wasserdampf aus einer Dusche hatte den Alarm ausgelöst. Das wiederum war eine logische Erklärung aus der Sicht der SPD: Den habe Altmaier wohl gebraucht, für seine Politik der "Augenwischerei".

*

Der Merkel-Kritiker Josef Schlarmann (CDU) macht dieser große Schlagzeilen mit seiner Kritik an der Kanzlerin. Aber Schlarmann hat sich auch selbst in Misskredit gebracht. Denn er verglich die deutsche Medienlandschaft mit Universitätskantinen, in denen nur ein Gericht serviert würde - das sei ein unappetitlicher Einheitsbrei, rügte der Mittelstandspolitiker. Das Hochschulmagazin "Unicum" schlug zurück. "Herr Schlarmann scheint nicht auf dem Laufenden zu sein, wie vielfältig in deutschen Mensen gekocht und aufgetischt wird." Kommentar aus der CDU: "Typisch Schlarmann, von der CDU weiß er das ebenfalls nicht."

*

Das hat es bisher noch nicht gegeben: Am Kabinettstisch im Kanzleramt nimmt ein Ehepaar Platz und diskutiert mit über die aktuelle Politik. So geschehen in der vergangenen Woche. Es nahmen Platz: Familienministerin Kristina Schröder und ihr Gatte Ole Schröder, Staatssekretär im Innenministerium, der seinen Ressortchef Hans-Peter Friedrich vertrat. Zwischen den Eheleuten saßen jedoch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Staatssekretär Hartmut Koschyk. Um von Ohr zu Ohr geflüsterte familiäre Absprachen zu verhindern? Nein, die Schröders machten nicht auf Familienbande, berichteten Teilnehmer der Sitzung. "Sie saßen am Tisch, wie wenn sie nicht zusammen gehörten." Und fuhren dann auch wieder in getrennten Dienstwagen weg.

*

Es gibt in der Republik Koalitionen, die keiner kennt. Alle wissen um das rot-grüne Bündnis in Baden-Württemberg. Aber wer hat schon die schwarz-grüne Koalition registriert, zu der sich der ehemalige grüne Wirtschaftsstaatssekretär Rezzo Schlauch und der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zusammengefunden haben? Sie arbeiten gemeinsam für die Türkei im Dienst der staatlichen türkischen Investitionsagentur "Investment Support and Promotion Agency" (ISPAT) und werben bei norddeutschen und baden-württembergischen Mittelständlern um Direktinvestitionen in die Türkei, deren Volkswirtschaft derzeit die am schnellsten wachsende in Europa ist. Das Land am Bosporus, sagt der "Senior Advisor" Rezzo Schlauch, besitze nicht nur einen attraktiven Inlandsmarkt, sondern sei auch ein ideales Sprungbrett in die Märkte im Mittleren Osten und in Nordafrika. Könnte die schwarz-grüne Partnerschaft auch für die Bundesrepublik so glatt laufen? Schlauch zu stern.de: "Das ist außerhalb jeglicher Realität."

*

Dieser Tage reiste Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nach Sierra Leone und verschenkte dort Bundeswehrmützen. Natürlich nicht sein altes, von Schweiß verzogenes Original, von dem der ehemalige Berufssoldat glaubt, es sei sein "Markenzeichen". Er verschenkte Kopien – nicht bezahlt aus eigener Tasche, sondern vom Unternehmer Michael Otto. Der hat die Initiative "Cotton made in Africa" ins Leben gerufen. Dazu passe Niebels Kampfhut doch ganz gut, rechtfertigen seine PR-Arbeiter das Unternehmer-Geschenk. Die Initiative kämpft für nachhaltige Baumwollproduktion und bessere soziale Verhältnisse der Kleinbauern sowie gegen Kinderarbeit.

*

Erwischt! Endlich! Ein Gefühl, das sich bei Journalisten einstellt, wenn sie glauben, ein brisantes Detail entdeckt haben. So geschehen, als Kanzlerin Angela Merkel im ZDF ihr Sommerinterview gab. Da rutschte der Ärmel ihres Blazers hoch und gab den Blick frei auf eine rechteckige, silbern eingefasste Armbanduhr mit schwarzem Band. Hallo, hat die schon mal jemand gesehen? Ein luxuriöses Exemplar! Ist Merkel vielleicht doch nicht so preußisch-puritanisch, wie es immer den Anschein hat? Ein Standbild aus dem Sommerinterview war schnell gefunden, eine - wenn auch unscharfe - Vergrößerung der Uhr erstellt. Ein Uhrenexperte, von stern.de konsultiert, mutmaßte, das könne eine "Jäger LeCoultre Reverso" sein, Preis, je nach Modell, zwischen 4000 und 8000 Euro. Jetzt brauchte es nur noch eine kurze Recherche, ob jemand bereits über Merkels Uhr geschrieben hatte. Nun: Das hatten viele, wie sich zeigte. Zum Beispiel die FTD. Das Ergebnis: Merkel trägt eine "Boccia Titanium" im Wert von 89 Euro. Lakonischer Kommentar des von der FTD konsultierten Juweliers: "Das ist was für Leute, die eine Uhr haben wollen, welche die Zeit anzeigt." Typisch Merkel!

Hans Peter Schütz

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker