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Was macht eigentlich...: Dennis Rodman

Er war einer der besten Basketballer der USA. Sein Image als Paradiesvogel festigte er durch wilde Affären, grell gefärbte Haare und jede Menge Skandale

Die Skandalschlagzeilen über Sie sind weniger geworden. Haben Sie keine Lust mehr, Ihr Bad-Boy-Image zu pflegen?

O Mann, ich habe meistens unter Drogeneinfluss, besoffen und manchmal sogar in komplett nüchternem Zustand schon so viel Scheiß gebaut, das reicht für mehrere Leben. Es ist ein Wunder, dass ich das letzte Jahrzehnt überlebt habe. Mein Alltag bestand fast nur noch aus wilden Partys und Orgien, bei denen wir es richtig krachen ließen. Mittlerweile hab ich mein Strandhaus in Newport Beach verkauft, weil ich die restlos entnervten Nachbarn nicht länger quälen wollte.

Also doch zahm geworden?

Zahm wäre übertrieben. Aber ich kümmere mich halt jetzt mehr um meine Kinder und starte eine Karriere als Großgastronom. Das "Rodman's" in Newport Beach habe ich vor kurzem eröffnet, jetzt kommt eines auf der Hawaii-Insel Maui, im Juni in Honolulu. Und im Herbst sollen Restaurants in Las Vegas und San Diego folgen.

Hatten Sie als Kind davon geträumt, Formel-1-Pilot zu werden?

Nie. Ich liebte die Natur, streunte als kleiner Ökologe durch Felder und Wälder. Aber wie das Schicksal so spielt! Meine Schulleistungen blieben im Minus, und meine Eltern sagten: Jeder Mensch hat seine Fähigkeiten. Man muss sie nur hervorkitzeln. Sie drängten mich, etwas zu finden, worin ich andere schlagen konnte.

Also der Autosport?

Mein Vater war Motorsportjournalist und Motorradfan. Er schenkte mir eine Motocrossmaschine. Mit dem Ding gewann ich fast alle Rennen. Schon bald bekam ich ein Angebot, auf Autos umzusteigen.

Zwei Jahre danach fuhren Sie in der Königsklasse. Sie müssen ziemlich schnell ziemlich gut gewesen sein.

Ich war aber nie der passionierte Fahrer, für den man mich hielt. Zwar fuhr ich schnell, aber sozusagen mit Distanz.

Wie meinen Sie das?

Glück und Tragödie liegen in diesem Sport nur Hundertstel von Sekunden auseinander. Die Marge zwischen Erfolg und Drama ist minimal. Ich wollte deswegen nicht alles herauspressen, eher die Gefahren zügeln, hielt mir immer eine Sekunde in Reserve. Für den Notfall.

Ihr Vater Philander soll 20 Kinder haben. Wollen Sie ihn übertreffen?

Das dürfte unmöglich sein, denn mein Dad hat sogar 39 Kinder mit acht Frauen. Mein alter Herr lebt auf den Philippinen, er ist wirklich eine Sexmaschine. Dieses Gen habe ich definitiv von ihm. Aber mir reichen meine fünf Kinder völlig, der Unterhalt für die ist schon teuer genug.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren einstigen Mitstreitern vom legendären Siegerteam der Chicago Bulls?

O ja, vor allem mit Michael Jordan treffe ich mich regelmäßig. Dann rauchen wir gemeinsam eine Zigarre und sprechen über die gute alte Zeit. Michael war es auch, der mich inspiriert hat, ein Comeback zu starten.

Sie planen ein Comeback?

Ja, ich will noch ein oder zwei Jahre in der NBA aktiv werden. Seit einem Jahr spiele ich in der Amateurliga für die Long Beach Jam. Leider war ich in den vergangenen Wochen oft verletzt, aber sobald ich wieder fit bin, plane ich das Comeback. Vielleicht bei einem der beiden Profiteams in Los Angeles, den Lakers oder den Clippers.

Sind Sie mit 43 dafür nicht etwas zu alt?

Unsinn, ich kann noch locker mithalten. Ich bin ehrgeizig und freue mich schon auf die Duelle mit eurem deutschen Starspieler Dirk Nowitzki aus Dallas. Der Junge ist echt gut. Aber ich bin besser.

Albert Eikenaar / print