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WAS MACHT EIGENTLICH...: Martin Böttcher

Mit dem »Schatz im Silbersee« fing alles an: Der Komponist schrieb in den Sechzigern die Melodien für zwölf Karl-May-Filme, einige landeten sogar in den Hitparaden.

Mit dem »Schatz im Silbersee« fing alles an: Der Komponist schrieb in den Sechzigern die Melodien für zwölf Karl-May-Filme, einige landeten sogar in den Hitparaden.

Zur Person:

Der Filmkomponist lebt mit seiner Frau Annemarie, 68, abwechselnd auf Sardinien und im schweizerischen Lugano. Böttcher schrieb die Musik zu 57 Spielfilmen und zahlreichen Fernsehsendungen. Berühmt wurde Böttcher durch seine Kompositionen für die Karl-May-Abenteuer und für die Edgar-Wallace-Krimis. Mit Winnetou-Darsteller Pierre Brice ist der Komponist noch immer befreundet.

Wir spielen jetzt »Erkennen Sie die Melodie«. Sind Sie bereit?

Aber sicher.

Taa-taaaa-taaaa-ta-ta-taaa.

Ist das meine Old-Shatterhand-Melodie von 1962?

Fast. Das war die Filmmusik aus der Winnetou-Persiflage »Der Schuh des Manitu«, geschrieben von einem gewissen Ralf Wengenmayr. Schon mal gehört?

Nein, noch nie. Die Musik hat er wohl adaptiert, vorsichtig ausgedrückt.

Rund fünf Millionen Menschen haben im Kino bisher über den schwulen »Winnetouch« gelacht. Können Sie mitlachen?

Ich habe sehr viel gelacht. Der Film ist originell.

Komponieren Sie noch?

Im Moment nicht.

Was machen Sie dann?

Ich kümmere mich um Fanpost und Plattenprojekte. Und ich will mal wieder surfen.

Sie surfen?

Eine alte Leidenschaft von mir. Ich habe 1971 bei einem Freund auf Sylt das erste Surfbrett gekauft, das es in Deutschland gab.

Mit der Musik zu den Karl-May-Verfilmungen wurden Sie berühmt. Wie groß ist Ihr Anteil am Erfolg von Winnetou und Old Shatterhand?

Das müssen andere beurteilen. Die Titelmelodie vom »Schatz im Silbersee« gefällt mir immer noch.

Wie drückt man die Freundschaft eines Apatschen-Häuptlings zu einem Bleichgesicht in Noten aus?

Mit Streichern und einer Mundharmonika. Das Soloinstrument marschierte sozusagen zu den Streichern.

Ein spontaner Einfall oder harte Arbeit?

Das kam ganz spontan. Ich sah die Bilder, und das Thema war sofort da. Ansonsten bin ich eher ein Bastler, kein Schnellschreiber.

Hat Sie Hollywood nie gereizt?

Ich hatte Ende der sechziger Jahre ein lukratives Angebot. Aber ich blieb hier.

Warum?

Mir war die Familie wichtiger. Ich war gerade erst in die Schweiz gezogen, um mich ein bisschen zu erholen.

Wovon?

Ich hatte jahrelang geschuftet und oft bis morgens um fünf komponiert. Eines Tages sagte mir mein Arzt, ich müsse mein Leben ändern, weil es sonst bald mit mir zu Ende ginge. In der Schweiz klingelte nicht den ganzen Tag das Telefon.

Bedauern Sie diese Entscheidung heute?

Nein, wenn ich nach Amerika gegangen wäre, wäre ich heute entweder tot oder ein reicher Mann.

Hat sich die Arbeit eines Filmkomponisten gegenüber früher verändert?

Es ist nicht mehr angenehm zu arbeiten. Heute kämpft jeder gegen jeden. Die Komponisten versuchen, sich mit Billigpreisen zu unterbieten.

Man wird also nicht steinreich?

In Hollywood schon, hier nicht. Hollywood zahlt heute auch mal eine Million pro Film. Für den ganzen »Winnetou« habe ich damals 8000 Mark bekommen.

Sind die Sender heute spendabler?

Nein. Ich sollte für das ZDF die Titelmelodie zur »Schwarzwaldklinik« machen. Aber wir konnten uns nicht über das Honorar einigen.

Und die Entwürfe verschwanden im Müll?

Nein, die habe ich später für »Forsthaus Falkenau« wiederverwenden können.

Zum guten Schluss: Welches Karl-May-Buch ist Ihr liebstes?

Keine Ahnung, ich habe kein einziges gelesen.

Interview: Tobias Schmitz