WAS MACHT EIGENTLICH... Thilo Bode


Der Volkswirt und Soziologe war von 1995 bis 2001 Geschäftsführer von Greenpeace International. Zuvor hatte er sechs Jahre lang die deutsche Sektion der Umweltorganisation geleitet.

Der Volkswirt und Soziologe war von 1995 bis 2001 Geschäftsführer von Greenpeace International. Zuvor hatte er sechs Jahre lang die deutsche Sektion der Umweltorganisation geleitet. Das Logo seiner neuen Verbraucher-Organisation Foodwatch ist ein Apfel.

Zur Person


Der 55-Jährige war zweimal verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Vor seinem Engagement bei Greenpeace arbeitete Bode unter anderem als Projektmanager bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau und als Berater für Entwicklungsfragen.

Herr Bode, Sie haben nach Ihrem Ausscheiden bei Greenpeace ein Sabbatjahr eingelegt. Wie haben Sie diese Zeit verbracht?

Ich habe entspannt gelebt, Vorlesungen an der Uni gehört, Vorträge gehalten, publiziert und hatte Zeit nachzudenken.

Als Greenpeace-Chef waren Sie ein gefragter Mann. Wie lebt es sich nun ohne den Glanz dieses Postens?

Ich war ja nicht unvorbereitet. Aber man fühlt sich plötzlich auch nackt. Manche vermeintliche Freunde kennen einen nicht mehr. Das ist hart, aber auch heilsam.

Wie denken Sie heute über die Umweltbewegung?

Sie ist so wichtig wie noch nie, darf sich aber nicht verzetteln. Die fortschreitende Globalisierung und die mit ihr einhergehende Zerstörung der Umwelt lässt uns nicht viel Zeit.

Wie kamen Sie auf die Idee, mit Foodwatch jetzt eine Verbraucherorganisation zu gründen?

Durch die BSE-Krise. Da gibt's eine skrupellose Futtermittelindustrie, die kommerzielle Interessen über das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit stellt und die von der Politik auch noch geduldet wird. Mir fiel beim BSE-Skandal besonders auf, dass es keine unabhängige Stimme gibt, die offensiv Verbraucherinteressen vertritt.

Diese Stimme soll nun Foodwatch sein?

Die Verbraucher haben das Recht zu erfahren, was im Essen drin ist, wo und wie es hergestellt wird. Wir wollen nicht, dass gefährliche Chemikalien in Futtermitteln und schließlich auf unserem Teller landen oder dass man synthetische Geschmacksstoffe aus Sägemehl »naturidentisches Erdbeeraroma« nennen darf.

Was Sie wollen, will auch das grüne Verbraucherschutzministerium. Warum überlassen Sie denen nicht einfach die Arbeit?

Die Agrar-, Futtermittel- und Pharmaindustrie ist so stark organisiert, dass die Politik ohne Druck der Bürger machtlos ist. Verbraucherrechte wurden in den letzten Jahrzehnten zugunsten des freien Warenverkehrs in der EU immer weiter ausgehöhlt.

Als ich noch Greenpeace-Chef war, sagte Umweltminister Töpfer zu uns: »Ich brauche euch, ich schaffe es nicht ohne Druck von außen.« Ich nehme an, Frau Künast würde dasselbe sagen.

Was wollen Sie konkret machen?

Viele sagen, als Einzelner kann man nichts verändern. Aber alle Verbraucher zusammen sind ein »schlafender Riese«. Sie können sich wehren, indem sie bestimmte Produkte kaufen und andere boykottieren. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Ernährung, Ethik, Umwelt und moderne Lebensweise besser unter einen Hut zu bekommen. Diese Ansätze wollen wir bekannt machen.

Welche Aktionen plant Foodwatch?

Wir recherchieren, informieren, beraten, nennen Verantwortliche, schlagen Lösungen vor und üben so Druck auf Politik und Unternehmen aus. Ein kleines Beispiel: Um Kakao zu ernten, werden in Westafrika Kindersklaven eingesetzt. In den USA ist das ein großes Thema, viele Leute wollen so einen Kakao nicht kaufen. In Deutschland weiß man aber gar nicht, welche Konzerne betroffen sind. Hier will Foodwatch aufklären.

Wie finanzieren Sie sich?

Das Anfangskapital hat uns die Zukunftsstiftung Landwirtschaft zur Verfügung gestellt. Aber jetzt müssen wir uns aus Mitgliedsbeiträgen selbst finanzieren. Bis Mitte nächsten Jahres wollen wir etwa 10000 Mitglieder werben.

Interview: Markus Grill


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