HOME

Was macht eigentlich...: Vivi Bach

Die Tochter eines Kopenhagener Konditors schrieb mit ihrem zweiten Ehemann Dietmar Schönherr und der Familienshow "Wünsch dir was" Fernsehgeschichte

Zur Person:

Nach der Schule begann sie eine Ausbildung zur Maskenbildnerin, schwenkte aber schon bald um auf Gesangs- und Schauspielunterricht. Ende der 50er Jahre wurde Vivi Bach fürs deutsche Kino entdeckt. Sie spielte in Filmen wie "So liebt und küsst man in Tirol" (1961) oder "Verrückt und zugenäht" (1962). Bei Dreharbeiten lernte "die dänische Bardot" Dietmar Schönherr kennen. 1965 heirateten sie. Höhepunkt ihrer Karriere war die Familienshow "Wünsch dir was". Bis 1973 wurde sie 24-mal ausgestrahlt: Drei Familien traten in spektakulären Spielen gegeneinander an. Liebenswert machte Vivi Bach vor allem ihr Akzent - bis heute hat sie Mühe mit der Aussprache des "sch". Seit 1985 unterstützt das Ehepaar Entwicklungshilfeprojekte in Nicaragua.

Das Interview mit Vivi Bach führte Alexander Kühn

Sie leben seit einem Jahr auf Ibiza. Das ist doch wie Urlaub, oder?

Das Wetter ist ein Traum. Dietmar und ich haben hier in unserem Häuschen acht Jahre lang die Ferien verbracht - und uns dann entschlossen, ganz überzusiedeln. Aber ich habe die Schweiz nicht gern verlassen. Der Rhein! Mein geliebter Kaiserstuhl! Der Nachteil war nur: Unser Haus hatte fünf Stockwerke - und man wird ja nicht jünger.

Wie gut ist Ihr Spanisch?

Noch nicht so perfekt wie mein Schwyzerdütsch. Aber ich weiß, was "Hilfe!" heißt, "Wein" und "Brot" - ich werde also weder ertrinken noch verhungern.

Sie sprechen immer noch mit Ihrem lustigen dänischen Akzent. Haben Sie nie versucht, ihn loszuwerden?

Ich schimpfe immer mit meiner Zunge, aber es hilft nichts. Sie will einfach nicht mitspielen. In den ersten Filmen, die ich in Deutschland gedreht habe, wurde ich sogar synchronisiert.

Interessieren die Fernsehsender sich nicht mehr für Sie?

Die haben mich immer wieder in Talkshows eingeladen, aber seit gut zehn Jahren sage ich alles ab. Ich rede nicht gern über mich.

Wie geht es eigentlich Ihren Augen?

Den grauen Star habe ich überstanden, nach zwei Operationen sehe ich wieder wie ein Adler. Vor ein paar Wochen wurde ich am Meniskus operiert und habe noch Probleme, wenn ich die Treppen runtergehe. Ansonsten geht's mir prima.

Und die Panikattacken?

Welche Panikattacken?

Es war doch überall zu lesen, Sie hätten Probleme, unter Menschen zu gehen.

Ich fühle mich auf Großveranstaltungen nicht wohl, das ist alles. Ach, es wird so viel geschrieben. Irgendwo hieß es auch: Die Vivi Bach lässt sich nicht mehr fotografieren, weil sie so unmanierlich dick geworden ist. Ich wiege gerade mal 55 Kilo bei 1,68 Meter Größe.

Sie und Ihr Mann engagieren sich seit Jahren in Nicaragua. Wie oft sind Sie dort?

Dietmar war gerade drüben; er ist unermüdlich. Ich blieb hier, weil mir nach der Meniskusoperation die 19 Stunden Flug zu anstrengend waren. Da habe ich lieber an meinem Buch gearbeitet.

Ihrer Autobiografie?

Ich werde mich hüten. Ich schreibe Kurzgeschichten. Es gibt nur ein Problem: Ich schreibe auf Dänisch - und die Schreibmaschine ist deutsch, die hat kein "Ø". Meine alte Schreibmaschine ist leider ertrunken, als wir einen Wasserschaden hatten.

Schauen Sie sich im Fernsehen eigentlich Wiederholungen von "Wünsch dir was" an?

Ich kriege Schweißausbrüche, wenn ich nur die Erkennungsmelodie höre.

So schlimm war die Sendung doch nicht!

Für Sie nicht! Aber machen Sie mal eine Zwei-Stunden-Show in einer fremden Sprache!

"Wünsch dir was" hat dem Fernsehen legendäre Momente beschert. Allein das Mädchen mit der durchsichtigen Bluse ...

... aber wir haben doch so viel mehr gemacht! Wir sind zum Beispiel auf eine Müllhalde gegangen und haben gezeigt, was die Deutschen so alles wegwerfen: Flaschen, Bücher, Möbel. Warum erinnert sich daran niemand mehr?

Was müsste ein Produzent bieten, um Sie noch mal vor die Kamera zu bekommen?

Keine Chance.

Gar keine?

Hm... wenn es eine richtig lustige Rolle wäre, würde ich es mir überlegen. Und ein gutes Drehbuch. Und wenig Text. Und höchstens drei Drehtage - länger möchte ich nicht von Dietmar getrennt sein.

print