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was-macht-eigentlich: Heinrich Lummer

Der kantige CDU-Rechtsaußen war zwischen 1981 und 1986, in der Hoch-Zeit der Hausbesetzer-Bewegung, Innensenator von Berlin

Der kantige CDU-Rechtsaußen war zwischen 1981 und 1986, in der Hoch-Zeit der Hausbesetzer-Bewegung, Innensenator von Berlin STERN: Dienstag ist Jeans-Tag. Da hocken Sie, in Lederjacke und Cowboystiefeln, im Hörsaal und studieren Kunstgeschichte. Ist der Mann fürs Grobe auf seine alten Tage feinsinnig geworden?

LUMMER: Ich habe mich schon immer für Kunst und ihre Geschichte interessiert. Aber ich sollte damals nicht Wissenschaftssenator werden, sondern Innensenator. Und in dieser Funktion mußte ich gelegentlich auf einen groben Klotz einen groben Keil setzen.

STERN: Sie sind im Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin Gasthörer . . .

LUMMER: . . . und zahle pro Semesterstunde 30 Mark. Ich könnte mich auch einfach so da reinsetzen, aber das will ich nicht.

STERN: Warum gerade Kunstgeschichte?

LUMMER: Es hätte vielleicht auch Philosophie sein können. Aber wenn ich die Galerien und Museen in Paris oder Rom besuche oder mir alte Burgen, Kirchen und Schlösser in den neuen Bundesländern anschaue, will ich mehr davon verstehen.

STERN: Früher waren Sie für linke Hausbesetzer und Studenten der rechte Buhmann. Werden Sie heute auf dem Campus wiedererkannt?

LUMMER: Die Kunstgeschichtler sind andere Typen als die Politologen. Und die Studenten von heute waren damals gerade mal auf der Welt, als es Anfang der achtziger Jahre die Hausbesetzer-Krawalle in Berlin gab. Natürlich streift mich mal ein skeptischer Blick. Aber das war's dann auch schon.

STERN: Seit den letzten Wahlen sind Sie nicht mehr Abgeordneter der CDU im Bundestag. Wie kommen Sie als Ruheständler zurecht?

LUMMER: Ich bin Vorsitzender eines Berliner Vereins, der politische Bildungsarbeit betreibt, arbeite bei den Deutschen Konservativen mit, werde häufig zu Vorträgen gebeten und schreibe für diverse Zeitungen. Und dann habe ich hier jede Menge Bücher, die ich noch lesen will. Ich versichere Ihnen, daß mir nicht langweilig wird.

STERN: Auch Ihren Haushalt schmeißen Sie selbst...

LUMMER: Soweit ich das kann, sicher. Zudem habe ich eine Putzfrau, die meine Wohnung sauberhält und bügelt.

STERN: Sie waren immer gut für deftige Schlagzeilen. Im Wahlkampf 1970/71 haben Sie zum Beispiel einer rechtsradikalen Gruppierung 2000 Mark bezahlt, damit sie nicht zur Wahl antritt.

LUMMER: Es war nicht mein persönliches Geld, das ich da überbracht habe. Die wollten erst mehr, ich habe sie dann runtergehandelt. Es hätte dem Ansehen der Stadt und natürlich auch der CDU geschadet, wenn die zur Wahl angetreten wären. Die Aktion war damals mit mehreren CDU-Leuten abgesprochen gewesen.

STERN: Zwischen 1973 und 1981 hatten Sie eine Affäre in Ost-Berlin - ausgerechnet mit einer Stasi-Agentin.

LUMMER: Wenn ich das vorher gewußt hätte, hätte ich mit Sicherheit die Pfoten davon gelassen. Aber ich hatte es noch nicht mal geahnt.

STERN: Vor ein paar Jahren haben Sie sich mit dem jetzt inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan in Damaskus getroffen, um ihn zum Gewaltverzicht in Deutschland zu bewegen. Wie haben Sie ihn erlebt?

LUMMER: Ein salopper Mensch, leger gekleidet. Ein Mann mit Charisma, zweifellos. Ich konnte mit ihm reden, sogar heftig diskutieren. Das ging ganz ohne diplomatische Floskeln.

STERN: 1997 wurde Ihr Führerschein für sieben Monate entzogen, weil Sie mit 1,96 Promille durch Berlin gegurkt sind.

LUMMER: Daß ich besoffen Auto gefahren bin, bereue ich heute zutiefst. Mehr aber auch nicht.

Mit Heinrich Lummer sprach STERN-Reporter Werner Mathes.

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