Eigene Kollektion Kaufrausch mit Kate Moss


Am 1. Mai ist K-Day in Großbritannien: Topmodel Kate Moss bringt ihre erste eigene Mode-Kollektion heraus. Mit strengen Regeln, farbigen Armbändern, Snack-Beuteln und Sicherheitsleuten rüsten sich die Läden für den Run.

Schlange stehen ist für die Briten längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Mittlerweile wird ihnen das in einem "Überlebens-Ratgeber" im Internet näher gebracht. Denn beim Verkaufstart der Kollektion von Supermodel Kate Moss für die britische Modekette Topshop an diesem Dienstag verlässt sich niemand auf die feine englische Art. Die 225 Filialen in Großbritannien erwarten einen Ansturm Kaufwütiger und rüsten sich zum "K-Day" mit mehr Sicherheitspersonal und strikten Anweisungen. Die 33-jährige Kate scheint wieder so angesagt zu sein wie vor ihrer Zeit als "Kokain-Kate".

Kate Moss als Schaufensterpuppe

Etwa 50 Ideen des britischen Topmodels wurden verwirklicht. Blusen, Westen, Hosen, Kleider, Lederjacken und Gürtel rangieren in einer Preisspanne zwischen 3 und 150 Pfund (rund 4,50 bis 225 Euro). Selbst wenn Kate Moss nicht wie angekündigt am Montagabend bei der Vorab-Präsentation als Schaufensterpuppe im Flaggschiffladen an der Londoner Oxford Street posieren sollte: Erwartet wird, dass die Artikel in Rekordzeit ausverkauft sind und sich später im Internet beim Auktionshaus eBay wiederfinden - zum vielfachen Preis.

Schon ruft der "Survival Guide" auf der Topshop-Internetseite auf: "Warte in der Schlange, bis du ein farbiges Armbändchen bekommst und einem Zeitfenster zugeteilt wirst." Wasser und Snack-Beutel sollen unter den Wartenden verteilt werden. Aber nicht mehr als fünf Moss-Artikel dürfen gekauft, nicht mehr als acht anprobiert werden. Verboten ist auch "Flehen, Herumwühlen und Bestechen". Denn: "Morgen wirst du dafür bloßgestellt", warnt Topshop mit Blick auf die zahlreichen Pressefotografen, die sich voraussichtlich unter die Shopping-Meute mischen werden.

Vergleich mit dem Aschenputtel-Märchen

"Wir alle wollen das bisschen Kate Moss in uns zeigen", beschreibt die Zeitung "The Independent" den Hype. Ob das jedem mit den superkurzen Hosen der Kollektion gelingen wird, bleibt zwar dahingestellt. Auf ein schönes Leben mit den passenden Kleidern hoffen dagegen nach Meinung von Psychologen viele. Benjamin Fry, Psychologie-Experte bei der BBC, zieht den Vergleich mit dem Aschenputtel-Märchen: "Das zerrüttete Heim, die tyrannisierende Schwiegermutter, alles egal." Kate Moss werde zur märchenhaften Patin, "sie macht dich zu jemand, der keine Probleme hat, der dir das perfekte Leben schenkt".

Doch Kate Moss, geboren in einem Vorort Londons und durch eine Kampagne des Designers Calvin Klein bekannt geworden, verkörperte alles andere als das perfekte, problemlose Leben. Ende 2005 ramponierten Bilder einer koksenden Kate das Image der blonden und zerbrechlichen Schönheit. "Kokain-Kate" generierte zudem mehr Fotos und Schlagzeilen mit ihrer Beziehung zu Rüpel-Rocker Pete Doherty als mit ihrem Modelgesicht. Nachdem Moss bereits das Ende in der Modewelt vorausgesagt wurde, kann sie mit der gelungenen PR-Aktion bei Topshop ihren Ruf als Stil-Ikone wieder aufpolieren.

Denn egal, was Kate trägt, es wird zum Trend: Superenge Jeans, Männerhüte oder sogar die einst so ollen Birkenstocksandalen. Die 4,5 Millionen Euro, die die Mode-Vorreiterin für ihre Arbeit bei Topshop bekommen haben soll, wären auch nicht mehr nötig gewesen: Mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet rund 66 Millionen Euro gehört sie bereits zu den reichsten Briten.

Annette Reuther/DPA DPA

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