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Modekette Mango: Saure Südfrucht !!SPERRFRIST!!: 24.01.08

Die Modekette Mango versprach ihren deutschen Franchisepartnern gute Geschäfte. Einige behaupten nun, sie seien systematisch in den Ruin getrieben worden.

Von Bettina Weiguny

Mäntel mit Kunstpelz sind der Renner in diesem Winter, glänzende kniehohe Stiefel und enge Röhrenjeans. Das weiß Leonore Teise, die in der Rostocker Innenstadt die Filiale der spanischen Modekette Mango leitet. Solche Artikel hätten sich auch bei ihr gut verkauft. Stattdessen aber hängen trotz Kälte weiße und bunt gemusterte Sommerkleider in ihrem Geschäft, ärmellose Tops und kurze Röcke. Es sind die Überbleibsel von der letzten Lieferung aus der Mango-Zentrale in Barcelona. "Die kam im vorigen Sommer", erzählt die Ladenbesitzerin frustriert. Danach hat Mango den Warenhahn für die Franchisefiliale in Rostock zugedreht. Der Grund: Teise war in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Schuld daran gibt die Ladenbesitzerin den Spaniern: "Sie haben uns in die Schuldenfalle gedrängt."

Die Modekette Mango erzielt bei weltweit mehr als 1000 Filialen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro. Vor zehn Jahren startete sie in Deutschland. Von Anfang an suchte sie neben eigenen Läden auch Franchisepartner. Mango legt fest, wie das Sortiment aussieht, schreibt Ladenausstattung und Werbemittel vor. Leonore Teise überwies Mango für ihre 300-Quadratmeter-Filiale 72.500 Euro Startgebühr sowie knapp 170.000 Euro für die Inneneinrichtung. Mango stellte der Betreiberin Umsätze in Höhe von über zwei Millionen Euro in Aussicht, doch Leonore Teise erzielte nur knapp 800.000 Euro im Jahr 2006. Ihr Vorwurf: Sie sei nur unregelmäßig, nicht in vollem Umfang und mit viel zu kleinen Größen beliefert worden. "Teile in XS und S brauchen wir hier in dem Maße nicht", ärgert sich Leonore Teise, 51. Immer wieder habe sie Mango "auf diesen Irrsinn aufmerksam gemacht". Geändert habe sich nichts. Die eigenbetriebenen Standorte seien von Mango besser und früher beliefert worden als sie, vermutet sie. Das bestreiten die Spanier vehement.

"Sicherlich haben wir Fehler gemacht"

Allerdings räumt Mango Probleme mit den privaten Partnern in Deutschland ein. "Sicherlich haben wir Fehler gemacht", erklärt Vorstandsmitglied Daniel Lopez. "Vielleicht waren wir im persönlichen Umgang nicht immer gut genug. Den Vorwurf, Mango habe seine Franchisepartner in die Schuldenfalle gedrängt, weisen wir aber zurück." Die Verträge und das Geschäftsgebaren der jungen Modemarke seien einwandfrei. Trotzdem hat in den vergangenen zwei Jahren ein Franchisenehmer nach dem anderen aufgegeben. Mango übernimmt dann in der Regel Laden und Einrichtung. Wenn Rostock nun schließt, bleiben von den bundesweit ehemals 20 eigenständigen Franchisegeschäften 6 übrig. Die Ex-Partner vermuten System hinter dem Vorgehen. "Die haben uns die Aufbauarbeit machen lassen und setzen sich nun ins gemachte Nest", wettert Peter Rosenberger, der bis vor knapp einem Jahr die Filiale in Hamm betrieben und den Laden im vorigen Herbst an Mango abgetreten hat.

Die vergangenen Jahre sind für Mango in Deutschland nicht zur Zufriedenheit verlaufen. Der "Country-Manager" Frank Beeck hat sie als "Phase der Konsolidierung" bezeichnet. Jetzt wolle Mango wieder aufs Tempo drücken. Allerdings eröffnen von den von ihm prognostizierten 15 Filialen in Deutschland vorerst nur 5. Leonore Teise will sich nicht "abspeisen" lassen. Sie hat kürzlich den von Mango angebotenen Vergleich in Höhe von 260.000 Euro ausgeschlagen und will die Spanier auf Schadensersatz in Höhe von 577.101,31 Euro verklagen. In Rostock klebt bereits schwarze Folie an den Schaufenstern. Die Firmenschilder "Mango" sind erloschen, die Kabel hängen lose an der Hauswand. Innen verkauft Teise neben den Resten der Sommerkollektion inzwischen Wohnaccessoires. Das dürfte sie eigentlich nicht. "Aber wir haben nichts mehr zu verlieren", sagt sie resigniert.

Mitarbeit: Cathrin Dobelmann

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