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Sexuelle Belästigung: Kesha verklagt ihren Produzenten "Dr. Luke"

Drogen, Alkohol, sexueller Missbrauch: Sängerin Kesha klagt gegen den Musik-Produzenten "Dr. Luke". Der hält dagegen und spricht von gemeinen Lügen und Erpressung.

Von Frank Siering, Los Angeles

Hollywood hat einen neuen Skandal – und der hat es wahrlich in sich. Die Sängerin Kesha ("Tik Tok") behauptet in einer schockierenden Anklage, dass sie von ihrem Produzenten "Dr. Luke", der mit bürgerlichem Namen Lukasz Gottwald heißt, über zehn Jahre lang sexuell, emotional sowie verbal und physisch misshandelt worden sei.

In der Klageschrift, die beim Superior Court in Los Angeles eingereicht wurde, werden diverse Details genannt, die mehr als beunruhigend klingen. Demnach habe der 41-jährige "Dr. Luke" Kesha mehrfach sexuelle Offerten gemacht, als sie gerade erst 18 Jahre alt war. Außerdem, so Kesha in der Anklage, habe er sie gezwungen, Drogen und Alkohol zu konsumieren, um ihre natürliche Schüchternheit zu überwinden.

Nackt im Hotelbett aufgewacht

In einem Fall habe sie vor dem Besteigen eines Flugzeugs ein ihr unbekanntes weißes Puder schnupfen müssen. Auf der Reise habe sich der Produzent dann auf sie gestürzt. In einem anderen Fall habe "Dr. Luke" ihr sogenannte "sober pills" (Ausnüchterungs-Pillen) gegeben, die sie angeblich einschlafen ließen. Sie sei – so steht es in der Anklage – am nächsten Tag nackt und mit Muskelkater im Hotelbett von "Dr. Luke" aufgewacht.

Die Klageschrift stellt den Produzenten im Detail als einen aggressiven Lustmolch dar, der die heute 27-jährige Sängerin praktisch gezwungen habe, sich ihm mit Drogen und Alkohol zu fügen. Er habe sie auch davon überzeugt, die High School und ihre Familie zu verlassen, damit er sich in Los Angeles um sie kümmern und sie zu einem Superstar machen könne.

Barfuß geflüchtet

Kesha beschuldigt ihren Produzenten außerdem, ihr gedroht zu haben, ihre Karriere zu zerstören, wenn sie sich in der Öffentlichkeit zu den Vorfällen äußert. Nach den Aussagen der Sängerin habe ihr einstiger Mentor sie sogar körperlich massiv bedrängt. Mindestens in einer Situation sei sie barfuß vor ihm geflüchtet, wie sie in der Klageschrift zitiert wird.

Keshas Anwalt ist Mark Geragos, bekannt durch seine Rolle als Verteidiger von Michael Jackson. Er sagte zu den Anschuldigungen: "Diese Klage ist der Versuch von Kesha, die Kontrolle über ihre musikalische Karriere zurückzugewinnen - nach Jahren als Opfer mentaler Manipulation und emotionalen Missbrauchs und mindestens einem sexuellen Angriff von "Dr. Luke"."

"Dr. Luke" bestreitet die Vorwürfe

Unmittelbar nach der eingereichten Klage konterte Luke mit einer Gegenklage. Demnach stimmen die Anschuldigungen Keshas nicht und seien als "unerhört" zu verwerfen. Vielmehr seien die Anschuldigungen ein Versuch von Kesha und ihrer Mutter Pebe Sebert, "Dr. Luke" zu erpressen, um die Sängerin so aus dem exklusiven Vertrag mit dem Produzenten herauszulösen.

Tatsächlich tauchen die beiden Klagen nur wenige Monate nach einem Streit zwischen Kesha, ihrer Mutter und Luke auf. Die Mutter von Kesha hatte den Produzenten für die schwerwiegenden Bulimie-Probleme ihrer Tochter verantwortlich gemacht.

In seiner Gegenklage behauptet Luke, er sei schon seit Monaten im Besitz von Keshas jetzt eingereichter Klageschrift. Sie wurde ihm als zusätzliches Druckmittel zugespielt, um Kesha aus dem Vertrag mit ihm zu entlassen. Lukes Anwältin Christine Lepera sagte am Dienstag in Los Angeles, dass Keshas Klage nichts weiter sei, als ein "Teil einer Kampagne, Lügen über meinen Mandanten zu verbreiten".

Frank Siering
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