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Doku-Drama über Wirtschaftskrimi "In dem Stoff steckt alles drin": Raymond Ley verfilmt den Wirecard-Skandal – und braucht dafür Sie

Wirecard-Schriftzug, Filmregisseur Raymond Ley
Der Wirecard-Skandal erschütterte die Finanzwelt – Regisseur Raymond Ley will ihn verfilmen
© Lennart Preiss / Getty Images Europe, Breuel-Bild / ABB
Die Ufa verfilmt den Wirecard-Skandal. Regisseuer Raymond Ley spricht im stern-Interview über die schwierigen Recherchen – und sagt, wie Sie ihm helfen können.

Es ist einer der größten Skandale der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte: Die Bilanzfälschung und anschließende Insolvenz beim ehemaligen Dax-Konzern Wirecard. Jetzt soll der Fall des Zahlungsdienstleisters verfilmt werden – und Sie können den Machern dabei helfen.

Verfilmung des Wirecard-Skandals: Interview mit Regisseur

Der stern sprach mit Regisseur Raymond Ley über seine Herangehensweise an den Stoff – und über den Zeitdruck bei einem solchen Projekt.

stern: Sie drehen für Ufa-Fiction ein Doku-Drama über das frühere Dax-Unternehmen Wirecard, das innerhalb weniger Wochen vom Börsenstar zum Pleitefall wurde. Warum ist der Fall so spannend?

Raymond Ley: Es geht um Geld, Aufstieg, Ansehen; mittlerweile gibt es einen Todesfall, ein Ex-Manager ist auf der Flucht, andere sind in Haft. Tausend Facetten. Vor allem aber geht es um die Vision von Macht. Anscheinend hat Wirecard-Chef Markus Braun ja keinen Widerspruch zugelassen. Aber welche Rolle spielte dann Jan Marsalek, der zweitmächtigste Manager – ein Mann, der sich ja offenbar zutraute, eine Privatarmee in Libyen aufzustellen. Wie passt das zusammen? Das interessiert mich.

Offenbar waren beide lange beste Freunde.

Ja – und das wollen wir zeigen und erklären. Braun zitierte gern die Philosophin Hannah Arendt, Marsalek dagegen hielt Kontakt zu Geheimdiensten; eher Macher als Denker. Wir müssen ins Innere dieser Beziehung vordringen. Wir müssen an die Fakten, Details, Hintergründe heran, die diese beiden Männer erklären.

Bei Wirecard standen Milliarden in den Bilanzen, die gar nicht existierten. Das Entsetzen ist auch so groß, weil alle Kontrollmechanismen so lange versagt haben.    

Natürlich wollen wir nicht beim Biografischen bleiben. Die Geschichte führt in die Chefetagen der Wirtschaft, weit hinauf in die österreichische Politik, zu Geheimdiensten. In dem Stoff steckt wirklich alles drin.

Bislang wirkt Wirecard extrem abgeschottet. Wenig drang nach außen. Warum sollte sich das jetzt ändern?

Auf diese Scheinwelt, die Wirecard geschaffen hat, sind unendlich viele Leute reingefallen. Von denen tragen sich Tausende nun als Geschädigte ein. Da werden wir schon welche finden, die Interessantes berichten. Auch Wirecard-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen werden mit uns reden. Oder Menschen, die mit Leerverkäufen auf den Untergang von Wirecard gewettet haben: (Beachten Sie dazu den Leseraufruf im Kasten; Anm. d. Red.)

Die Recherchen für den UfaA-Film werden unterstützt von Journalisten – Kollegen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sind dabei, aber auch von Bertelsmann-Medien wie RTL, "Capital" und stern. Was versprechen Sie sich von dieser Zusammenarbeit?

Das ist ganz besonders und ungewöhnlich. Das ist eine starke Grundierung für unsere fiktionale Geschichte, und ich verbinde damit große Hoffnungen. Harte journalistische Recherche ist für eine solche Erzählform extrem wertvoll.

Oft werden Doku-Dramen Jahre nach den Ereignissen gedreht. Ihr Film soll schon im Frühjahr gesendet werden. Warum muss es so schnell gehen?

Das Tempo hat sich wahnsinnig erhöht. Wir arbeiten gerade an einem Film über den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke – während der Prozess noch läuft. Bei Wirecard versuchen wir auch, den Stoff gründlich, aggressiv und schnell anzugehen. Es wäre natürlich einfacher, erst Mal fünf Jahre abzuwarten. Aber das funktioniert nicht mehr. 

Besteht die Gefahr, dass der Film die falsche Geschichte erzählt – und etwa ein Prozess oder ein Untersuchungsausschuss erst viel später ganz andere Fakten ans Licht bringt?

Wir müssen einen intelligenten Zugang finden, einen Kern von Wahrheit. Da geht es zum Beispiel um das Verhältnis der Hauptprotagonisten – das ist schwierig, keine Frage. Aber da dürfen wir nicht falsch liegen. Damit es klappt, brauchen wir wirklich alle  Zugänge, die wir kriegen können. 

wue

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