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Rathenauplatz in Köln: Es war ein Hort für Obdachlose und Fixer - bis es den Anwohnern reichte

Heute ist er der wohl schönste Park der Stadt. In den 1980er-Jahren war er ein dunkles, verwahrlostes Gelände mit Gestrüpp und Ratten. Ein Magnet für Obdachlose und Fixer – bis es den Anwohnern reichte. Sie haben ihren Platz zurückerobert. 

Ann-Christin Baßin

Der Rathenauplatz in Köln - der Platz ist heute weit mehr als eine grüne Oase, sondern ein gutes beispiel, wie Anwohner ihr Wohnquatier selbst gestalten können.

Der Rathenauplatz in Köln - der Platz ist heute weit mehr als eine grüne Oase, sondern ein gutes beispiel, wie Anwohner ihr Wohnquatier selbst gestalten können.

Hajra Spanke (49) schnappt sich einen Rechen und stapft durch den Hinterhof zum alten Klostergarten. Hier soll in wenigen Tagen ein Urban-Gardening-Projekt starten. Die umtriebige kleine Frau mit den pakistanischen Wurzeln wird dort in Hochbeeten Kräuter, Gemüse und Erdbeeren anbauen, und jeder aus dem Viertel darf dann ernten – oder mithelfen. Jetzt fegt sie schon mal das Laub zusammen. Eigentlich ist Hajra Spanke Angestellte bei einem Rundfunksender, aber ein bis zweimal pro Woche engagiert sie sich bei der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz, leitet das Büro und hält die Sprechstunde ab. Der gemeinnützige Verein kümmert sich seit über 40 Jahren um das Leben am Platz und um die Interessen der Anwohner. Zentraler Punkt ist der 2,77 Hektar große Park im Stadtteil Köln-Neustadt-Süd.


Von der No-Go-Aerea zur Oase

Wer die Grünfläche heute betritt, kann sich kaum noch vorstellen, wie verkommen alles einmal war. In den 1980er-Jahren war der Platz ein dunkles, verwahrlostes Gelände mit Gestrüpp, Hundekot, Ratten und einer Springbrunnruine. Im Dunkeln eine No-Go-Aerea, selbst für die Anwohner. Drogen-Dealer, ihre Kunden, gebrauchte Spritzen auf dem Boden. Dazwischen die Schlafplätze von Obdachlosen. Irgendwann reichte es den Anwohnern, nicht nur den Alten, sondern auch den Jungen. Wenn es die Stadt nicht schafft, dann muss man eben selbst etwas auf die Beine stellen. Daraus entstanden ist eines der erfolgreichsten Quartiersprojekte Deutschlands – nicht immer dank der Stadt , sondern gelegentlich auch trotz der Stadt. Die Anwohner rund um den Platz sind mittlerweile ausgefuchste Spieler in der Stadtteilpolitik.

Durch ihre Initiative sind zwei Kinderspielplätze, schöne Blumenbeete, ein separater Hundebereich und ein attraktiver, inzwischen preisgekrönter Biergarten entstanden. Hier lohnt sich das Biertrinken für die Anwohner im doppelten Sinn: Die Erlöse der Gastronomie fließen den Park und in die vielen anderen nachbarschaftlichen Projekte des Vereins: Eine Seniorengruppe bietet Gedächtnistraining für alle an. Ein Geschichtsarbeitskreis hat die hundertjährige Geschichte des Viertels dokumentiert und ein Buch herausgebracht. Der Bouleverein veranstaltet Turniere.

Luxuswohnungen und AirBnB bedrohen die Vielfalt

Seit kurzem kämpft ein Aktionsbündnis gegen Vermieterwillkür und für die gute soziale Mischung im Quartier. An einem Ende des Platzes werden Häuser luxussaniert, an dem anderen Ende entstehen immer mehr -Wohnungen. Dazwischen drohen eben jene Anwohner aufgerieben zu werden, die sich für "ihr" Quartier aktiv einsetzen.

In den Räumen des Vereins treffen sich Arbeitskreise, Elterngruppen und Organisatoren von Nachbarschaftshilfeprojekten. Ihr neuester Coup: die "essbare Stadt". Viele Menschen haben Köln sowieso zum Fressen gern. Jetzt können sie es unter Beweis stellen: Die Politiker der Stadt planen Gemeinschaftsgärten und bei Neupflanzungen in öffentlichen Grünanlagen essbaren Pflanzen den Vorzug zu geben. Also "pflücken erlaubt" statt "betreten verboten". Hajra Spanke war sofort Feuer und Flamme. Der alte Klostergarten hinter dem Haus der Bürgergemeinschaft war dafür ideal! Sie beantragte Geld bei zwei Trägern – und nun geht es endlich los!

Jung, Alt, Christ, Moslem, Mann, Frau - egal

Integration a la Rathenauplatz; Diplompädagogin Doris Hohmann (48), die zum Vorstand der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz gehört, kümmert sich um Flüchtlingsfrauen, die im benachbarten Hotel untergebracht sind. „Diese Frauen leben dort allein mit ihren Kindern und würden sich kaum raustrauen, wenn es uns nicht gäbe“, erklärt sie.

Integration a la Rathenauplatz; Diplompädagogin Doris Hohmann (48), die zum Vorstand der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz gehört, kümmert sich um Flüchtlingsfrauen, die im benachbarten Hotel untergebracht sind. „Diese Frauen leben dort allein mit ihren Kindern und würden sich kaum raustrauen, wenn es uns nicht gäbe“, erklärt sie.


Aus dem vorderen Gebäude dringt fröhliches Lachen. Hier sitzen an diesem Nachmittag sechs Frauen im Gemeinschaftsraum und beugen sich über viele bunte Stoffe. "Nach einem Aufruf haben wir innerhalb von 24 Stunden drei Nähmaschinen aus der Nachbarschaft geschenkt bekommen. Weitere werden folgen", freut sich die Diplompädagogin Doris Hohmann (48), die zum Vorstand der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz gehört. Sie kümmert sich um Flüchtlingsfrauen, die im benachbarten Hotel untergebracht sind. "Diese Frauen leben dort allein mit ihren Kindern und würden sich kaum raustrauen, wenn es uns nicht gäbe", erklärt sie. "Wir helfen ihnen mit der deutschen Bürokratie und bringen ihnen unsere Sprache bei. Seit Kurzem haben wir ein Nähcafé eingerichtet, das sehr gut angenommen wird. Es macht Spaß, die Flüchtlings-Frauen darin zu unterstützen, selbstständiger zu werden und neue Fähigkeiten zu entdecken. Ich bin Feministin und in Freiheit aufgewachsen. Was für mich eine Selbstverständlichkeit ist, kennen diese Frauen aus Syrien oder dem Irak überhaupt nicht. Wenn sie Radfahren lernen wollen, ist das auch ein großes Stück Freiheit. Da bin ich gern behilflich!"

Ein Herz für Obdachlose

Die Sonne scheint und Harja Spanke drängt es zu einem Rundgang durch den Rathenaupark. Nachdem sie im Schaukasten Zettel mit den neuesten Veranstaltungen aufgehängt hat, kontrolliert sie den Bücherschrank, wo sich jeder Werke herausnehmen oder hineinstellen kann. Danach folgt ein kleiner Plausch mit der Wirtin vom Biergarten. 

Die Sonne scheint und Harja Spanke drängt es zu einem Rundgang durch den Rathenaupark. Nachdem sie im Schaukasten Zettel mit den neuesten Veranstaltungen aufgehängt hat, kontrolliert sie den Bücherschrank, wo sich jeder Werke herausnehmen oder hineinstellen kann. Danach folgt ein kleiner Plausch mit der Wirtin vom Biergarten. 

Die Sonne scheint und Harja Spanke drängt es zu einem Rundgang durch den Rathenaupark. Nachdem sie im Schaukasten Zettel mit den neuesten Veranstaltungen aufgehängt hat, kontrolliert sie den Bücherschrank, wo sich jeder Werke herausnehmen oder hineinstellen kann. Danach folgt ein kleiner Plausch mit der Wirtin vom Biergarten. Hajra kennt hier fast jeden und genießt die schöne Atmosphäre. Im Rathenaupark wird niemand ausgeschlossen. Selbst die Obdachlosen finden hier abends immer noch ihre Bank.