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Razzia in NRW: Carfentanyl - so gefährlich ist die Horrordroge

Schon zwei Milligramm sind tödlich - Polizei und Suchtexperten warnen vor der Horrordroge Carfentanyl. In NRW haben Ermittler ein Drogenlabor gestürmt und die bislang in Deutschland weitgehend unbekannte Substanz entdeckt. 

In Nordrhein-Westfalen wurden 250 Gramm der gefährlichen Droge Carfentanyl sichergestellt (Symbolbild)

In Nordrhein-Westfalen wurden 250 Gramm der gefährlichen Droge Carfentanyl sichergestellt (Symbolbild)

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Ende August schlugen die Fahnder zu: Im schleswig-holsteinischen Mölln und im nordrhein-westfälischen Hamm stürmten Spezialeinheiten mehrere Wohnhäuser, Spezialkräfte nahmen drei Männer im Alter von 26 bis 44 Jahren fest. Nach monatelangen Ermittlungen war sich der Zoll sicher: Die Verdächtigen handelten im großen Stil über das Darknet mit Betäubungsmitteln. Die Ausbeute der Razzia in Hamm: unter anderem 250 Gramm Carfentanyl, wie die Staatsanwaltschaft in Köln NEON mitteilte - eine in Deutschland weitgehend unbekannte Droge, die in ihrer Gefährlichkeit selbst Heroin in den Schatten stellt.

Carfentanyl gilt als sogenannter Neuer Psychoaktiver Stoff und ist ein Derivat von Fentanyl, einem starken verschreibungspflichtigen Betäubungsmittel. Krebspatienten erhalten Fentanyl in Form von Pflastern gegen stärkste Schmerzen. In Deutschland wird das Mittel immer häufiger missbraucht - mit potenziell todbringenden Folgen.

Im Gegensatz zu Fentanyl ist Carfentanyl jedoch in Deutschland nicht zugelassen, weder zum Verkauf noch zum Besitz, teilt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung mit. In einigen Ländern wird die Substanz verwendet um Großwild, zum Beispiel Elefanten, zu betäuben. Hierzulande gilt es als "nicht verkehrsfähig", so das Bundeskriminalamt (BKA). Die Strafe bei Besitz oder Handel: bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Carfentanyl ist lebensgefährlich

Der Grund für die Restriktionen liegt auf der Hand. Carfentanyl ist lebensgefährlich! Schon zwei Milligramm können für einen Menschen tödlich sein, es ist etwa 10.000 Mal wirksamer als Morphin. "Aufgrund der extrem hohen Wirksamkeit des Stoffes besteht schon bei kleinsten Mengen akute Lebensgefahr durch die opioidbedingte Atemlähmung", warnt zum Beispiel die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Ein grausamer Tod.

Über die Verbreitung der Droge in Deutschland ist wenig bekannt. Nach Informationen des BKA wird sie in China hergestellt, in europäischen Nachbarstaaten weiterverarbeitet und unter anderem für den Online-Versand an die Konsumenten vorbereitet. Es soll auch zum Strecken von Heroin verwendet worden sein.

Ein Todesopfer konnte in den vergangenen beiden Jahren zweifelsfrei dem Konsum von Carfentanyl zugeordnet werden, die Ermittler hinken der Entwicklung jedoch naturgemäß immer hinterher: "Aufgrund der schwierigen Erkennbarkeit bzw. Feststellungsmöglichkeit (ist allerdings) von einem größeren Dunkelfeld auszugehen", so das BKA. Durch die Einnahme unterschiedlicher Neuer Psychoaktiver Stoffe sind alleine im vergangenen Jahr mindestens 35 Menschen gestorben - ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren.

Wie gefährlich die Droge ist, zeigt auch die Razzia in Hamm: Die Ermittler mussten für die Beschlagnahmung Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken hinzurufen, denn schon die Berührung mit dem Gift kann tödlich sein.

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