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Mehr Freiheit: Ohne mich! Wie du die Kontrolle über deine Freizeit zurückgewinnst

Eltern, Partner, Freunde: Ständig haben andere Erwartungen an uns. Passen wir kurz nicht auf, hetzen wir täglich durch einen Terminmarathon. Wie wir es schaffen, die Momente zurückzugewinnen, die eigentlich nur einem gehören sollten: uns selbst.

Lächelnde Frau mit Mobiltelefon

"Freizeitstress. Ein Widerspruch in sich. Die Zeit, die wir nutzen, um uns vom Stress zu erholen, stresst uns zusätzlich."

Das Jahr begann gerade, da hatte ich schon mit ihm abgeschlossen. Ich saß am Küchentisch und telefonierte mit einem Freund. Wäre schön, wenn wir uns bald mal wiedersehen würden, sagte ich. Er fragte: "Wann passt es dir? Ich bin flexibel." Dann: "Aber bei dir ist das ja nicht so einfach."

Ich blätterte durch meinen Kalender. Februar, März, April belegt mit fernen Zukunftsversprechen. Mai, Juni. Kein freies . Mitte Juni könnte es klappen, sagte ich schließlich. Erst hörte ich Lachen am anderen Ende der Leitung. Dann Schweigen. Ich fühlte mich hilflos, spürte ein schlechtes Gewissen. Ich klang wie die Sprechstundenhilfe eines Orthopäden: Natürlich haben wir einen Termin für Sie, in sechs Monaten!

"Bei dir ist das ja nicht so einfach." Der Satz meines Freundes blieb hängen. Ich habe das in den letzten Jahren häufig gehört, oft von Freunden. Ich wollte es nicht wahrhaben. Aber sie hatten recht.

Im Rückblick wirkt 2017 wie ein Staffellauf

Blicke ich auf das Jahr 2017 zurück, wirkt es auf mich wie ein Staffellauf. Nur sehe ich da ausschließlich einen Menschen, der gehetzt die gesamte Zeit den Staffelstab trägt, ohne Pause. Mich. An 46 Wochenenden war ich in diesem Jahr unterwegs oder bekam Besuch, von Freunden, meinen Eltern. Ich fuhr durch , nach Braunschweig, Freiburg, Berlin, Düsseldorf. Bitte nicht falsch verstehen: Ich genieße viele der Treffen. Die anderen sind nicht das Problem.

Das Problem bin ich.

Ich traue mich nicht abzusagen. Mache ich es doch, erfinde ich Ausreden. Ich müsste mal wieder das Bad putzen. Noch an den Schreibtisch. Am nächsten Morgen früh aufstehen. Ich hätte Kopfschmerzen. Meine dämlichste Notlüge: Ich müsste Klamotten waschen. Als sehne sich die Waschmaschine nach Gesellschaft, um schleudern zu können.

Dass ich hin und wieder einfach mal Zeit für mich bräuchte, einen Moment Ruhe, sage ich nie. Knapp vier Stunden hat jeder Deutsche im Schnitt werktags, dazu einige Stunden am Wochenende. Und trotzdem kämpft jeder Dritte mit Freizeitstress. Das ergab eine Umfrage der Techniker Krankenkasse im vergangenen Jahr. "Zu viele Termine und Verpflichtungen" landete auf Platz drei der Stressursachen, hinter "Arbeit" und "Hohe Ansprüche an sich selbst" .

Freizeitstress dürfte es nicht geben

Ich finde das absurd. Eigentlich dürfte es das Wort gar nicht geben: Freizeitstress. Ein Widerspruch in sich. Die Zeit, die wir nutzen, um uns vom Stress zu erholen, stresst uns zusätzlich. Das ist, als würden wir essen, doch anstatt den Hunger zu stillen, verstärkt jeder Bissen ihn. Was läuft da falsch?

Offenbar einiges. So fanden Forscher der vor einigen Jahren heraus, dass uns das Privatleben stärker stresst als das Berufsleben. Dafür beobachteten sie bei 122 Probanden die Werte des Stresshormons Cortisol. Gerade zum Feierabend oder an Wochenenden schnellten die Werte dramatisch hoch der Alltag überforderte die Probanden mehr als ihre Arbeit. Die Erklärung der Wissenschaftler: Es fehle oft an klaren Strukturen im Privaten. Im Beruf wissen wir, welchen Arbeitsauftrag wir zuerst fertig machen müssen, welches Meeting überflüssig ist; wir können abschätzen, was wir schaffen müssen. Unsere Freizeit hingegen gleicht einem endlosen Fußballfeld ohne Seitenlinien. Wir erkennen nicht, wann es genug ist.

"Zu Hause sollte es etwas mehr sein wie im Büro"

Der US-Psychologe Richard Levak fordert deshalb: "Zu Hause sollte es etwas mehr sein wie im Büro. Auch das Privatleben braucht Struktur. " Levak arbeitet seit 30 Jahren als Psychologe. Er hat ein Persönlichkeitsmodell entwickelt, beriet Castingshows bei der Teilnehmerauswahl. Er versteht, wie Menschen ticken. Doch auf den ersten Blick wirkt diese Logik verquer auf mich: Wir engen uns ein durch Regeln, beschränken uns, um mehr Freiheit zu haben. Klingt wie eine sicherheitspolitische Forderung der CSU.

Ob Levak jetzt ein strammkonservativer To-do-Listen-Fanatiker ist oder ob er selbst unter seiner Freizeit leidet, weiß ich nicht. Aber ich gebe zu, je länger ich über seinen Ansatz nachdachte, umso reizvoller fand ich ihn. Und dann erzählte mir neulich auch noch eine Kollegin, wie strikt sie sich ihre Woche organisiere. Vier Abende blockt sie immer für Freunde; für Dani und Irmi, für Maren und Stephan. Den Freitag hält sie sich frei. Zeit für spontane Treffen, Zeit für sich. Dieser Wechsel zwischen Vertrautem und Unbekanntem entlaste sie. Vielleicht hat Levak Recht. Vielleicht überfordert mich gerade die Freiheit.

Wo kann ich Zeit einsparen?

Aber wo soll ich anfangen? Ich brauche Hilfe, das ist klar. Aber ich will mir nicht von einem Burn-out-Spezialisten in Räucherstäbchensätzen erklären lassen, wie ich wieder zur Ruhe komme. Wenn meine Freizeit schon dem Arbeitsalltag gleichen soll, will ich sie von einem Meister der Effizienz auseinandernehmen lassen: einem Unternehmensberater. Er soll erkennen, wo ich Ressourcen verschwende, wo ich Zeit einsparen kann. Meine größte Hoffnung: Wer es schafft, anderen zu erklären, dass sie gekündigt werden, der kann mir auch beibringen, wie ich Freunden souverän absage.

Ein sonniger Herbsttag Anfang November. Ich sitze in Zürich in der Lounge eines Luxushotels. Um mich herum gelebte "Mad Men"-Kulisse; Geschäftsleute geschäfteln, Kellner kellnern, ein weicher Teppich schluckt die Schritte. In weiten Kübeln kühlt Champagner.

Vor mir sitzt Caspar Fröhlich. Fröhlich hat jahrelang als Unternehmensberater gearbeitet; zu seinen Kunden zählten Konzerne wie Swiss und Migros. Heute arbeitet er als Coach, formt "High Performance Teams", leitet einen "Leadership Circle" , bei dem sich regelmäßig Geschäftsführer großer Unternehmen treffen. Gerade hat er ein Buch veröffentlicht, "Manage your boss" . Auf seiner Internetseite beschreibt er sich mit drei Worten: "engagiert, individuell, resultatsorientiert".

Wie ein Politiker auf Wahlkreisbesuch

Was ich gerade erlebe, klingt vor allem: direkt. Fröhlich beleidigt mich. Er nennt mich "Opfer" , "Untertan" , spricht von Missbrauch. Zwei Stunden hatte ich Fröhlich geschildert, was in meiner Freizeit falsch läuft. Wie ich Freunde zu mir einlud, obwohl ich wusste, dass ich mit anderen Freunden verabredet war. Wie ich versuchte, zwei Partys nacheinander zu besuchen. Wie ich für ein Kaffeetrinken zu meiner Oma fuhr, 200 Kilometer. Abends wieder zurück. Wie ich manchmal das Gefühl habe, für die Menschen, die mir wichtig sind, für meine engsten Freunde, zu wenig Zeit zu haben.

Ich erzählte Fröhlich von meiner Familie. Davon, dass meine Eltern geschieden sind. Ich bei meinem Vater und meiner Stiefmutter aufgewachsen bin. Die sich auch wieder getrennt haben. Heute leben sie alle in der gleichen Region. Mein Vater mit seiner neuen Frau, meine Stiefmutter mit einem neuen Mann, meine Mutter allein. Meist besuche ich alle an einem Wochenende. Und komme mir dabei vor wie ein Politiker auf Wahlkreisbesuch: Hände schütteln, lächeln, weiter.

"Das muss aufhören, oder?"

Während ich das alles erzählte, schrieb Fröhlich Notizen. Zeichnete meine Familienkonstellation auf. Schüttelte zwischendurch den Kopf. Manchmal fragte er: "Warum machen Sie das?" Weil ich Angst habe, andere zu enttäuschen, antwortete ich. Weil ich mich sorge, dass mich Freunde irgendwann nicht mehr fragen, ob ich abends mit in die Kneipe komme, wenn ich ständig absage. Weil ich niemanden verletzen will.

Als ich fertig bin, schaut mich Fröhlich ernst, aber zuversichtlich an. Ein typischer Fall, sagt er. Es sei wie in einem Unternehmen. Nur dass es in meinem Fall nur einen Angestellten gebe und mehrere Bosse. Ich sei der Angestellte und versuche, alle zufriedenzustellen. "Das muss aufhören, oder?" , fragt er mich. Natürlich muss es das. Nur wie? Fröhlich stellt eine Liste zusammen, vier Tipps, die meine private Revolution einleiten sollen:

1. Sei ehrlich beim Absagen

"Natürlich haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie mit einer Notlüge absagen weil Sie eben nicht ehrlich sind. Hören Sie auf mit den Ausreden und trauen Sie sich zu sagen: ‚Danke, dass du an mich denkst. Das freut mich. Aber heute brauche ich einen Abend für mich. Ich hoffe, das ist okay für dich. Ich melde mich bei dir, wir finden einen anderen Termin. ‘ Diskutieren Sie das nicht. "

2. Gestalte die Treffen aktiv mit

"Entscheiden Sie, worüber gesprochen wird. Was unternommen wird. Wenn Sie keine Lust auf die Treffen am Küchentisch haben oder auf die immer gleiche Kneipe: Schlagen Sie neue Orte vor. Drehen Sie sich das Treffen so, wie es Ihnen passt! Das ist selbstbestimmtes Leben. "

3. Plane dein Jahr

"Der beste Weg, um Freizeitstress zu vermeiden: Halten Sie die Wochenenden im Vorfeld frei. Setzen Sie sich schon jetzt für 2018 hin und blocken Sie jeden Monat zwei Wochenenden für sich. Handeln Sie wie ein Manager, der zwischen Terminen Zeit zum Abarbeiten und Besinnen braucht. Und verzichten Sie auf halbgare Freundschaften, die oberflächlich bleiben. Die rauben nur Kraft. "

4. Such dir einen Mentor

"Um das alles einzuhalten, brauchen Sie jemanden, mit dem Sie diskutieren können, der Sie begleitet. Durch den sozialen Druck verlieren Sie das Ziel nicht aus den Augen und fallen nicht in alte Muster zurück. "

"Der wichtigste Mensch sind Sie selbst"

Am Ende des Gesprächs fragt mich Fröhlich: "Wissen Sie, wer der wichtigste Mensch in Ihrem Leben ist?" "Meine Freundin." "Falsch. Der wichtigste Mensch sind Sie selbst. Wenn Sie nicht auf sich achten, können Sie niemandem helfen. Das ist keineswegs egoistisch gedacht. Sie verbringen schließlich jeden Tag mit sich."

Fröhlich hat diese Balance in seinem Leben schon gefunden. Er geht nicht mehr zu jeder Veranstaltung. Er versucht, jeden Tag Zeit für sich zu haben, morgens zu meditieren, abends zu joggen oder Salsa zu tanzen. Einmal im Jahr geht er allein in den Bergen wandern. Fröhlich nimmt sich die Zeit, wenn er sie braucht.

Der wichtigste Mensch bin ich noch Wochen später denke ich über diesen Satz nach. Ich fand ihn zunächst irritierend, verstand dann aber, dass Fröhlich nicht an meinen Egoismus appelliert. Was er meint, ähnelt eher der Forderung, die man jedes Mal im Flugzeug bei den Sicherheitshinweisen hört: Ziehen Sie bei einem Druckverlust die Sauerstoffmaske erst über Ihren Kopf und helfen Sie danach anderen Passagieren.

Es gibt Menschen, die es gut schaffen, an sich zu denken, die sich zurückziehen können, wenn sie es brauchen. Der Schauspieler Christian Ulmen sagte neulich in einem NEON-Interview: "Wenn ich zum Beispiel einen freien Tag habe, ist das Letzte, das mir einfällt, einen Freund anzurufen. Ich verbringe eben sehr gerne Zeit mit mir selbst. "

Ich habe eher Angst, alleine zu sein. Entdecke ich ein Wochenende ohne Termine, ohne Verabredungen, merke ich, wie ich mich kurz freue. Auf die freien Stunden. So lange im Bett gammeln, wie ich es mag. Bundesliga schauen. Den ganzen Tag Jogginghose tragen. Doch je näher die Tage rücken, umso nervöser werde ich. Zweifel, ob ich mich nicht langweilen werde. Angst, einsam auf dem Sofa zu liegen, während Freunde zusammensitzen, lachen, Legendäres erleben, an das sie sich noch Jahre später erinnern. Von einem freien Wochenende werde ich meinen Kindern später einmal sicherlich nicht erzählen.

Oft greife ich dann doch noch zum Smartphone, schreibe Freunde an, hoffe auf ein Treffen. Lieber einen Termin als Tristesse.

Und wenn ich wirklich mal fliehen muss, weil mir die Welt zu viel wird, das ganze Gerede, die ganzen Bedürfnisse, habe ich mir eine spezielle Taktik angewöhnt: Ich gehe alleine in ein Restaurant. Dort, am Tisch, bin ich abgekapselt vom Alltag, gefangen an meinem Platz, gezwungen auszuharren.

Die entscheidende Komponente: die Zeit für sich

Wissenschaftler raten dazu, regelmäßig allein zu sein. Die Psychologin Pia Weiherl etwa kritisiert das gängige Work-Life-Modell. Es fokussiere sich zu stark auf zwei Faktoren, auf Arbeit und Sozialleben, und vernachlässige eine dritte Komponente, eine entscheidende: die Zeit für sich.

Für ihre Doktorarbeit befragte Weiherl 489 Studenten. Diejenigen, die sich bewusst regelmäßig zurückzogen, waren gesünder und ausgeglichener als andere Kommilitonen. Auch eine Studie der Universität Münster zeigt, dass Menschen, die ihre Mittagspause allein verbrachten, oft besser entspannen und abschalten konnten als jene, die mit Kollegen essen gingen.

Dabei hat der Einzelgänger einen schlechten Ruf in unserer Gesellschaft. Wer unterwegs ist, Leute trifft, der hat angeblich sein Leben im Griff. Wer hingegen auf dem Sofa gammelt, wer alleine in einem Restaurant sitzt, der verplempert Zeit, gilt als Außenseiter.

Aber ist das nicht eine Illusion? Ist es nicht genau andersherum? Läuft der eine vielleicht davon, vor sich, seinen Sorgen, bedeckt sich mit neuen Eindrücken und fremden Gedanken? Und der andere ruht in sich? Ist Ulmen vielleicht mein heimliches Vorbild?

Um darauf Antworten zu finden, fahre ich wenige Tage später über einen Feldweg im Osnabrücker Land. Mein Wagen springt durch die Schlaglöcher, Schlamm spritzt. Mein Ziel: Maria Anna Leenen. Sie ist die Königin im Absagen, denn konsequenter kann man es kaum durchziehen: Sie hat der ganzen Welt abgesagt, sich zurückgezogen in ein windschiefes Fachwerkhaus, in dem sie mit ihren Katzen Herr Max und Frau Findus lebt, mit sechs Ziegen auf der Weide und zwei alten Kachelöfen. Ein Leben außerhalb der Gesellschaft, als Eremitin.

Leenen ist 61, seit 23 Jahren lebt sie abgewandt von der Gesellschaft. Sie sagt, früher, als sie jung war, da führte sie ein normales Leben. Sie begeisterte sich für Kinofilme, spielte Tennis, kochte abends mit Freunden, rauchte. Sie liebte Tauchen, reiste durch Europa. Ihr Leben war gut, sagt sie heute. Aber sie war nicht zufrieden.

Das Gefühl, etwas machen zu müssen

Als sie 29 war, wanderte Leenen aus, nach Venezuela. Mit ihrem damaligen Freund wollte sie eine Büffelfarm aufbauen und reich werden. Doch die Beziehung zerbrach, sie saß alleine in Venezuela. Dachte über das Leben nach. Ein Freund gab ihr ein Buch, das Einzige auf Deutsch, das gerade verfügbar war. Ein Buch über Marienerscheinungen.

Leenen war bis zu dem Zeitpunkt nicht gläubig. Doch nach der Lektüre wusste sie, was sie wollte: für Gott da sein. Sie sagt, es war wie eine Mauer, die in ihr zerbrach.

Zurück in Deutschland schloss sie sich den Klarissen an, einem katholischen Frauenorden, der in kompletter Zurückgezogenheit lebt. Hinter sechs Meter hohen Klostermauern, meist schweigend. Nur beim Abendessen durfte Leenen reden. Sie mochte es, aber kam sich fremd vor. Da sagte eine Ordensschwester zu ihr: Vielleicht hast du die Berufung, als Einsiedlerin zu leben. Als Eremitin.

Leenen sagt, es war für sie eine Erlösung, sich von dem Gefühl zu befreien, etwas machen zu müssen. Sie spricht damit etwas an, das der Philosoph Martin Heidegger den Modus des "Man" nennt. Wir erfüllen Erwartungen, die andere auf uns projizieren. Man sollte doch Sport machen. Man sollte Freunde treffen. Man sollte reisen. "Man sollte alleine sein" gehört nicht dazu.

Maria Anne Leenen ist ihren Weg gegangen. Sie hat dabei Freunde verloren. Aber sie führt jetzt ihr Leben, sagt sie. Erst wenn wir wahrnehmen, was wir wirklich wollen, und nicht, was andere erwarten, könnten wir unsere Freizeit und unser Leben nach unseren Wünschen gestalten, sagt Leenen. Wir müssen anfangen, uns selber kennenzulernen.

Aber ist das nicht auch sehr langweilig, frage ich.

"Natürlich. Und am Anfang ist es schwierig, alleine zu sein. Es ist eine Herausforderung: Man ist sich selbst ausgesetzt, mit seinen Sorgen konfrontiert. Man muss erst lernen, ehrlich zu sich zu sein. Dann klappt das." Aber wie mache ich das: ehrlich zu mir zu sein? "Setzen Sie sich jeden Tag zehn Minuten hin. Machen Sie nichts, kommen Sie einfach zur Ruhe. Sie müssen sich nicht verstellen. Irgendwann spüren Sie, was Sie bewegt. Sobald Sie das aushalten können, gehen Sie alleine ins Theater, ins Kino. Lösen Sie sich von der Scham. Egal was andere denken: Wichtig ist, was Sie wollen!"

Der eigene Takt im Alltagskonzert

Ich merke, wie ich die vergangenen Jahre genau andersrum gedacht habe. Wie ich immer wieder nachgespürt habe, was die Wünsche anderer sind. Wie ich mit meinem Vater auf ein Konzert ging, weil ich wusste, wie sehr ihn das freut. Wie ich samstags mit meiner Freundin shoppen ging, obwohl ich lieber auf dem Sofa geblieben wäre.

Natürlich ist es nett, anderen einen Gefallen zu tun. Und es ist für mich auch keine Option, alles aufzugeben und mich von der Welt abzuwenden. Den kompletten Gesellschaftsentzug will ich gar nicht. Ich bin umgeben von Menschen, jeden Tag. Im Büro, im Supermarkt, in meiner Wohnung, in der ich mit meiner Freundin lebe. Darin muss ich eine Balance finden, meinen eigenen Takt im Alltagskonzert.

Anruf bei Andreas Orth. Er arbeitet bei der Europäischen Raumfahrtorganisation. Sein Job ist es, sich um die Freizeit und Erholung von Menschen zu kümmern, die sich in einer Extremsituation befinden, sechs Monate, gefangen an einem Ort, 400 Kilometer über der Erde: Orth kümmert sich um die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS. Dort oben hat jeder eine kleine Schlafkammer, keine drei Quadratmeter Privatsphäre.

Schafft man es, dort Freizeit zu haben?

"Natürlich" , sagt Orth. "Die Astronauten haben eine Arbeitswoche, von Montag bis Freitag. An diesen Tagen stehen sie zwölf Stunden in Kontakt mit den Bodenstationen. Sie funken mit dem Control Team, werden von Kameras beobachtet. Danach, an den Abenden und an Wochenenden, herrscht Funkverbot. Nur in Ausnahme- oder Notfällen ruft das Bodenpersonal zu den Astronauten hoch. Die restliche Zeit bleibt ihnen frei zur Verfügung. Freiwillige Arbeiten. Schlafen. Filme gucken. Nur Sport ist Pflicht, auch an Feiertagen."

Gibt es klare Regeln, wie man sich zurückziehen kann?

"Nein, was zählt, ist der Menschenverstand. Man muss spüren können, wenn andere Ruhe brauchen. Und sich auch selbst die Zeit nehmen, die man braucht."

Alexander Gerst lebte 2014 für sechs Monate an Bord der ISS. In einem Interview nach seiner Rückkehr erzählte er, wie er möglichst viel Zeit an seinem Lieblingsort verbrachte: einem Glaskubus, der unter der Raumstation angebracht ist. Etliche Fenster sind dort eingelassen, durch die man auf die Erde blicken kann, ein 360-Grad-Panorama unseres Alls. Dort machte Gerst Fotos. Dachte nach. Er konnte nicht fliehen, die anderen waren weiterhin da. Und trotzdem fand er Ruhe.

Ich muss nur lernen, mir diese Momente zu nehmen

Ich merke, dass ich nicht allen absagen muss. Ich muss nur lernen, mir bewusst diese Momente zu nehmen, wenn ich sie brauche.

Mitte November lädt mich eine Freundin zu einer Party ein. Ich schaue kurz in meinen Kalender. Bislang habe ich nichts vor. Dann denke ich an Fröhlich. Daran, wie ich mir Wochenenden bewusst freihalten soll. Ich schreibe der Freundin, bedanke mich und sage ab.

Kurz danach melden sich andere Freunde. Sie planen eine Silvesterfeier in Stuttgart. Ich suche nach Flügen. Ich habe sie lange nicht mehr gesehen, die Party wird sicherlich gut. Doch ich beschließe, dass es reicht. Dass 2018 anders werden soll, entspannter, spontaner. Freier.

Auch ihnen sage ich ab. Niemand nimmt es mir übel. Ich plane, Silvester in Hamburg zu bleiben. Spontan zu schauen, was passiert. Darauf freue ich mich gerade.

Dachüberstand beim Gerätehaus und Mindestabstand Grenze zum Nachbarn
Ich wohne in Baden-Württemberg und plane auf meinem Grundstück einen alten Schuppen durch ein neues Gerätehaus (kein Aufenthaltsraum, keine Feuerstätte im Gebäude!) mit den Grundmaßen 3,50 m x 2,50 m und Firsthöhe von 2,21 m zu ersetzen. Da die neue Anlage etwa 60 cm in einer Geländestufe aufgestellt wird, ist die Wand gegenüber dem Nachbarn tatsächlich nur ca. 1,6 m gegenüber der OK des Gartens hoch. Es soll eine verfahrensfreie Umsetzung in einer Grenzbebauung durchgeführt werden. Auf dem Nachbargrundstück ist eine ca. 3m hohe Thuja Hecke, die geringfügig über die Grenze herüber ragt. Nun hat das geplante Gerätehaus einen umlaufenden Dachüberstand von ca. 20 cm, sodaß die Außenmasse des Fundaments etwa 20 cm von der Grundstücksgrenze entfernt ist. Damit ist sichergestellt, dass der Dachüberstand nicht mit dem Nachbargruzdstück überlappt. Wie sieht es nun entsprechend der LBO Baden-Würtenberg mit der Regelung zum Mindestabstand gegenüber der Grenze des Nachbarn aus? Ich sehe 3 Möglichkeiten: a) es gilt als Grenzbebauung. Die überhängende Thuja-Hecke stört mich nicht. b) es müssen 50 cm Mindestabstand eingehalten werden. c) der Überstand am Gerätehaus an der Grenze zum Nachbarn muss entfernt werden, damit der Aufbau als Grenzbebauung anerkannt wird. PS: Zusammen mit der Länge der Garage des Nachbarn wird eine Grenzbebauung von 9m nicht überschritten. Mit der Bitte um eine Rückmeldung, sodaß ich meinen Plan vernünftig abschließen kann. mfg
Buchtitel gesucht. Die Rückkehr ...
Der Titel des zweiten Bandes lautet "Die Rückkehr des <xyz>" Autor ist ein irischer Schriftsteller. Es geht um einen Mönch mit einem Sprachfehler. Als das Kloster von Dämonen angegriffen wird, kann er die Abwehr-Gebete, wegen seines Sprachfehlers, nicht so deutlich sprechen, wie seine Mönchsbrüder und der Geist einer Hexe geht deshalb auf ihn über. Seine Mönchsbrüder wollen ihn, um zumindest seine Seele zu retten, nun auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Mit dem Geist der Hexe und etwas Flug-Salbe gelingt ihm aber die Flucht, auf einem Besen durch die Luft reitend. Zufällig belauscht er das Gespräch einer Frau, in die er sich verliebt hat und von der er sich ebenfalls geliebt fühlt. Dabei findet er heraus, dass sie ihn nicht als Mann liebt, sondern dass sie ihn für einen solchen Trottel hält, dass er ohne ihre mütterliche Fürsorge nicht lebenstüchtig sei und dass sie sich deshalb verantwortlich fühlt ihn mit ihrer Mutterliebe zu umsorgen. Tief verletzt hängt er seine Versuche, ein guter Mensch zu sein an den Nagel, will nun böse werden und schließt zu diesem Zweck einen Packt mit dem Teufel. Um den Packt zu besiegeln muss er ein mit Blut unterschriebenes Pergament mit dem Vertragstext verschlucken. Bei der anschließenden Überfahrt nach Frankreich wird er jedoch seekrank und kotzt sich seine Seele aus dem Leib. Dabei geht auch das Pergament mit dem Teufelspackt mit über Bord. Dadurch ist er an den Packt mit dem Teufel nicht mehr gebunden, plant aber weiterhin, mit Hilfe des Teufels ein böser Mensch zu werden. Dabei stellt er sich aber jedesmal so dusselig an, dass immer etwas Gutes dabei heraus kommt. Trotz der tiefen Verletzung durch die Frau, die er liebt, kann er sie doch nicht vergessen und schmachtet ihr auch weiterhin nach. Bei einem Hexenmeister lernt er einen Liebestrank zu brauen. Was er dann auch tut. Der Trank muss sehr lange ziehen. Während also der Trank auch während einer Abwesenheit weiter zieht, dringt eine Kuh in die Höhle ein, in der der Trank gebraut wird und säuft den Trank aus. Als der Mönch in die Höhle zurück kehrt, verliebt sich die Kuh augenblicklich in ihn und weicht ihm von da an nicht mehr von der Seite. Wie heißt der Mönch, der Held dieser Geschichte, und auch titel-gebend ist. Und wer ist der irische Autor?