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Interview

Nico Rosberg: "Das Auto ist kein Statussymbol oder Zeichen der Freiheit mehr"

Früher fuhr er im Kreis, jetzt denkt er voraus: Nico Rosberg gründet ein Festival, mit dem er sich nun für grüne Mobilität engagiert. Wieso das gerade jetzt so wichtig ist und warum er von einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen nichts hält, erzählte er NEON.

Nico Rosberg

Im Interview mit NEON spricht Nico Rosberg über Nachhaltigkeit, Verbote und sein neuestes Projekt, das Greentech Festival

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Wer den Werdegang von Nico Rosberg nach dem Ende seiner Formel-1-Karriere nicht verfolgt hat, für den wird sein neuestes Engagement wie eine wundersame Wandlung vom Rennfahrer zum Umweltschützer klingen: Der frühere Weltmeister gründete ein Festival, mit dem er sich für Nachhaltigkeit einsetzt.

Beim sogenannten Greentech-Festival, das vom 23. bis 25. Mai in Berlin stattfinden wird, soll es um grüne Mobilität, nachhaltigen Konsum und einen zukunftsfähigen Lebensstil gehen. NEON sprach mit dem 33-Jährigen deshalb über die Zukunft des Fahrens, die Formel 1 und warum aus seiner Sicht durch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ein Stück Autokultur kaputt gehen würde.

NEON: Nico, in Zeiten des Klimawandels, in denen immer mehr junge Menschen, wie zum Beispiel bei "Fridays for Future" auf die Straße gehen: Wie wichtig ist dir das Thema grüne Mobilität?

Rosberg: Es ist kurz vor zwölf. Wir müssen jetzt handeln. Es geht darum, den Wandel zu beschleunigen und die Pläne in die Tat umzusetzen. Das ist aber bei den meisten Entscheidungsträgern angekommen. Ich war vor ein paar Wochen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort war Nachhaltigkeit ein großes Thema. Die Botschaft lautete: Es ist jetzt an der Zeit, etwas zu unternehmen.

Nun machst du ja genau das seit deinem Ausstieg aus der Formel 1. Du beschäftigst dich mit E-Mobilität. Was war der Auslöser dafür?

Ich habe nach einer neuen Herausforderung gesucht. Und da ich schon immer ein riesen Technikfan war, habe ich diese in grünen Technologien gefunden. Es ist so faszinierend, was es in diesem Themenbereich für Möglichkeiten gibt. Hinzu kommt, dass nachhaltige Mobilität mit Blick auf die Umwelt eine immense Bedeutung hat. Da möchte ich einen großen Beitrag leisten.

Du hast unter anderem in mehrere nachhaltige Unternehmen, wie die Formula E, ChargePoint, oder Lyft investiert. Wie definierst du deine Ziele?

Ganz klar: Unternehmen zu unterstützen, die eben für dieses Thema – Nachhaltigkeit – stehen, um so meinen Teil beizutragen. Mein Traum geht aber noch weiter. Ich wollte mein eigenes Start-up im Bereich der grünen Technologie gründen. Und das habe ich nun mithilfe von Marco Voigt und Sven Krüger auf die Beine gestellt, indem wir das Greentech Festival ins Leben gerufen haben.

Worum geht’s da genau?

Es klingt zwar redundant, wenn ich sage, dass es so etwas noch nicht gibt, weil jeder das über sein Produkt sagt, aber es trifft zu. Wir wollen mit dem Greentech Festival die globale Plattform für grüne Technologien sein. Das heißt: Es geht darum, das Bewusstsein der Menschen für grüne Mobilität zu stärken und Menschen dafür zu begeistern. Und so fördern wir eben auch, dass Unternehmen innovativere und nachhaltigere Produkte auf den Markt bringen. Genau das ist das Ziel.                         

Und wie passt da die Formel 1 dazu?

Das sind noch immer zwei verschiedene Welten. Nicht falsch verstehen: Ich bin Fan der Formel 1 und werde es auch immer bleiben. Schließlich ist das mein Sport. Gleichzeitig bin aber auch Fan von den vielen Möglichkeiten, die die grüne Mobilität liefert. Und da muss sich die Formel 1 in Sachen Antrieb schon hinterfragen.

Provokant gesagt: Die Formel 1 hat ein Ablaufdatum – und die Formel E ist ihre Zukunft.

Nein, das absolut nicht. Die Formel 1 ist das absolute Aushängeschild im Motorsport. Sie hat so eine Historie und ist noch immer ein Zuschauermagnet. Trotzdem muss sie sich Gedanken um die Zukunft machen. Und wenn die ganze Welt in Zukunft nur noch E-Auto fährt, dann kommt irgendwann der Punkt, wo sich auch die Formel 1 Gedanken machen muss. Das bedeutet dann eben: elektrischer Antrieb. Das Problem ist nur, dass daran hat die Formel E die Rechte hat, das heißt aber noch lange nichts. Ich glaube, um es mal vorsichtig zu formulieren, dass sich die beiden Rennserien – also Formel E und Formel 1 – irgendwann zusammentun werden. Der Besitzer ist auch der gleiche.

Wenn man das mal alles zusammenfasst, geht es im Grunde um die Mobilität der Zukunft. Das stellt sie doch die Frage: Hat die Automobilindustrie nicht eben jenen Fehler gemacht und zu lange am Verbrennungsmotor festgehalten?

Ich würde nicht so weit gehen und von einem Fehler sprechen. Das wäre sicherlich zu einfach. Denn man muss auch das Gesamtpolitische und Wirtschaftliche in Betracht ziehen. Deutschland ist nun einmal von der Automobilindustrie abhängig. Aber was man sicher sagen kann, ist, dass die Automobilindustrie in Sachen E-Mobilität vielleicht schneller hätte sein können. Die Wende verschlafen hat man ganz sicher nicht. Es bringt einen auch nicht weiter, nun darüber zu reden. Stattdessen geht es jetzt darum, nach vorne zu blicken und in Zukunft schneller zu handeln.

Welche Maßnahmen müssen da aus deiner Sicht getroffen werden, damit die Menschen auf E-Mobilität umsteigen?

Man muss die Bewusstseinsentwicklung der Menschen für nachhaltige, grüne Mobilität verstärken. Man muss es schaffen, dass die Leute damit viel eher in Kontakt kommen. Das ist ja genau das Ziel des Greentech Festivals.

Dass da bereits was passiert, sieht man ja eben an Bewegungen wie "Fridays for Future". Das ist das Tolle. Immer mehr Menschen denken darüber nach, nachhaltiger zu leben. Nur können wir eben noch viel mehr tun.

Nico Rosberg: "Wir kommen mit Verboten nicht wirklich weiter"

Nun gibt es ja ein Problem bei dem ganzen Thema: Deutschland baut zwar E-Autos. Die Batterien werden aber größtenteils in Asien hergestellt. Hat man den Anschluss nicht schon verpasst?

Ja, das ist ein Problem momentan. Das darf man auch nicht unterschätzen. Denn einer der größten Kostenpunkte an einem E-Auto ist eben die Batterie. Und die Asiaten haben da gerade eine enorme Power und man muss gucken, dass sie nicht zu viel Macht in dieser Hinsicht bekommen.

Carsharing, autonomes Fahren, E-Autos, Fahrverbote: Inwieweit hat sich die Beziehung der Menschen zum Auto verändert? Ist es noch ein Ausdruck der Persönlichkeit?

Das Auto wird mehr und mehr ein Mittel zum Zweck und ist nicht mehr ein Zeichen der Freiheit oder Statussymbol. Es geht eher um die Frage "Wie komme ich von A nach B?" als um die neuen Felgen oder den Spoiler meines Autos.

Ich kann da aus meiner tagtäglichen Erfahrung sprechen: In Monaco fahre ich nur mit einem Carsharing-Dienst durch die Gegend. Das ist effizient. Ich zahle nur ein paar Cent. Muss nicht stundenlang nach einem Parkplatz suchen. Mir ist Wurst, wie der Wagen aussieht. Hauptsache es ist sauber – und er fährt gut.

Dass sich auf jeden Fall etwas verändert hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Denn in Deutschland wurde in den vergangenen Wochen über eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen diskutiert – vor Jahren noch undenkbar. Was hältst du von einem solchen Verbot?

Das ist wirklich ein perfektes Beispiel, um auch den Spirit des Greentech Festivals darzustellen. Ich bin überzeugt, dass wir mit Verboten nicht wirklich weiterkommen. Die unbegrenzte Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen ist ein Teil der Autokultur hierzulande. Stattdessen sollten wir innovative Ideen wie den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Auto und Elektromobilität fördern und verbessern. Dann wird sich nachhaltig bei den Leuten auch etwas verändern.

Letzte Frage: Wieso tust du dir den ganzen Stress als Investor oder jetzt Co-Founder eines Festivals überhaupt an? Du hättest doch nach deinem Karriereende einfach sagen können: 'Haut rein, ich bin raus. Macht mal ohne mich.' Was ist deine Motivation?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Es macht Spaß, diese Herausforderung anzugehen. Ich habe genügend Freiheit, um mir auch Zeit für meine Familie zu nehmen. Und außerdem: Es ist mein Ziel, in den nächsten Jahren meinen Teil zum Thema Nachhaltigkeit beizutragen.

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