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Meinung

Innovationen in den Niederlanden: In Utrecht gibt es jetzt Haltestellen für Bienen – Deutschland, nimm dir mal ein Beispiel!

In Sachen Innovation liegen die Niederlande immer drei Nasenlängen vor Deutschland. Neuestes Beispiel: Bienen-Haltestellen. Unsere Autorin hat drei Jahre im Nachbarland gewohnt und sich schon damals gefragt: Wieso gibt es sowas nicht bei uns?!

Klar, in den Niederlanden ist auch nicht alles besser. Auch dort gibt es einen Rechtsruck und unzufriedene Menschen. Und trotzdem hatte ich in den drei Jahren, in denen ich dort gewohnt und studiert habe, das Gefühl: In unserem Nachbarland ist einfach alles ein bisschen einfacher – und schöner. Vielleicht lag es auch an der Stadt, in der ich gewohnt habe: Enschede. Nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, und doch merkt man sofort, dass man nicht mehr in Deutschland ist. An der Straße halten die Autos einfach an, um dich rüberzulassen, und das Fahrradfahren ist dort so traumhaft, dass man es danach nie wieder in deutschen Städten tun will. In Bus und Bahn muss niemand nach Kleingeld kramen, jeder Bürger hat eine Karte, mit der er bezahlt, in dem er sich an speziellen Säulen ein- und auscheckt. Und das alles war vor über fünf Jahren!

Utrecht versteht, wie Nachhaltigkeit funktioniert

Aber auch die niederländische Stadt Utrecht hat es drauf, wie sie gerade wieder beweist. Vor einigen Wochen wurden dort die Dächer von 361 Bushaltestellen mit bienenfreundlichen Blumen bepflanzt. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern ist auch ziemlich praktisch. Denn bei den Pflanzen handelt es sich um Sedum, auch Mauerpfeffer genannt. Sie sind besonders beliebt zur Bepflanzung von Hausdächern, denn sie ist unkompliziert, Bienen, Schmetterlinge und Hummeln bekommen Nektar, ihre Blätter können Regenwasser speichern, Feinstaub aus der Luft filtern und wirken isolierend. 

Solche Projekte sind für mich sinnbildlich für das Denken in den Niederlanden. Es scheint, als denke man bei tollen, nachhaltigen Ideen: Komm, das machen wir jetzt einfach! Klar, so einfach wird es wohl nicht sein, aber wenn ich überlege, wie lange die Umsetzung von relativ simplen Veränderungen in Deutschland dauert ... 

Wo bleiben die Innovationen in Deutschland?

Als ich das erste Mal während meines Studiums in Amsterdam war, haben mich die ganzen kleinen Ideen, die dort umgesetzt worden sind, total geflasht. An öffentlichen Orten gab es zum Beispiel kleine Schließfächer, in denen man sein Smartphone aufladen und solange einschließen konnte. Überall gab es kostenloses Wlan (auch im kleinen Enschede). Und das lange bevor man in Deutschland scheinbar überhaupt über so etwas nachgedacht hatte. Ich meine, nicht mal jetzt, in 2019, gibt es ansatzweise genug Hotspots in deutschen Städten. 

Aber nicht nur bei Bienen und Internet haben die Niederlande scheinbar drei Nasenlängen Vorsprung, sondern natürlich auch sonst beim Thema Fahrradfahren. In Groningen gibt es Ampeln mit Wettersensoren. Bei Regen und Schnee bekommen Radfahrer so schneller grünes Licht. Können wir das hier in Deutschland auch bitte bekommen?! Oder: Erinnert ihr euch noch an den von selbst leuchtenden Fahrradweg, den der Designer Daan Roosegarde zu Ehen von van Gogh entworfen hat? Der steht bzw. liegt in Eindhoven, Niederlande. 

Deutschland, was ist los mit dir? Sind deine Gremien und Räte einfach zu groß, um zeitgemäß auf Veränderungen der Umwelt und innovative Ideen kreativer Leute zu reagieren? Müssen wirklich 1000 Kontrollschleifen gedreht werden, so wie ich es mir vorstelle? In 50 Jahren gibt es in den Niederlanden wahrscheinlich fliegende Autos, während wir uns in Deutschland darüber freuen, dass es endlich flächendeckend Handyempfang gibt.

Quelle: Provincie UtrechtBrightVibes / Studio Roosegaarde