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Ermittlungen der Polizei: Schüsse in Utrecht: Was für einen Terroranschlag spricht - und was dagegen

Die Hinweise verdichten sich, dass es sich bei der Schießerei in Utrecht um einen Terroranschlag handelt. Die Polizei schließt andere Motive aber weiter nicht aus. War es eine Terror oder doch eine Beziehungstat? Eine Zusammenfassung.

Menschen legen am Tatort in Utrecht Blumen nieder

Gedenken an die Opfer von Utrecht. Die Polizei geht von einem Terroranschlag aus, will andere Motive aber nicht ausschließen

AFP

Einen Tag nach den tödlichen Schüssen in einer Straßenbahn in der niederländischen Stadt Utrecht verdichten sich die Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Die Polizei hält einen Terrorakt nach ersten Erkenntnissen für am wahrscheinlichsten. Es gebe entsprechende Hinweise, so die Polizei. Unter anderem ein Brief, der im Fluchtauto des Täters gefunden wurde. Die Polizei schließt eine aber Beziehungstat oder andere Motive weiterhin nicht aus.  Wir fassen zusammen, was für Terror und was für eine Beziehungstat spricht.

Das spicht für Terror

  • Freunde von Gökmen T. sagten dem Sender NOS, dass er eine Zeit lang wie "ein frommer Muslim" lebte, sich einen Bart wachsen ließ und lange Roben trug.
  • Laut NOS sei die Familie von Gökmen T. Anhänger einer salafistischen Sekte, dem sogenannten "Kalifatstaat", eine in den 1990ern in Deutschland gegründete Sekte.
  • Der Bruder von T. soll in dieser Sekte aktiv gewesen sein, berichtet NOS weiter.
  • Laut Polizei seien noch zwei weitere Personen in Gewahrsam. Ihnen wird "Totschlag mit terroristischem Hintergrund" vorgeworfen.
  • Laut dem Fernsehsender RTL Nieuws und Nachrichtenagenturen wurde in dem Auto des Schützen ein Brief mit dem Wort "Allah" gefunden, der ein terroristisches Motiv nahelege.
  • Laut der Polizei in Utrecht gebe es aufgrund des ersten Ermittlungsstands keine Beziehungen zwischen dem Täter und den Opfern. Es handelt sich bei den Toten um eine 19-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 28 und 49 Jahren. 

Das spricht für eine Beziehungstat

  • Ein Augenzeuge sagte im NOS Radio, nach seinem Eindruck habe es der Täter gezielt auf eine Frau abgesehen.
  • Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf nicht näher benannte Verwandte von T., dass der Mann wegen einer Familienangelegenheit auf eine Frau geschossen habe, möglicherweise eine Verwandte. Dann habe er das Feuer auf die Menschen eröffnet, die der Frau hätten helfen wollen.
  • Laut Nachbarn sei Gökmen T. weder religiös noch radikal, berichtet "Bild". Auch weitere Nachbarn hätten sich ähnlich geäußert, berichtet tagesschau.de.
  • T. habe außerdem von seiner Tante Geld gewollt, welches sie ihm aber nicht geben wollte.
  • Niederländische Zeitungen berichteten unter Berufung auf Menschen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters, der in der Türkei geborene, aber in Utrecht aufgewachsene Mann gelte als aggressiver Krimineller.
  • Dem Sender NOS zufolge war Gökmen T. wegen Vergewaltigung angeklagt. Das Opfer, seine Ex-Freundin, hatte die Polizei laut NOS gewarnt: "Er ist kein Terrorist, sondern ein Psychopath", habe sie gesagt.

Quellen:  RTL Nieuws, Bild, tagesschau.de, NOS, "De Telegraaf", Polizei Utrecht, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

rw