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Politik: Hände weg!

Sexuelle Übergriffe auf Frauen gehören nicht erst seit der verstörenden Neujahrsnacht in Köln zum deutschen Alltag. Damit sich daran etwas ändert, müssen wir endlich mehr darüber reden. Sieben Frauen fangen damit an.

Illustrationen von Dan Gluibizzi zum NEON-Artikel über sexuelle Übergriffe auf Frauen

Sexuelle Übergriffe auf Frauen sind ein bundesweites Problem - und wir müssen anfangen, darüber zu sprechen.

Text: Martina Kix & Judith Liere | Illustrationen: Dan Gluibizzi

Die Recherche für diesen Text dauerte nur zwei Stunden. Wie schnell das ging, war erschreckend. Fast jede Frau, die wir fragten, hatte schon einmal einen sexuellen Übergriff erlebt: Bekannte, Freundinnen, NEON-Redakteurinnen.

»Nach Köln«, diese Formulierung taucht derzeit oft in privaten Gesprächen und öffentlichen Debatten auf. Als hätte sich seit der Kölner Neujahrsnacht etwas grundlegend verändert. Über 1200 Notrufe gingen in der Nacht bei der Kölner Polizei ein, 821 Mal wurde Anzeige wegen sexueller Belästigung und Diebstahl erstattet, die meisten Tatverdächtigen haben einen Migrationshintergrund. Es gibt viele Diskussionen, die wir jetzt führen müssen: über Integration, organisierte Kriminalität und öffentliche Sicherheit, aber auch über sexuelle Gewalt, denn die wird oft instrumentalisiert und bagatellisiert. Die Übergriffe am Hauptbahnhof sind schrecklich und in solch einer Masse neu. Was allerdings nicht neu ist: dass Frauen in Deutschland sexuell belästigt werden. Dafür müssen nicht erst rund eine Million Flüchtlinge kommen.

Auch oder gerade »nach Köln« tendieren viele dazu, das Problem weg- und abzuschieben: Die Flüchtlinge halt, die in Machokulturen sozialisiert wurden. Doch damit macht man es sich viel zu einfach. 2014 wurden in Deutschland laut der Kriminalstatistik 7345 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung erfasst. Die tatsächliche Zahl der Opfer ist aber wahrscheinlich viel, viel höher: Weil Frauen aus Scham nicht zur Polizei gehen oder weil sie sich fragen, ob sie nicht doch mitschuldig sind, oder weil der Übergriff nicht brutal genug war, um vor dem Gesetz als Vergewaltigung zu gelten. Und Grapschen ist in Deutschland keine Straftat. Doch auch wenn viele Männer das glauben: Eine Hand am Po ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Eingriff in die Intimsphäre.

Sieben Frauen erzählen über sexuelle Übergriffe

Unsere Interviewpartnerinnen wurden auf dem Schulweg bedrängt, mit Messern bedroht, sie wurden nach Partyabenden missbraucht und in der eigenen Wohnung überfallen.

Immer wieder hörten wir folgenden Satz: »Ich wurde schon überall belästigt, im Club, im Freibad und auf der Straße.« Die Täter waren: Fremde, Freunde, Familienmitglieder. Das Problem sitzt tief und steckt wohl in jeder weiblichen Biografie: Von klein auf lernen Frauen, dass sie Männern körperlich unterlegen und damit potenzielle Opfer sind. Sie bekommen Verhaltensregeln eingetrichtert: Im Dunkeln nicht allein nach Hause gehen, Pfefferspray in die Handtasche packen, keine zu kurzen Röcke tragen.

Wir gehen bei einem Taschendiebstahl eher zur Polizei als bei sexueller Belästigung. Das muss sich ändern. Und niemand darf mehr Mitschuld bei den Frauen suchen, egal wie hoch der Alkoholpegel, wie heiß die Blicke vor dem anschließenden »Nein« waren.

Sexuelle Gewalt ist kein Problem der Religion, der Hautfarbe, der Herkunft, der Bildung. Wir müssen nicht nur »nach Köln« offener darüber reden. Kann man erwarten, dass unsere neuen Mitbürger die Gleichberechtigung der Geschlechter und das Recht der Frau auf sexuelle Selbstbestimmung anerkennen, wenn diese Werte nicht einmal im deutschen Alltag fest verankert sind?

Der übergriffige Kumpel

»Eine Sommernacht vor drei Jahren: Ich war seit zwei Wochen in Kroatien unterwegs, mein Kumpel Paul, der nicht wirklich Paul heißt, gerade in Zagreb gelandet.

Ich mochte Paul: zwanzig Jahre älter als ich, Dauersingle, zynisch, lustig. Der Abend begann wunderbar: Wir gingen auf ein Woodkid-Konzert, tranken Bier aus Plastikbechern und tanzten. Wir lernten ein paar Leute aus Zagreb kennen, sie zeigten uns einen Club. Wir tranken mehr Bier, Schnaps und Gin Tonic. Irgendwann war ich so betrunken, dass ich kaum noch stehen konnte. Meine letzte Erinnerung: eine SMS um vier Uhr nachts an meinen damaligen Freund Martin. Was danach geschah, weiß ich nicht mehr. Als ich aufwachte, war ich nackt. Pauls Kopf zwischen meinen Beinen. Er leckte mich. Ich stieß ihn weg, zog die Decke an mich, drehte mich zur Seite und schlief weiter. In dem Moment realisierte ich nicht, was passiert war. Vielleicht wollte ich es auch verdrängen. Ein guter Freund hatte meine Hilflosigkeit ausgenutzt. Die Fragen kamen am nächsten Morgen, zusammen mit dem Kater: Warum bin ich nicht schreiend aus dem Zimmer gelaufen? Habe ich ihn irgendwie animiert? War ich zu naiv? Bin ich mitschuldig, weil ich getrunken hatte? Und Paul, der würde nüchtern so etwas doch nie machen. Oder? Aber die Fragen blieben in meinem Kopf. Ich schwieg. Ich zeigte Paul nicht an. Die ganze Situation war mir wahnsinnig unangenehm, obwohl es an Paul gewesen wäre, sich wahnsinnig zu schämen. Bis heute habe ich kaum jemandem von dieser Nacht erzählt. Erst viel später habe ich Paul gesagt, dass sein Verhalten unmöglich war, und ihm die Freundschaft gekündigt.«

MARTINA, 30, HAMBURG


Der brutale Verfolger

»Ich war feiern und lief morgens um sieben nach Hause. Kaum war ich in der Wohnung, klingelte es. Als ich öffnen wollte, warf sich ein Mann mit solcher Gewalt gegen die Tür, dass das Schloss rausbrach. Er drängte sich in die Wohnung, warf sich auf mich und hielt mir den Mund zu. Ich konnte noch laut genug schreien, um meinen Mitbewohner zu wecken. Er zog den Mann von mir runter, wir schlugen zu zweit auf ihn ein, bis er flüchtete. Die Polizei hat ihn später gefasst und er wurde vor Gericht gestellt. Erst dort habe ich erfahren, dass der Mann mir schon seit der S-Bahn-Haltestelle heimlich gefolgt war, das war auf Überwachungskameras zu sehen. Er wurde verurteilt, zu einer Strafe von einem Jahr und neun Monaten. Allerdings wegen Raub und nicht wegen versuchter sexueller Nötigung, obwohl so die Anklage lautete. Aber er hatte ausgesagt, dass er mir meine Handtasche habe klauen wollen. Totaler Quatsch, dafür verfolgt man doch niemanden heimlich über anderthalb Kilometer und bricht dann in dessen Wohnung ein. Aber er hätte wohl die Hose ausziehen müssen, damit das Gericht den sexuellen Hintergrund der Tat anerkannt hätte. Ich hätte mich besser gefühlt, wenn er für die Nötigung verurteilt worden wäre. So wirkt es, als hätte ich versucht, ihm etwas unterzujubeln, das er nicht getan hat.

Der Überfall ist jetzt über ein Jahr her. Ich habe danach viel Hilfe bekommen, aber auch Reaktionen erlebt, die mich wütend gemacht haben.

Ein paar Tage nach der Tat bin ich zu einem Therapeuten gegangen, weil es mir psychisch sehr schlecht ging. Er deutete an, dass ich als junge hübsche Frau ja damit rechnen müsse, dass mir so etwas passiert, wenn ich nachts ohne männliche Begleitung unterwegs bin. Ich habe mir daraufhin eine andere Therapeutin gesucht. Einigen meiner männlichen Freunde war es unangenehm, wenn ich über die Tat gesprochen habe, sie sagten Dinge wie: ›Das ist doch schon so lange her und es ist ja nichts Schlimmeres passiert.‹ Und weil der Täter Algerier ist, haben manche meiner Verwandten Sachen wie ›Typisch, die Ausländer‹ gesagt, auch die ›Bild‹Zeitung, die über den Prozess berichtete, drehte meine Geschichte in diese Richtung. Das hat mich so wütend gemacht, denn für mich spielt die Nationalität des Täters keine Rolle. Ich bin oft genug von deutschen Männern bedrängt worden, einmal mitten am Tag, am Hauptbahnhof, und keiner hat mir geholfen.«

SIMONE, 26, HAMBURG

Der Exhibitionist

»Ich war siebzehn und gerade auf dem Weg zur Schule, als ich hinter mir Schritte hörte, die immer näher kamen. Als der Typ, ein Stück älter als ich, bleiches Gesicht, neben mir war, schaute ich zur Seite und sah, dass er seinen Schwanz ausgepackt hatte und dabei war, sich einen runterzuholen. ›Geht’s?!‹, fragte ich verdattert. Er zuckte zusammen, machte die Hose zu und flüchtete. ›Psycho‹, dachte ich und ging angeekelt weiter. Nicht etwa zur Polizei, um ihn anzuzeigen, sondern in die Schule. Wieso? Weil ich das Gefühl hatte, ich sei ja noch glimpflich davongekommen. Physisch war mir ja nichts passiert. Später erzählte ich meinen Freunden und Eltern davon, wir taten ihn als Spinner ab. Ein Spinner ist jemand, der abweicht von der Norm. Aber ist das nicht ein viel zu harmloses Wort? Fast jede meiner Freundinnen wurde schon sexuell belästigt, im Zug, im Freibad, auf einer Party, nachts auf dem Heimweg oder zu Hause. Zweimal endete es mit einer Vergewaltigung. Man darf sexuelle Belästigung nicht als seltene Ausnahme abtun. Die Realität zeigt doch: Es kann jeder Frau passieren.«

CÉCILE, 30, BERN


Der Mann mit dem Messer

»Vor zwölf Jahren studierte ich zwei Semester lang in Florenz. Ich wohnte in der Altstadt und war gerade auf dem Heimweg von einer Party, als neben mir ein Auto hielt.

Der Fahrer öffnete die Beifahrertür, fragte mich nach dem Weg zum Bahnhof und deutete auf einen Stadtplan neben sich. Als ich mich ins Auto beugte, griff er nach mir; mit der rechten Hand packte er mich am Jackenkragen, in der linken hielt er ein Messer. ›Steig ein und blas mir einen‹, herrschte er mich an. Mein Fluchtreflex war größer als die Angst vor dem Messer, ich schrie, riss mich los und rannte weg. Zu Hause saß ich drei Stunden heulend hinter meiner abgeschlossenen Zimmertür auf dem Boden. Zur Polizei ging ich nicht, obwohl ich befürchtete, dass der Typ noch andere Frauen angreifen würde. Zum einen konnte ich mich an kein einziges Detail erinnern, mit dem der Angreifer hätte identifiziert werden können, nicht mal die Farbe des Autos hatte ich mir gemerkt. Zum anderen traute ich mich nicht, den Carabinieri die Geschichte in meinem mittelprächtigen Italienisch zu erzählen. Meine englische Mitbewohnerin hatte auf der Wache mal einen Taschendiebstahl gemeldet, danach riefen zwei Polizisten bei ihr an und fragten nach einem Date. In den Tagen nach dem Angriff hatte ich Angst auf der Straße, auch tagsüber. Die Anmachen und Flirtereien italienischer Männer, die ich bis dahin mal amüsant, mal schmeichelhaft und mal nervig gefunden hatte, wirkten plötzlich bedrohlich, ekelten mich an. Mir wurde meine körperliche Unterlegenheit bewusst: Würde einer dieser ›Bellissima‹ säuselnden Typen auf die Idee kommen, mich in eine dunkle Ecke zu drängen, könnte ich ihm wenig entgegensetzen. Mit der Zeit wurde das Gefühl der Verletzbarkeit und Ohnmacht schwächer, irgendwann lief ich nachts auch wieder allein durch die Stadt. Ganz verschwunden ist es aber nicht mehr.«

JUDITH, 36, HAMBURG


Der respektlose Ägypter

»Ich sah ihn schon von Weitem. Gierig schaute er mich an. In dem engen U-Bahn-Gang hatte ich jedoch keine Chance, ihm auszuweichen. Und wie erwartet griff er mir im Vorbeigehen an den Hintern. Die Männer neben ihm grinsten. Ich hätte heulen können vor Wut, tat ich doch eh schon alles, um in Ägypten nicht aufzufallen. Ich trug kein Make-up, keine engen Klamotten. In der U-Bahn gibt es eigene Frauenabteile, nie hätte ich mich in den gemischten Waggon gesetzt, auf ein Fahrrad auch nicht. Das alles gilt als provozierendes Verhalten. Trotzdem bin ich nie zuvor in meinem Leben mit einer solchen Selbstverständlichkeit angegrapscht worden wie in Ägypten. Der Typ aus der U-Bahn war nur ein weiterer Strich auf meiner Liste der sexuellen Belästigungen. Nach einem Jahr war ich es leid und zog von Ägypten in den Libanon. Da kann ich anziehen, was ich will, und werde in Ruhe gelassen.

Der Islam hat meiner Meinung nach nichts mit dieser Kultur der sexuellen Gewalt zu tun. Ich bin in vielen muslimischen Ländern immer mit Respekt behandelt worden: im Irak, im Libanon, in Jordanien und Palästina. Ich glaube, dass viele Männer in Ägypten eine beschissene Erziehung hatten: Jungs sind dort kleine Prinzen, die sich alles erlauben dürfen. Das Schlimmste war aber, dass es kaum Solidarität unter Frauen gibt. In Deutschland kann ich mich immer darauf verlassen, von Freundinnen unterstützt zu werden, wenn ich blöd angemacht werde. In Ägypten ging mal durch die Medien, dass eine Studentin von einem Mob auf dem Campus verfolgt und sexuell belästigt worden war. Als ich mit meiner Arabischlehrerin darüber sprach, sagte sie: ›Schlimme Sache, aber sie trug kein Kopftuch. Und sie hatte ganz enge Kleidung an!‹ Mein damaliger deutscher Freund, der auch dabei war, starrte sie nur an und sagte: ›Das ist keine Entschuldigung.‹ Und da merkte ich mal wieder, wie wichtig es ist, dass feministisch geprägte Mütter ihre Söhne gut erziehen, überall auf der Welt. Diesen Frauen bin ich dankbar.«

THERESA, 29, BEIRUT

Der Mann, der das Wort »Nein« nicht versteht

»Ich bin vergewaltigt worden. Es hat fast dreieinhalb Jahre gedauert, bis ich mich getraut habe, diesen Satz auszusprechen. Aus Scham. Ich hatte das Gefühl, es sei meine Schuld. Obwohl ich es eigentlich besser weiß. Hätte mir eine andere Frau meine Geschichte erzählt, hätte ich gesagt: ›Erstatte Anzeige sofort!‹ Aber ich selbst habe das bis heute nicht getan. Obwohl ein Mann gegen meinen Willen Sex mit mir hatte. Ich bin mit einem Typen nach Hause gegangen, den ich in einer Bar kennengelernt hatte. Ich war angetrunken und faul, er wohnte in der Nähe. Wir hatten uns gut unterhalten, aber es war nichts gelaufen und er hatte auch keinen Versuch gestartet. Als er mir anbot, bei ihm zu übernachten, willigte ich ein, stellte aber klar, dass ich kein Interesse an Sex hatte. Dieses ›Nein‹ ignorierte er, als ich eingeschlafen war. Als ich aufwachte, war er schon in mir. Ich brüllte ihn an, wehrte mich. Er hörte auf. Später erfuhr ich von einer Anwältin, dass der Vorfall laut Gesetz maximal als Nötigung gelten würde. Nur wenn er trotz meines Widerstands weitergemacht hätte, wenn ich mich stärker hätte wehren müssen, hätte es eventuell als Vergewaltigung gegolten. Er war nicht brutal genug für diesen Tatbestand, das ist die traurige Realität.

Ich schlief wieder ein, am nächsten Morgen machte er mir Kaffee. Als ob nichts gewesen wäre. Offenbar war ihm gar nicht bewusst, dass er in dieser Nacht zum Vergewaltiger geworden war. Und auch ich hatte den Gedanken nicht. Ich verdrängte die Nacht, bis ich einen Facebook-Post der Autorin Stefanie Sargnagel las, die lapidar erzählte, wie oft sie schon sexuell belästigt worden war. Ich fing an, nachzudenken, und erschrak, wie selbstverständlich ich diesen und alle anderen Vorfälle hingenommen hatte. Ich komme aus München und war oft auf dem Oktoberfest. Einmal hielten mich zwei Männer fest, steckten mir die Zunge in den Hals und griffen mir an die Brüste. Ein anderes Mal fasste mir ein etwa 60-Jähriger zwischen die Beine und sagte: ›Geh, Madl, zier di ned aso!‹ Da war ich fünfzehn. Ich bin in der U-Bahn, in Discos und im Freibad begrapscht worden. Heute schäme ich mich nicht mehr für die Taten anderer, sondern engagiere mich dafür, dass sich das Klima ändert, in dem solche Vorfälle verharmlost und legitimiert werden. Ich unterstütze die Initiative #ausnahmslos. Die Gesetze müssen geändert werden, damit sich mehr Frauen trauen, Anzeige zu erstatten. Niemand ist selbst schuld, wenn ihm Gewalt angetan wird.«

SOPHIA HOFFMANN, 35, BERLIN


Der Po-Grapscher

»Es ist mir schon oft passiert, dass ich mich in ›unangenehmen Situationen‹ nicht gewehrt habe, weil ich dachte, das gehöre sich nicht. Etwa kürzlich auf der Party einer Freundin: Ihr Bruder, nennen wir ihn Peter, war mit seiner Frau da. Trotzdem warf er mir die ganze Zeit Blicke zu und sagte anzüglich: ›Dein Lächeln ist wahnsinnig schön!‹ Ich wies ihn freundlich ab. Kurz darauf lud er mich an der Bar auf ein Bier ein und ich spürte, wie er meinen Po knetete. Ich war völlig überfordert und sagte deshalb nur: ›Äh, das ist aber nicht mein Rücken.‹ Dann stürmte seine Frau heran und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Die ganze Aufmerksamkeit galt nun ihm und seiner plötzlich gefährdeten Ehe. Ich verblieb mit dem unangenehmen Gefühl, schuld zu sein.

Als Wirtschaftsjuristin weiß ich, dass Arschgrapschen in Frankreich eine Straftat ist, auf die bis zu fünf Jahre Gefängnis und bis zu 75.000 Euro Geldstrafe stehen. Und genau das habe ich Peter später auch in einer Mail geschrieben: Er und alle Männer müssen endlich kapieren, dass es ein Delikt ist, den Po einer Frau anzufassen, die das nicht will. In Deutschland kann ich wegen so etwas keine Anzeige erstatten. Peter hat sich nach meiner Mail übrigens bei mir entschuldigt.«

ANAIS, 26, MÜNCHEN


Dieser Text ist in der Ausgabe 03/16 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.