Vereinigte Arabische Emirate kündigen Austritt aus der Opec an

Hauptsitz der Opec in Wien
Hauptsitz der Opec in Wien
© AFP

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Die Vereinigten Arabischen Emirate haben inmitten der größten Energiekrise seit Jahrzehnten überraschend ihren Austritt aus der Opec verkündet. Das Land werde die Opec und die Opec+, zu der Förderländer wie Russland gehören, ab dem 1. Mai verlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur WAM. Die VAE waren seit 1967 Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) - ihr Austritt dürfte das Kartell schwächen.

"Diese Entscheidung spiegelt die langfristige strategische und wirtschaftliche Vision der VAE wider sowie das sich wandelnde Energieprofil", berichtete WAM am Dienstag. "In unserer Zeit in der Organisation haben wir zum Wohle aller bedeutende Beiträge geleistet und noch größere Opfer gebracht", zitierte WAM weiter aus der Erklärung. "Es ist jedoch an der Zeit, unsere Anstrengungen auf das zu konzentrieren, was unser nationales Interesse gebietet."

Die VAE waren vor Beginn des Iran-Kriegs viertgrößter Produzent in der Opec+ mit ihren 22 Mitgliedern - nach Saudi-Arabien, Russland und Irak. Der Verkauf von Öl ist seit Beginn des Kriegs massiv gestört: Iran blockiert de facto die Straße von Hormus, Öltanker können den Seeweg kaum befahren. Normalerweise werden 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls durch die Straße von Hormus transportiert. Die VAE wurden zudem in den Krieg hineingezogen - das Land litt vor Beginn der Waffenruhe Anfang April unter wiederholten Angriffen des Iran.

Mit dem Austritt aus der Opec können die VAE nun selber Fördermenge und Preis bestimmen. Die VAE wollten "nicht durch Quoten eingeschränkt werden", sobald sich die Marktlage wieder normalisiert habe, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus dem Umfeld des Energieministeriums in Abu Dhabi.

Saudi-Arabien verliert damit an Einfluss - die Beziehungen zum großen Nachbarland sind angespannt, die VAE unterstützen im Jemen Kräfte, die Saudi-Arabien feindlich gegenüberstehen. 

Laut dem Analysten Jorge Leon von Rystad Energy stellt der Austritt einen Wendepunkt für die Opec dar: Neben Saudi-Arabien seien die Emirate "eines der wenigen Mitglieder, die über nennenswerte Reservekapazitäten verfügen – der Mechanismus, mit dem die Organisation ihren Einfluss auf den Markt ausübt", erklärte er AFP.

Der Austritt des Landes werde sich möglicherweise nicht unmittelbar auf die Ölmärkte auswirken, solange die Lieferungen durch die Straße von Hormus weiterhin ausgesetzt seien. Langfristig werde er aber "zu einer strukturellen Schwächung der Opec führen". Der Austritt werfe zudem "weitreichende Fragen hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Rolle Saudi-Arabiens als zentraler Stabilisator des Marktes auf". Die Fähigkeit der Opec, Versorgungsungleichgewichte auszugleichen, nehme ab. 

Laut David Oxley, Experte bei Capital Economics, "könnte der Austritt aus der Opec+ dazu führen, dass die Vereinigten Arabischen Emirate eine Million Barrel zusätzlich fördern, sobald sich die Energieflüsse wieder normalisieren".

Die Opec war in den 60er Jahren gegründet worden. 2016 schloss sich das Kartell mit zehn weiteren Förderländern zur Opec+ zusammen. Zuletzt war Angola aus der Opec ausgetreten, das war 2024.

Ihre Macht demonstrierte die Opec vor allem 1973, als sie im Jom-Kippur-Krieg ein Ölembargo gegen Israels Verbündete verhängte. Binnen Monaten vervierfachten sich die Ölpreise und führten zur ersten Ölkrise. 1980 führte die Opec ein Mengensystem ein, um damit die Preise auf dem Weltmarkt zu kontrollieren. 

AFP