Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar gab die Angriffe in Kabul, Kandahar und der Provinz Paktia im Onlinedienst X bekannt. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi erklärte, die Angriffe seien eine "angemessene Reaktion" auf die "offene Aggression" der Taliban. Verteidigungsminister Asif sprach von einer "umfassenden Konfrontation" mit der Taliban-Regierung.
Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif erklärte, die pakistanische Armee verfüge "über die volle Fähigkeit, jegliche aggressiven Ambitionen zu zerschlagen". "Die gesamte Nation steht Schulter an Schulter mit den pakistanischen Streitkräften", hieß es in einer von der pakistanischen Regierung im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung weiter.
Die iranische Regierung bot sich derweil als Vermittler zwischen den Konfliktparteien an. Teheran sei bereit, "jede notwendige Hilfe zu leisten, um den Dialog zu erleichtern und das gegenseitige Verständnis sowie die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu stärken", erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi im Onlinedienst X.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Kabul meldeten laute Explosionen und Schussgeräusche über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden. Im südafghanischen Kandahar, wo der Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada seinen Sitz hat, berichtete ein AFP-Journalist von Flugzeuggeräuschen.
Die Taliban-Regierung in Kabul bestätigte die pakistanischen Angriffe. Dem Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid zufolge gab es keine Verletzten.
Am Donnerstag hatten die afghanischen Streitkräfte nach Angaben der Taliban-Regierung eine "breit angelegte" Offensive gegen pakistanische Militäreinrichtungen im Grenzgebiet gestartet. Dabei seien 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen und "dutzende" pakistanische Soldaten getötet worden. Weitere pakistanische Soldaten seien verletzt oder gefangengenommen worden.
Auf afghanischer Seite wurden bei der Offensive nach Angaben des Taliban-Verteidigungsministeriums acht Soldaten getötet. Der Informationschef der afghanischen Provinz Nangarhar, Kureschi Badlun, meldete zudem mehrere verletzte Zivilisten in einem Lager für vertriebene Afghanen aus Pakistan nahe dem Grenzübergang Torkham. "Eine Mörsergranate hat das Lager getroffen, und leider sind sieben unserer Flüchtlinge verwundet worden, der Zustand einer Frau ist ernst", erklärte Badlun.
Das pakistanische Informationsministerium warf den afghanischen Streitkräften vor, "unprovozierte" Angriffe an mehreren Orten in der pakistanischen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa ausgeführt zu haben.
In der Nacht zum Sonntag hatte die pakistanische Armee tödliche Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UN-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban-Regierung sprach von mindestens 18 Toten. Sie wies pakistanische Angaben zurück, dass mindestens 80 afghanische Kämpfer getötet worden seien.
Aus Islamabad hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.
Die pakistanische Regierung wirft den radikalislamischen Taliban vor, nicht gegen militante Gruppierungen vorzugehen, die von Afghanistan aus Angriffe im Nachbarland verüben. Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kommt es immer wieder zu tödlicher Gewalt. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.
Im vergangenen Oktober wurden bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die beiden Nachbarländer vereinbarten zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.