Jeder Tag in Haft sei "zu viel Schmerz für einen Menschen" gewesen, sagte Tarazona zu AFP. Er habe "1675 Tage an einem dunklen Ort" verbracht. Es darf nicht sein, dass sich solche Situationen wiederholen", betonte er und fügte mit Blick auf den US-Einsatz in Venezuela hinzu: "Es darf nicht sein, dass erst das geschehen musste, damit wir herauskommen konnten."
Tarazona war einer der bekanntesten politischen Häftlinge in Venezuela, er war des "Terrorismus'" und des "Landesverrates" schuldig gesprochen worden. Er ist der Leiter der Menschenrechtsorganisation Fundaredes und war im Juli 2021 festgenommen worden. Er ist für seine Berichterstattung über Zusammenstöße zwischen der Armee und Guerillagruppen entlang der 2000 Kilometer langen Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela bekannt. Fundaredes hatte der venezolanischen Regierung wiederholt vorgeworfen, kolumbianische Guerillaführer in Venezuela zu beherbergen.
Gemeinsam mit Tarazona wurde auch der Aktivist Omar de Dios García freigelassen, der ebenfalls im Juli 2021 inhaftiert worden war. Tarazona, sein Bruder und de Dios umarmten sich lange, wie ein AFP-Korrespondent beobachtete.
In dem südamerikanischen Land sitzen der Nichtregierungsorganisation Foro Penal zufolge noch 711 politische Gefangene im Gefängnis.
Unter dem Druck der USA hatte Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez am Freitag eine Massenamnestie für Häftlinge angekündigt, die wegen "politischer Gewalt" einsitzen. Das Gesetz solle "den gesamten Zeitraum politischer Gewalt von 1999 bis heute" umfassen, sagte sie in einer Rede vor dem Obersten Gericht des Landes.
Die ehemalige Stellvertreterin des Anfang Januar von den USA gewaltsam abgesetzten Präsidenten Nicolás Maduro kündigte zudem an, das berüchtigte Gefängnis El Helicoide in Caracas schließen zu lassen. Der Opposition in Venezuela und Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden Gefangene dort unter Maduro gefoltert. Auch der nun freigelassene Tarazona saß in dem berühmt-berüchtigten Gefängnis ein.
Der Aktivist forderte eine Aufarbeitung der Geschehnisse in dem Gefängnis. "Die Schließung von Helicoide löst das Problem der Ungerechtigkeit in diesem Land nicht", sagte Tarazona zu AFP. "Wenn die Schließung von Helicoide bedeutet, eine Erinnerung auszulöschen, dann glaube ich, muss daran gearbeitet werden, dass sich das nicht wiederholt."
Der von US-Spezialkräften aus Venezuela entführte Maduro ist in New York inhaftiert, ihm soll dort wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden. US-Präsident Donald Trump hatte Maduros früherer Stellvertreterin Rodríguez mit einem ähnlichen Schicksal gedroht, sollte sie nicht mit Washington kooperieren. Ihre Regierung will auf Druck aus den USA unter anderem den Ölsektor des Landes für ausländische Investoren öffnen.