Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
bevor der amerikanische Außenminister Marco Rubio am Donnerstag in Rom den Papst trifft, ist ihm sein Chef noch einmal kräftig in die Seite gefahren. In einem Interview ließ Donald Trump seine Fehde mit Papst Leo aufleben. Als es um in China inhaftierte Regimekritiker ging, sagte er: „Na ja, der Papst redet lieber darüber, dass es in Ordnung sei, wenn der Iran eine Atombombe hat, und ich halte das nicht für besonders gut.“ Das ist natürlich Unsinn, der Papst sagte als Reaktion auf Trumps Kommentare gerade noch einmal deutlich, dass er sich eine friedliche Welt ohne Waffen wünscht. Aber nun ist Rubio mal wieder als Ausputzer gefragt.
Die vielleicht beste Fähigkeit von Marco Rubio als Chefdiplomat der USA ist es, ein ewiges Stehaufmännchen zu sein. Das sich von nichts, aber auch gar nichts, was der Präsident so treibt, aus der Bahn werfen lässt. Er erklärt es mit dem immer selben stoischen Tonfall weg.
Entführung von Präsident Maduro aus Venezuela? Trump redet von einer Attacke, wie man sie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr gesehen hat. Rubio nennt Trump einen „Friedenspräsidenten“. Der Krieg im Iran? Auch kein Problem, ein kleinerer Konflikt. Bei solchen Auftritten ist Rubio mehr Handlanger für den Präsidenten als Außenminister.
Das amerikanische Magazin „The New Yorker“ bescheinigte ihm kürzlich den Charme eines Pfadfinders, der schwört: Ehrenwort – um dann Kekse verkaufen zu wollen. Rubios Aufgabe ist klar: Er beruhigt hinter den Kulissen verärgerte Verbündete, rechtfertigt Trumps erratisches Verhalten und verteidigt eine Politik, die er vor ein paar Jahren noch selbst verdammt hat.
Eine erfolgreiche Strategie. Damit ist er in der Trump-Regierung in den vergangenen Monaten zu einer Art Kronprinz aufgestiegen. Einer Position, die Vizepräsident J. D. Vance zugedacht war. Den hat Rubio aber inzwischen in der Beliebtheit bei den Wählern und wohl auch bei Trump deutlich überholt.
Rubio verkauft dafür allerdings seine Seele. So trägt er demütig die viel zu großen Schuhe, die ihm Trump geschenkt hat. Alles nur, um ihm zu gefallen. Als Rubio 2016 im Rennen um die Präsidentschaft gegen Trump kandidierte, nannte der ihn verächtlich „little Mario“, den kleinen Mario. Damals dachten alle, dass sich Rubio nie wieder politisch von den harten Attacken Trumps auf ihn erholen würde. Zu oft geriet er stotternd in die Defensive.
Marco Rubio könnte der Strippenzieher hinter all den Attacken der USA sein
Aber hier ist er wieder. Er hat gelernt – und sich radikal gewandelt. Viele seiner bisherigen Überzeugungen warf er für Trump über Bord. Bevor er Teil der Trump-Regierung wurde, warb der 54-Jährige stets dafür, dass Amerika die Führungsrolle in einer demokratischen Welt übernimmt. Als Sohn kubanischer Einwanderer galt er als Verfechter von Unterstützung und Hilfe für verarmte Länder. Heute springt er über jedes Stöckchen, das sein Chef ihm hinhält. Welche Rolle er hinter verschlossenen Türen in der Trump-Regierung spielt, ist unklar. Sein Schreibtisch im Weißen Haus ist nur wenige Schritte vom Oval Office entfernt. Es gibt die, die sagen, er sei der Strippenzieher hinter all den Attacken der USA auf andere Länder. Ein Mann, der Trump so lange ins Ohr flüstert, bis er demnächst auch noch Kuba angreift.
Andere erklären, Marco Rubio bemühe sich, in dieser turbulenten Regierung für Kontinuität und Balance zu sorgen. Er tue, was er könne, um Trumps schlimmste Impulse abzumildern. Und den Schaden zu begrenzen, den er in aller Welt anrichtet. Genau das ist jetzt wohl wieder seine Rolle, wenn er den von Trump gescholtenen Papst trifft. Bei der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni muss er sicher auch wieder den Trump-Erklärer geben. Der hatte sie kürzlich wegen ihrer kritischen Haltung zum Irankrieg „inakzeptabel“ genannt.
Rubio gilt als ehrgeizig. Er will was werden. Die einzige Wahl, die er in seiner Karriere verloren hat, war die gegen Trump vor zehn Jahren.
Nun ist er im Auftrag des Herren unterwegs.
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