Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
in den letzten Stunden hat Donald Trump etwa 30-mal auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social gepostet. Manchmal lobt er in seinen Beiträgen Mitstreiter, das ist aber selten. Meist geht es darum, jemanden bloßzustellen, zu beleidigen oder eine Lüge über ihn zu verbreiten. Immer ist das Ziel dasselbe: Donald Trump treibt seine Politik gnadenlos und unbeirrt voran – und damit die Welt vor sich her.
In den USA zum Beispiel will der US-Präsident schon lange den ihm unliebsamen Chef der Notenbank Fed, Jerome Powell, loswerden. Also gibt er ihm einen herabwürdigenden Spitznamen – und lässt ihn virtuell in einem mit KI hergestellten Bild in den Müllcontainer werfen. Seine Vorgänger Barack Obama und Joe Biden hasst er zutiefst. Also postet er von Obama ein Bild, auf dem er sich angeblich vor den Mullahs im Iran tief verbeugt – dazu das Wort „Verräter“. Joe Biden lässt er mit Maske niederknien und nennt ihn „Feigling“. Keines der Bilder ist echt.
Als Trump dafür kritisiert wird, den Reflecting Pool am Lincoln Memorial mit Schwimmbadfarbe blau streichen zu lassen, reagiert er auch via Truth Social. Dieses Mal mit einem KI‑Bild von sich selbst in Badehose, mit Drink in der Hand, wie er in dem großen Wasserbecken schwimmt – an seiner Seite eine Frau im Bikini und einige seiner Regierungsmitglieder. Das mag Fremdschämgefühle auslösen. Aber so macht Trump Politik.
Er ist nicht „Commander in Chief“, sondern „Bully in Chief“. Seinen Anhängern gefällt es, Trumps Kunstbilder sind Kult bei ihnen. Sie werden fleißig geteilt und halten zumindest den harten Kern der MAGA-Fans bei der Stange.
Donald Trump setzt sich immer öfter über Gerichte und Urteile hinweg
Trump wird zunehmend enthemmter. Laut Zahlen aus den USA, setzt sich seine Regierung in den vergangenen Monaten immer öfter auch über Gerichte und Urteile hinweg. Eigentlich hätte Trump längst den Kongress über den Irankrieg abstimmen lassen müssen. Hat er aber einfach nicht getan. Seine wilde Begründung: Der derzeitige Waffenstillstand heiße, dass kein Krieg sei. Und er kommt damit davon.
Diese Strategie funktioniert nicht nur in den USA, er mischt damit auch kräftig die Weltpolitik auf. Fast alle alten Regeln der internationalen Zusammenarbeit und des gegenseitigen Respekts hat er längst über den Haufen geworfen. Kanzler Merz bekam das gerade zu spüren. Trump ist ein Mobber, im Grunde nicht anders als wir sie alle vom Schulhof kennen.
Wird der US-Präsident kritisiert, schlägt er meist ungehemmt zurück. So soll er schon als Bauunternehmer gewesen sein. Sein Prinzip: Ich übe so lange Druck aus, bis ich bekomme, was ich will. Ob er damit langfristigen Schaden anrichtet, scheint ihm egal. Trump denkt meist nicht weiter als bis zur nächsten Straßenecke.
Das kann man kindisch finden. Aber weil er sich so wenig um die Folgen schert, ist ihm kaum beizukommen. Er ist in einer viel zu mächtigen Position. Siehe Europas Regierungschefs: Friedrich Merz, Giorgia Meloni und Emmanuel Macron schienen in den letzten Wochen gegen ihn aufzubegehren. Es war ein Hauch von Selbstbewusstsein zu spüren. Es machte sich das Gefühl breit: Europa kann vielleicht wirklich ohne die USA. Trump war vom Irankrieg, den hohen Spritpreisen im eigenen Land und dem Attentatsversuch abgelenkt.
Nun schlug er heftig zurück mit Zolldrohungen und Abzug von Soldaten aus Europa. Die Welt wird drangsaliert von einem US-Präsidenten, der vor Eskalation nicht zurückschreckt. So einem wie ihm ist kaum beizukommen. Zumindest hat noch keiner ein Mittel gefunden, das funktioniert. Trump hat der Welt den Arm auf den Rücken gedreht – und es sieht nicht so aus, als würde er bald loslassen.
Wenn der Zahnarzt (fast) nicht mehr bohrt
Viele Menschen haben Angst vor dem Zahnarzt. Ich gehöre auch dazu. Wenn ich nur an das Geräusch des Bohrers denke, bekomme ich Gänsehaut. Mein Kollege Bernhard Albrecht ist ein sehr gewissenhafter Rechercheur. Er ist der Frage nachgegangen, wie Karies heutzutage am besten behandelt werden sollte. Müssen Zahnärzte bei Karies wirklich so lange bohren, bis sie weg ist? Das war mal so. Heute gilt: Oft verschwindet Karies von selbst – wenn man das Richtige tut.
5-Minuten-Talk: Macht Merz eigentlich irgendwas gut?
Innenpolitisch steht der Kanzler unter enormem Druck. Die Reformmaschine klemmt, die Koalition ist zerstritten, der Regierungschef selbst unbeliebt. Aber auf internationalem Parkett macht Friedrich Merz bella figura. Seine Besuche im Oval Office hat er unfallfrei überstanden, er hat Deutschland zurück auf die Weltbühne gebracht, heißt es.
Doch angesichts der jüngsten Zollandrohungen aus Washington und der Ankündigung, 5000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen, stellt sich die Frage: Wie erfolgreich ist Friedrich Merz überhaupt in der Außenpolitik? Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Dienstag, dem 5. Mai 2026
- Israels Außenminister Gideon Saar ist zu Besuch bei seinem Amtskollegen Wadephul in Berlin
- Jens Spahn stellt sich zur Wiederwahl als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
- Rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich sollen ins Zwischenlager nach Arhaus im Münsterland gebracht werden. Es wird mit Protestaktionen gegen den Transport gerechnet
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Alexandra Kraft