Pentagon
Pete Hegseth entlässt Top-Militärs. Vor allem Schwarze und Frauen betroffen

Verteidigungsminister Pete Hegseth
Pete Hegseth war Soldat und Moderator beim Sender Fox News. Heute ist er bekannt für seinen aggressiven Umgang mit Journalisten
© Mark Schiefelbein/dpa

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Pete Hegseth hat eine Entlassungswelle in der Top-Ebene des US-Militärs begonnen. Der Verteidigungsminister hatte versprochen, die Armee werde weniger „woke“ sein.

In der ersten Amtszeit von Donald Trump wurden die führenden US-Militärs von vielen als eine Art letzte Mauer zwischen ihm und den Atomcodes gesehen. Sie seien so etwas wie die „Erwachsenen im Raum“, da werde der US-Präsident schon keinen militärischen Blödsinn anrichten, so war die weitverbreitete Meinung. Dann kam Pete Hegseth ins Amt als Verteidigungsminister. Und mit ihm begann eine bislang nie dagewesene Entlassungswelle in den Top-Rängen der US-Armee. Damit wächst die Sorge vor einer dramatischen Schwächung des Militärs.

Hegseth hatte bei seinem Amtsantritt angekündigt, die Armee werde endlich wieder weniger „woke“ sein in Zukunft. Seitdem hat er 24 Generäle und hohe Befehlshaber in den Ruhestand gezwungen oder entlassen. Allesamt ohne dass das mit ihrer Leistung begründet wurde. Etwa 60 Prozent der so Geschassten waren Schwarz oder Frauen. Damit scheint die Regierung ihr Versprechen umzusetzen, man werde Anstellungen, die aufgrund von Diversität, Gleichstellung oder Inklusion nicht mehr dulden.

Alle Entlassenen haben aber makellose Lebensläufe und einen hervorragenden Ruf. Das jüngste Opfer war General Randy George. Der Generalstabschef verlor seinen Posten im vergangenen Monat. Angeblich, weil er es abgelehnt hatte, auf Hegseths Befehl hin, vier anstehende Beförderungen zu streichen. Bei den Kandidaten handelte es sich um zwei Schwarze und zwei Frauen.

Pete Hegseth fürchtet wohl selbst seinen eigenen Rauswurf

Begonnen hatten die Rauswürfe schon im Februar vergangenen Jahres. Als eine der ersten traf es General GQ Brown, er war ein wichtiges Bindeglied zwischen den Streitkräften und der zivilen Führung. Ebenfalls entlassen wurde Lisa Franchetti, ein Admiral und die erste Frau, die Chef der Marineoperationen war und erster Vertreter der Marine im Vereinigten Generalstab war.

Als Hegseth letzte Woche in einer Anhörung im Senat nach den Entlassungen gefragt wurde, ob er schwarze Soldaten und Frauen dafür herauspicke, verneinte er das. Er sagte: Natürlich nicht. Schob dann aber nach: „Die Mitglieder dieses Ausschusses und die frühere Führung dieses Ressorts waren in einer Weise auf Körpergröße, soziale Steuerung sowie Fragen von Rasse und Geschlecht fixiert, die wir für ungesund hielten.“

In den USA mehren sich die Berichte, dass der enge Trump-Vertraute Pete Hegseth im Pentagon wegen seines Verhaltens und aggressiven Auftretens immer mehr isoliert dastehe. Er bunkere sich regelrecht mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter ein. Dazu zählt auch sein Bruder Phil, den er zum Berater ernannt hat. Außerdem zeige er deutliche Zeichen von Paranoia, dass Trump ihn rauswerfen könnte. Viele im Militär halten ihn mit seiner Vergangenheit als früherer National-Guard-Infanterie-Major mit Kampferfahrung im Irak und in Afghanistan für unqualifiziert. 

Im Pentagon wächst wohl gleichzeitig die Sorge, die Entlassungen könnten die Schlagkraft des US-Militärs nachhaltig schwächen. Auch weil Hegseth im Ruf steht, alle Anweisungen von Trump ohne Widerspruch umzusetzen.

akr

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