In der iranischen Hauptstadt Teheran sind am Samstagabend erneut zahlreiche Menschen gegen die Führung des Landes auf die Straße gegangen. Im Norden der Hauptstadt schlugen die Demonstrierenden auf Töpfe und riefen Slogans zur Unterstützung der Familie des 1979 gestürzten Schahs, wie ein von der Nachrichtenagentur AFP verifiziertes Video zeigte. Über dem Punak-Platz wurde Feuerwerk abgebrannt.
Reza Pahlavi, der in den USA lebende Sohn des früheren Schahs, hatte die Demonstranten aufgerufen, die Stadtzentren des Landes zu besetzen. Im Onlinedienst X appellierte der Exil-Oppositionelle an die Iraner, am Samstag und Sonntag abends "alle auf die Straße zu gehen". Er bereite sich darauf vor, "sehr bald" in sein Land zurückzukehren.
Internet im Iran seit Tagen blockiert
Die iranische Führung blockiert das Internet wegen der landesweiten Massenproteste den vierten Tag in Folge. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks teilte am Morgen auf der Plattform X mit, die Internetsperre dauere nun seit mehr als 60 Stunden an. Es handele sich dabei um Zensur und stelle eine direkte Bedrohung für die Sicherheit und das Wohlergehen der Iraner dar.
Durch die Internetsperren will die iranische Führung in der Regel die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste unterdrückt werden. Die Maßnahme schürt zudem die Sorge, dass die Führung in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten das Blackout nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen.
Trotz der nahezu vollständigen Internetsperre gab es nach Angaben des Menschenrechtsnetzwerks HRNA mit Sitz in den USA am Samstagabend erneut Demonstrationen in 185 Städten des Landes. Die Zahl der bei den seit knapp zwei Wochen andauernden Massenprotesten getöteten Menschen stieg demnach auf 116.
Trump soll sich über militärische Optionen informiert haben
US-Präsident Donald Trump schrieb unterdessen in seinem Onlinedienst Truth Social: "Iran blickt möglicherweise wie nie zuvor auf Freiheit." Die USA seien bereit, den Demonstrierenden zu "helfen". Einen Tag zuvor hatte Trump gesagt, der Iran stecke in "großen Schwierigkeiten" und drohte erneut mit einem Militäreinsatz.
Einem Bericht der "New York Times" zufolge wurde Trump kürzlich über Optionen für mögliche militärische Angriffe auf den Iran informiert. Wie die Zeitung am Samstag unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtete, hat Trump noch keine endgültige Entscheidung über eine weitere Intervention getroffen.
Im Juni hatten die USA bereits Atomanlagen im Iran angegriffen. Am Sonntag vergangener Woche hatte Trump der Führung in Teheran dann erneut gedroht, weil sie Proteste gewaltsam unterdrückt.
Der Iran drohte für den Fall eines US-Angriffs mit Gegenschlägen. Jede Attacke der USA werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als "legitime Ziele" führen, zitierte der arabische Sender Alaraby auf X Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf.
Angst vor der Reaktion des Regimes
Derweil wuchs die Angst vor einer brutalen Unterdrückung der Protestbewegung durch die Führung in Teheran. Menschenrechtsorganisationen meldeten Dutzende Todesopfer im Zuge der Proteste. Sie äußerten am Samstag ihre Besorgnis über verstärkte Razzien der Behörden.
Nach einer Internetsperre dringen nur wenige Informationen nach außen. Nach Angaben der Organisation Netblocks gibt es seit Donnerstag praktisch keine Internetverbindung mehr.