Super-Bowl-Halbzeitshow: Bad Bunny feiert Lateinamerika - Trump wütet

Bad Bunny bei der Halbzeitshow des Super Bowl
Bad Bunny bei der Halbzeitshow des Super Bowl
© AFP
Latino-Tanzparty voller politischer Anspielungen: Der Superstar Bad Bunny hat in seiner Halbzeitshow beim Football-Finale Super Bowl seine Heimat Puerto Rico und die lateinamerikanische Kultur zelebriert. Auf direkte politische Botschaften verzichtete der Reggaeton-Star zwar, doch schloss er seinen Auftritt mit einem Aufruf zur Einheit statt Spaltung. US-Präsident Donald Trump reagierte erbost auf die Show und nannte sie einen "Affront gegen die Großartigkeit Amerikas".

Bad Bunnys furioser Auftritt vor Millionen von Fernsehzuschauern war eine Hommage an das US-Territorium Puerto Rico. Auf der Bühne waren eine Zuckerrohrplantage, ein als "casita" bezeichnetes traditionelles Haus, Dominospieler, Boxer und Alltagsszenen von der Karibikinsel zu sehen. Auch heiratete auf der Bühne ein Paar - was nicht gespielt, sondern echt war.

Als erster Künstler bei einer Super-Bowl-Halbzeitshow sang der 31-Jährige zudem durchgehend auf Spanisch. Überraschungsgäste waren die Popsängerin Lady Gaga, die eine Salsa-Version ihres Songs "Die With a Smile" vortrug, und der ebenfalls aus Puerto Rico stammende Sänger Ricky Martin.   

Der ganz in Weiß gekleidete und von zahlreichen Tänzerinnen und Tänzern umgebene Bad Bunny trug einige seiner großen Hits in Kurzversionen vor, darunter "Tití Me Preguntó", "Yo Perreo Sola" und "Voy A Llevarte Pa PR". Ricky Martin sang Bad Bunnys Song "Lo Que Le Pasó A Hawaii", in dem es um die Folgen der Übernahme von Puerto Rico und Hawaii durch die USA geht.

Der Megastar ist ein Kritiker von Trumps harscher Einwanderungspolitik. Während seiner Ehrung bei den Grammy-Musikpreisen eine Woche zuvor hatte er eine Botschaft gegen die US-Einwanderungspolizei ICE ausgesandt: "ICE out" (ICE raus) sagte er unter dem Jubel des Publikums. Während seiner derzeitigen Welttournee lässt er die USA aus - was er damit begründete, dass ICE während seiner Konzerte Razzien ausführen könnte. 

Während seiner Super-Bowl-Show verzichtete der Künstler mit dem bürgerlichem Namen Benito Antonio Martínez Ocasio auf direkte politische Kritik. Am Ende seines Auftritts wurden jedoch die Fahnen lateinamerikanischer Länder gezeigt. Und Bad Bunny nannte auch deren Namen sowie jene der Vereinigten Staaten und Kanadas. 

Dann warf Bad Bunny in einem "Touchtown" einen Football auf den Boden, auf dem stand: "Zusammen sind wir Amerika". Auf einem Riesenbildschirm erschien zudem der Spruch: "Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe."

Trump, der nicht zum Super Bowl angereist war, reagierte umgehend auf Bad Bunnys Auftritt und bezeichnete ihn als "absolut schrecklich". Auch monierte der Präsident, dass Bad Bunny ausschließlich auf Spanisch gesungen hatte. "Niemand versteht ein Wort von dem, was dieser Kerl sagt", schrieb Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social. Offiziellen US-Regierungsdaten zufolge sprechen mehr als 41 Millionen Menschen in den USA Spanisch.

Bad Bunny steht für vieles, was Trumps Maga-Lager (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig) verachtet. Als Puertoricaner ist er zwar US-Staatsbürger, singt und rappt aber durchweg auf Spanisch. In seinem Grammy-preisgekrönten Album "Debí tirar más fotos" (auf Deutsch: "Ich hätte mehr Fotos machen sollen") thematisiert er die schmerzhafte Geschichte der Kolonisierung der Karibikinsel, die seit 1898 zu den USA gehört.

Der Vertreter der lateinamerikanischen Genres Reggaeton und Latin Trap ist einer der erfolgreichsten Musikstars der Gegenwart. Im Trump-Lager hatten jedoch viele angekündigt, seine Show als Fernsehzuschauer boykottieren zu wollen. Die Trump-nahe Jugendorganisation Turning Point USA veranstaltete ein alternatives Halbzeitkonzert, bei dem der Rockmusiker und Trump-Freund Kid Rock auftrat und das auf Onlineplattformen gestreamt wurde.

In Deutschland fand die Halbzeitshow wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht statt. Trotzdem erreichte sie laut dem Branchendienst DWDL durchschnittlich 1,31 Millionen Zuschauer.

AFP

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