Angst vor Annexion: Regierungen Grönlands und Dänemarks alarmiert wegen Trump-Äußerungen

Trump beansprucht das zu Dänemark gehörende Grönland für die USA
Trump beansprucht das zu Dänemark gehörende Grönland für die USA
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Die Regierungen Grönlands und Dänemarks haben sich alarmiert wegen der jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump über eine mögliche Annexion Grönlands durch die USA gezeigt. "Das reicht jetzt", erklärte der grönländische Regierungschef Jens Frederik Nielsen in der Nacht zum Montag. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen warnte, mit einem Angriff auf einen Nato-Partner würden die USA das Ende des Militärbündnisses besiegeln. Trump hatte zuvor gesagt, die USA würden sich "in rund zwei Monaten um Grönland kümmern".

"Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein", sagte Trump am Sonntag an Bord seiner Präsidentenmaschine Air Force One. "Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen." In einem Telefoninterview mit dem US-Magazin "The Atlantic" betonte er: "Wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung."

Grönlands Regierungschef Nielsen wies Trumps Drohungen entschieden zurück. "Kein weiterer Druck. Keine weiteren Andeutungen. Keine weiteren Annexions-Fantasien", schrieb er auf Facebook. "Wir sind offen für Dialog. Wir sind offen für Diskussionen", betonte er. Dies müsse aber "über die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts geschehen".

Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen rief die USA auf, ihre "Drohungen gegen einen historischen Verbündeten" einzustellen. Es sei "absolut absurd zu sagen, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über Grönland übernehmen sollten".

In einem Interview mit dem dänischen Sender TV2 warnte sie am Montag vor den Folgen eines möglichen US-Angriffs auf die Insel Grönland, die zum Nato-Mitglied Dänemark gehört. Sollten sich die USA zu einer solchen Attacke entscheiden, "dann ist alles vorbei", sagte Frederiksen. Dies betreffe die Nato und damit auch die Sicherheitsarchitektur nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Regierung tue "alles, was möglich ist, damit dies nicht geschieht".

Die Bundesregierung pochte auf die Einhaltung des Völkerrechts. "Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden" und "Gebiete dürfen nicht zwangsweise annektiert werden", sagte Vizeregierungssprecher Sebastian Hille in Berlin.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) mahnte Gespräche innerhalb der Nato über eine Stärkung der Verteidigung an. Trump habe "richtigerweise darauf hingewiesen", dass es ein verstärktes chinesisches und russisches Interesse an der Arktis-Region gebe, sagte Wadephul dem Deutschlandfunk. "Das berührt unsere Sicherheitsinteressen." Dänemark, das für die Verteidigung Grönlands zuständig sei, "sei mit Sicherheit bereit, über diese Fragen mit den USA zu sprechen".

Die EU beschwor die "Grundsätze der nationalen Souveränität, der territorialen Integrität". Die EU werde diese "universellen" Grundsätze verteidigen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

"Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden", betonte auch ein Sprecher des französischen Außenministeriums. "Grönland gehört den Grönländern und den Dänen, und sie allein entscheiden darüber", fügte er hinzu. Ähnlich äußerte sich der britische Premierminister Keir Starmer. Die nordischen Länder Schweden, Norwegen und Finnland bekundeten auf Onlineplattformen ebenfalls ihre Unterstützung Dänemarks.

Am Samstag hatte die Ehefrau des einflussreichen Trump-Beraters Stephen Miller mit einem Bild Grönlands in den Farben der US-Flagge Empörung ausgelöst. Katie Miller postete auf ihrem Konto im Onlinedienst X das Bild, über dem in Großbuchstaben "Bald" stand.

Stephen Miller stellte am Montag gegenüber dem US-Sender CNN auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten eine militärische Intervention ausschließen würden, die Frage, auf welcher "Grundlage" Grönland eine "Kolonie Dänemarks" sei. "Die Vereinigten Staaten sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten haben. Es gibt überhaupt keinen Grund, darüber im Zusammenhang mit einer Militäroperation nachzudenken oder darüber zu sprechen, wie Sie es gerade gefragt haben", sagte er. "Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen."

Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit der Übernahme Grönlands durch die USA gedroht und dabei auch die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen. Zuletzt sorgte er mit der Ernennung eines Sondergesandten für Grönland auf der Insel selbst, in Kopenhagen und in der EU für Empörung.

Trump argumentiert mit den Sicherheitsinteressen der USA und verweist auf die angebliche Präsenz Moskaus und Pekings rund um die geostrategisch günstig gelegene Insel.

Die Abgeordnete Aaja Chemnitz, die Grönland im dänischen Parlament repräsentiert, warf Trump vor, "Lügen über chinesische und russische Kriegsschiffe zu verbreiten". Sie rief die Bewohner der Insel auf, sich auf "alle Szenarien vorzubereiten" und die Äußerungen Trumps zu Grönland ernster zu nehmen.

Grönland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend autonom. Die größte Insel der Welt liegt im Nordatlantik und Arktischen Ozean zwischen Nordamerika und Europa. Auch befindet sich die Insel auf direkter Strecke einer möglichen Raketenflugbahn zwischen Russland und den USA.

Im Boden Grönlands lagern wertvolle Rohstoffe, die bisher kaum genutzt werden. Durch neu eröffnete Seewege infolge des Klimawandels ist das geostrategische Interesse an der Arktis von Seiten der USA, Chinas und Russlands zuletzt deutlich gewachsen.

AFP