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Noch Fragen?

Frage Nummer 3000126276 StechusKaktus

Warum ist die Idee von Linnemann populistisch?

Linnemann schlug vor die Kinder, die noch kein Deutsch sprechen, in einer Vorschule zu qualifizieren, damit sie dann in der Grundschule mithalten können.

Empörung aller Orten. Z.B. "Brauner Sumpf" (Katja Kipping)
Warum? Mir kommt der Vorschlag ganz vernünftig vor. Und wäre es nicht auch ein Beitrag zu höherer Chancengleichheit?
Antworten (12)
netter_fahrer
Der Vorschlag ist deshalb populistisch, weil er die Ansichten gewisser Kreise bestätigt, nicht bzw. schlecht Deutsch sprechende Menschen solle man am besten aus dem ganzen Land fernhalten.
Kinder lernen am leichtesten mit anderen Kindern, das ist eine altbekannte pädagogische Tatsache. Es ist Unfug, Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen aus der Grundschule fernzuhalten und ihnen eine Sonderrolle zu geben. Zusätzlicher Deutsch-Förderunterricht ja, aber nicht für sich allein, sondern mit deutsch sprechenden Kindern.
rayer
Ich würde es nicht als populistisch bezeichnen, dennoch ist es absoluter Unsinn.
Ich kann da auf 2 eigenen Erfahrungen zurückgreifen.
Während meiner Schulzeit kamen 2 türkische Jungs zu uns auf die Schule. In etwa 6 Monaten sprachen die ein so gutes Deutsch, dass man glauben konnte, die wären in Deutschland geboren.
Meine eigenen Kinder habe ich ja ein paar Jahre mit mir auf der Welt rumgeschleppt, im Kleinkindalter und bis zur Einschulung konnten die problemlos zu Deutsch noch die jeweilige Landessprache innerhalb von ein paar Monaten. Die Sprachen waren Mandarin, Spanisch und Englisch, also völlig unterschiedliches Zeug. Die Leistungsfähigkeit von Kindern gerade in Sache Sprache wird völlig unterschätzt.
Deho
In Finnland wird genau das schon seit vielen Jahren praktiziert, und das Land schneidet in PISA-Studien um Stufen besser ab als Deutschland.

Wer käme jetzt auf die Idee, die Finnen als populistisch, Afd-affin oder "braun" zu bezeichnen? Die sind wie alle Skandinavier einfach pragmatisch, und wir sind in dieser Beziehung einfach nur krank.
StechusKaktus
@rayer: Mit deinem Beispiel hast du zweifelsohne Recht. Genauso, wie die Präsidentin des B-W-Landtags Muhterem Aras, die wohl auch ohne Deutschkenntnisse eingeschult wurde und die sich hier werbewirksam zu Wort meldete.

Aber ob sich diese Beispiele ohne weiteres auf die heutige Zeit übertragen lassen? nach meinem Eindruck war es eben vor 40 Jahren die Ausnahme, dass ein Schüler ohne Deutschkenntnisse eingeschult wurde und der hatte dann entsprechenden Druck zu lernen, damit er mit jemanden anders kommunizieren kann. Es lag also eine hohe Motivation vor.

Die braucht es heute häufig doch nicht mehr. Andere "Muttersprachler" gibt es reichlich und damit dann eben auch eine reduzierte Motivation, Deutsch zu lernen. Im Gegenteil, es gibt zwischenzeitlich Grundschulklassen, in denen kaum noch ein Schüler Deutsch kann. Dann wird damit viel Zeit vertrödelt, Sprachkenntnisse nachzuholen.
rayer
Meine Kinder sind noch nicht mit dem Abitur fertig, mach mir die nicht älter als sie sind.
DrWer
Ich bin weder Lehrer noch Schulpsychologe. Da meine Eltern nicht aus Deutschland stammen, kann ich Dir vielleicht aus eigener Schulerfahrung Deine Frage beantworten. Linnemann's Idee wäre für die betroffene Kinder traumatisierend. Es gibt wirklich nichts schlimmeres für ein Kind, als das Gefühl zu haben nicht dazuzugehören. Dieses Gefühl ist extrem belastend und man wird es Zeit seines Lebens nur schwer los. Es ist deswegen außerordentlich wichtig diese Kids so früh wie möglich mitzunehmen. Wenn Freundschaften entstehen, geht das Erlernen der Sprache fast von selbst. Kinder sind bekanntlich Meister im Anpassen. Nur Linnemann sorgt sich nicht primär um das Wohl der Kinder, sondern um sein Wähler-Klientel. Der Vorschlag ist mMn nicht nur naiv (im besten Fall), sondern gefährlich.
Opal_V2
Von Populismus kann gar keine Rede sein. Nicht Deutsch sprechende Kinder sind in derGrundschulentwicklung deutsch sprechender Kinder ein Hindernis. Ich hab da in anderer Hinsicht gewisse Erfahrungswerte. Deshalb ist eine Vorschule für diese Kinder mehr als Hilfreich. Ob die nun ein Jahr früher oder später in den Regelschulbetrieb kommen ist irrelevant.
Musca
Was kein Kind dieser Welt braucht, ist eine Stigmatisierung. Herr Linnemann unterschätzt die Fähigkeiten von Kindern, insbesonderes die Sprachaufnahme. Siehe netter Fahrer oder rayer.
Kinder haben auch sehr soziale Fähigkeiten.
Mein damals 5-6 jähriges Töchterchen hatte einige Freunde, darunter ein Mädchen mit Down-Syndrom und schweren Herzproblemen. Kein Problem für die Kids, das Kind wurde samt Beatmungsgerät im Polterwägelchen überall hin mitgenommen, von den Kindern.
Nächster Punkt, meine Arbeit in der Flüchtlingshilfe, da spricht eine kleine 16 jährigeTscheschenin (wie schreibt man das ?) 7 (in worten : sieben) Fremdsprachen.
Ok, das würde ich als Ausnahmetalent bezeichnen.
Deho
@ DrWer
Du schreibst:“ Es gibt wirklich nichts schlimmeres für ein Kind, als das Gefühl zu haben nicht dazuzugehören. Dieses Gefühl ist extrem belastend und man wird es Zeit seines Lebens nur schwer los.“

Das ist richtig. Aber in Berlin, in Frankfurt, im Ruhrgebiet gibt es Grundschulen, an denen der Migrantenanteil über 75% liegt. Da gehören die deutschen Kinder nicht dazu und werden gemobbt. Wie sollen da Freundschaften entstehen? Und was sollen die lernen? Deutsch mit den anderen zusammen? Du siehst das sehr einseitig und bist hier mental noch nicht wirklich angekommen.
DerDoofe
Das ist schon wieder merkwürdig. Es gibt doch genügend deutsche Kinder, die bei der Schulaufnahmeprüfung in ihrer Sprachentwicklung als zurückgeblieben eingestuft werden. In der Folge werden sie ein Jahr zurückgestellt. Ein völlig normaler Vorgang, der seit Jahrzehnten praktiziert wird.
dschinn
Manchmal werden Kinder auch nur zurück gestellt, weil das System keine rollierenden Altersklassen hat oder das Geburtsdatum einfach doof liegt?
Ein fast sechsjähriges Kind ist eben was anneres als ein (noch) fünfjähriges?

Und der Termin der Einschulung nimmt da keine Rücksicht drauf.
ing793
Die Grundidee an sich ist nicht verwerflich. Das Problem ist, man bekommt die Kinder verpflichtend erst mit der Schulpflicht.
Man kann sie weder in einen Kindergarten noch in eine Vorschule zwingen.
Dann aber ist es in meinen Augen besser, sie in den normalen Alltag zu integrieren.
Herr Linnemann wird m. E. nicht wegen des Vorschlages an sich angegriffen, sondern wegen des offensichtlich fremdenfeindlichen Kontext, in den er es gestellt hat.