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Nach Klimablockade "Letzte Generation" zeigt sich bestürzt über Tod von Radfahrerin und kritisiert Medien

Ein zerstörtes Fahrrad liegt auf der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf.
Die Klima-Aktivisten der "Letzten Generation" werden seit dem Unfall verstärkt angefeindet und für den Hirntod der Frau verantwortlich gemacht. 
© Paul Zinken / DPA
Nach dem Tod einer Radfahrerin in Berlin-Wilmersdorf stehen die Klimaaktivisten von "Letzte Generation" unter Druck. Ihnen wird vorgeworfen, eine mögliche Rettung durch Straßenblockaden behindert zu haben. 

Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert, nachdem der Tod der Radfahrerin bekannt wurde.

Nach dem Tod einer von einem Betonmischer überrollten Radfahrerin, deren Rettung möglicherweise durch Klimablockaden behindert wurde, hat die Aktivistengruppe "Letzte Generation" scharfe Kritik an den Medien geübt und weitere Proteste angekündigt. "Dass ein ganzes Mediensystem sich gegen uns wenden würde, damit haben wir nicht gerechnet", erklärte die Gruppe in einem Statement, aus dem der "Spiegel" zitiert.  

In der Stellungnahme beklagt die Gruppe demnach eine "Welle der Vorwürfe, Unwahrheiten und Hetze" gegen sich und wirft der "Medienlandschaft" vor, dass sie die Umstände des Unfalls der Radfahrerin in Berlin "in dieser Form fiktiv aufbauscht und damit demokratischen Protest in einer Krisensituation delegitimiert".

"Letzte Generation" will weiter protestieren

Zu dem Unfall heißt es: "Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dass die Radfahrerin im Straßenverkehr verunglückt ist, ist furchtbar. Wir sind bestürzt und in Trauer". Es sei jedoch "an der Zeit, eine Grenze zu ziehen", ergänzt die Gruppe mit Blick auf die Berichterstattung über sie.

Zu künftigen Aktionen heißt es, die Gruppe werde sich von "öffentlicher Hetze" nicht davon abbringen lassen, "das einzig moralisch Richtige zu tun: In einer alles entscheidenden Krise nicht zu verharren, sondern loszugehen." Ob die Gruppe auch weiterhin Straßenblockaden plant, geht dem "Spiegel" zufolge aus der Erklärung nicht hervor.

Polizei ermittelt gegen zwei Klimaaktivisten

Die Radfahrerin war am vergangenen Montag in Berlin-Wilmersdorf von einem Lastwagen erfasst und überrollt worden. Die 44-Jährige erlag später ihren schweren Verletzungen, nachdem sie am Donnerstag zunächst für hirntot erklärt wurde. Davon erholen sich nach bisherigen Erkenntnissen Betroffene nicht – unabhängig davon, welche Maßnahmen Mediziner ergreifen. Die Frau werde weiterhin in einer Klinik intensivmedizinisch behandelt, sagte ein Polizeisprecher. 

Der Unfall hat für bundesweites Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Denn ein Spezialfahrzeug, das helfen sollte, die Verletzte unter dem Lastwagen zu befreien, stand nach Angaben der Feuerwehr in einem Stau auf der Stadtautobahn. Dieser soll durch eine Aktion der Klima-Protestgruppe "Letzte Generation" ausgelöst worden sein.

Die Polizei ermittelt gegen zwei 63 und 59 Jahre alte Klimaaktivisten wegen unterlassener Hilfeleistung beziehungsweise der Behinderung hilfeleistender Personen. Es müsse – auch mit Sachverständigen – der kausale Zusammenhang zu den Blockaden geprüft werden, heißt es von der Polizei. Die Feuerwehr geht davon aus, dass sich die Rettung der Frau um mehrere Minuten verzögert hat, weil das Spezialfahrzeug im Stau stand. Allerdings räumte ein Feuerwehrsprecher ein, auch die Bildung einer Rettungsgasse sei am vergangenen Montag angesichts der Größe des Fahrzeugs problematisch gewesen.

Da die Technik nicht zur Verfügung stand, mussten die Retter an der Unfallstelle nach Angaben der Feuerwehr improvisieren. Dadurch sei es zu Zeitverzögerungen gekommen. Angaben dazu, ob dies Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Radfahrerin hatte, machte die Feuerwehr nicht. Es sei auch generell schwer, eine derartige Aussage zu treffen, sagte ein Sprecher. Zugleich verwies er auf die laufenden Ermittlungen. In sozialen Netzwerken werden die Klima-Aktivisten seit dem Vorfall verstärkt angefeindet und für den Tod der Frau direkt verantwortlich gemacht. 

jus DPA

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