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Abschlussbericht der Kirche: Missbrauchs-Hotline im Visier

Fast drei Jahre lang hatte die katholische Kirche eine Hotline für Missbrauchsopfer geschaltet. Nun stellt der Trierer Bischof Ackermann den Abschlussbericht vor.

Mitten in der neu entflammten Debatte um die Aufklärung sexuellen Missbrauchs in der katholische Kirche ziehen die deutschen Bischöfe Bilanz ihrer telefonischen Hotline für Opfer. In den vergangenen drei Jahren wurden fast 8500 Gespräche geführt. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Triers Bischof Stephan Ackermann, stellt den Abschlussbericht in Trier vor.

Die bundesweite telefonische Anlaufstelle für Missbrauchsopfer und deren Angehörige war vom 30. März 2010 bis Ende 2012 geschaltet. Die katholische Kirche hatte sie nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals eingerichtet. Gedacht war sie vor allem für Opfer sexueller Übergriffe in katholischen Einrichtungen.

Anfangs hatten die Opfer nach Angaben des Bistums Trier, wo die Hotline angesiedelt war, vor allem über ihre Missbrauchserfahrungen größtenteils aus der Zeit von 1950 bis 1980 berichtet. Später hätten sie nach Therapieangeboten oder Details zu Anträgen auf Entschädigung gefragt. Der Zeitraum für die Hotline war zweimal verlängert worden. Zuletzt seien aber kaum noch Anrufe gekommen.

Katholische Kirche in der Kritik

In der vergangenen Woche war die katholische Kirche bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in die Kritik geraten: Sie hatte eine wissenschaftliche Studie des Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer gestoppt. Er warf der Kirche Zensur und Aktenvernichtung vor, was diese zurückwies. Die Bischofskonferenz sucht jetzt neue Wissenschaftler, um den Missbrauch aufzuarbeiten. Es gebe bereits Interessenten, die sich gemeldet hätten, um das Forschungsprojekt zu übernehmen, sagte eine Sprecherin der Bischöfe am Mittwoch. Gespräche dazu sollten in den nächsten Wochen geführt werden.

Unterdessen zweifelt die große Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge am Aufklärungswillen der katholischen Kirche bei dem Thema. 75 Prozent meinen, die Kirche wolle eine vollständige Aufklärung verhindern. Nur 17 Prozent denken, dass die Kirche die Missbrauchsfälle, an denen Geistliche beteiligt waren, wirklich aufarbeiten will. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" hervor.

ds/DPA / DPA