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Algerien: Über 700 Erdbebenopfer in Algerien

Bei einem verheerenden Erdbeben sind im Norden Algeriens am nach neuesten Angaben etwa 700 Menschen getötet worden. Es ist das schlimmste Beben im Land seit 23 Jahren.

Nach neuesten Medienberichten ist die Zahl der Toten durch das verheerende Erdbeben im Norden Algeriens auf über 700 gestiegen. Der französische Radiosender France Info meldete am Donnerstagnachmittag 707 Todesopfer. Die Angaben über die Zahl der Verletzten schwankten zwischen 4700 und etwa 5000. Das Erdbeben der Stärke 6,7 auf der Richterskala hatte am Mittwochabend die Region um die Hauptstadt Algier erschüttert. Unter den Trümmern werden noch Tausende Menschen befürchtet. Allein aus der Industriestadt Roubia wurden über 100 Tote gemeldet. In der betroffenen Region um die Hauptstadt Algier leben über die Hälfte der Algerier, fast 20 Millionen Menschen. Inzwischen sind internationale Helferteams auf dem Weg in das Katastrophengebiet. Ihre Arbeit wird durch zerstörte Straßen behindert. Zudem sind Telefonleitungen und die Stromversorgung in weiten Teilen des Landes zusammengebrochen. Das Zentrum der Erdstöße lag rund 60 Kilometer östlich von Algier bei Thenia. Deutschland sagte die Entsendung von Experten und Suchhundestaffeln zu.

Mindestens zehn Nachbeben

Das Beben ereignete sich gegen 19.45 Uhr Ortszeit und hatte nach ersten Messungen in Algerien eine Stärke von 5,2 auf der Moment-Magnitude. In den USA wurde jedoch eine Stärke von 6,7 registriert. Es gab mindestens zehn Nachbeben.

Schwerstes Beben seit 1980

Ein Unglück habe Algerien getroffen, erklärte Ministerpräsident Ahmed Quyahia. Im französischen Rundfunk äußerte er sich besonders besorgt darüber, dass noch viele Menschen unter den Trümmern begraben seien. Es war das schwerste Erdbeben in Algerien seit Oktober 1980. Damals kamen in der nordwestlichen Stadt Al Asnam etwa 2.500 Menschen ums Leben.

Die Behörden sandten Rettungskräfte in das Gebiet und baten um Blutspenden. Innenminister Nouredine Yazid Zerhouni reiste in die betroffenen Städte. Allein in Boumerdes, das zehn Kilometer vom Bebenzentrum entfernt liegt, wurden laut der Nachrichtenagentur APS 261 Menschen getötet. Die Erdstöße waren in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern zu spüren, so auch in Cherchel und Tizi-Ouzu, wie Bewohner der Städte berichteten.

In Panik aus dem Hotel gesprungen

Augenzeugen schilderten im französischen Sender LCI, dass in Boumerdes Menschen in Panik aus einem Hotel gesprungen seien. In der Stadt Baghlia sei ein Krankenhaus schwer beschädigt worden. Viele Dächer von Häusern seien eingestürzt. Auch in Algier rannten viele Menschen in Panik auf die Straße. In einigen Stadtteilen der Hauptstadt fiel der Strom aus. Einige Gebäude stürzten ein, mindestens 15 Menschen kamen ums Leben.

Deutsche Hilfstruppen unterwegs

Auf Ersuchen Algeriens schickt Deutschland Experten und Suchhundestaffeln in das Erdbebengebiet des nordafrikanischen Landes. Teams des Technischen Hilfswerks (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) fliegen am Nachmittag im Auftrag des Auswärtigen Amtes nach Algerien, wie DRK-Sprecher Lübbo Roewer in Berlin erklärte. Bereits heute am Vormittag war ein Erkundungskommando des THW aufgebrochen, wie THW-Sprecherin Iris Möker in Bonn mitteilte.

Bundesaußenminister Joschka Fischer erklärte in Berlin: "Mit Trauer und Bestürzung hat die Bundesregierung von dem schweren Erdbeben in Algerien erfahren. Die große Zahl der Todesopfer, Verletzten und obdachlos Gewordenen hat in Deutschland große Betroffenheit ausgelöst. Unser Mitgefühl und Beileid gilt den Opfern und Angehörigen."

Umgehend Hilfe angeboten

Die Bundesregierung hatte noch in der Nacht der algerischen Regierung umgehende Hilfe angeboten. Bundesinnenminister Otto Schily hatte ebenfalls noch in der Nacht den Einsatz von Erdbebenexperten des THW in das Katastrophengebiet angeordnet, um Einsatzmöglichkeiten für ein nachfolgendes Team zu erkunden.

Helfer mit Hunden

Dieses Team des THW, das sich am Vormittag auf seinen Einsatz vorbereitete, besteht laut Möker aus 20 Experten und zehn Suchhunden. Es gehört zur Gruppe SEEBA (Schnelle Einsatzeinheit Bergung im Ausland). Das THW ist eine dem Bundesinnenministerium unterstellte Bundesanstalt, deren Mitglieder zum überwiegenden Teil (98 Prozent) ehrenamtlich helfen. Hauptamtlich beschäftigt das THW laut Möker rund 850 Personen. Das Expertenteam für Algerien hat ebenfalls sowohl ehrenamtliche als auch hauptamtliche Mitglieder.

Vom DRK werden nach Angaben von Roewer zunächst zehn Experten mit zwölf Hunden als Soforthilfe in das Erdbebengebiet aufbrechen. Das Deutsche Rote Kreuz habe der algerischen Hilfsorganisation Roter Halbmond zudem angeboten, eines der mobilen DRK-Hilfskrankenhäuser in die Region zu schicken. Dieses Krankenhaus könnte ganz schnell ausgeflogen werden und in spätestens 48 Stunden die Arbeit aufnehmen. Es verfügt den Angaben zufolge über die gleiche Ausstattung wie ein deutsches Kreiskrankenhaus und hat Betten für 200 Patienten. Ambulant könnten täglich 1.000 Patienten behandelt werden.

DPA