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Alice Schwarzer attackiert Kristina Schröder: "Ich halte Sie für einen hoffnungslosen Fall"

Da prallen Weltbilder aufeinander: Feministinnen-Ikone Alice Schwarzer pöbelt in einem offenen Brief gegen Familienministerin Kristina Schröder. Diese sei schlicht inkompetent und verbreite Stammtischparolen. Der Ministerin gehen Schwarzers Thesen zu weit.

Feministin Alice Schwarzer hat Familienministerin Kristina Schröder (CDU) Inkompetenz und "Stammtischparolen" vorgeworfen. Seit Schröders fast einjähriger Amtszeit habe sich weder die Lage der Familien verbessert, noch sei die Gleichberechtigung der Frau vorangekommen. Das kritisierte die Kölner Journalistin in einem "Offenen Brief" an die Ministerin. "Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen - die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein", attackierte Schwarzer die Ministerin. Anlass ist Schröders Interview in der aktuellen Ausgabe des "Spiegel".

Schröder äußert sich in dem Nachrichtenmagazin zu den Themen Feminismus und ihrer geplanten speziellen Förderung für Jungen aus bildungsfernen Schichten. "Ich glaube, dass zumindest der frühere Feminismus teilweise übersehen hat, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden", sagt die Ministerin. Zur Person Alice Schwarzer meint die Bundesministerin, deren Thesen gingen ihr doch oft zu weit.

"Stammtischparolen aus den Siebzigern"

Die umstrittene Frontfrau der Frauenbewegung (67) entgegnete darauf: Die CDU-Politikerin verbreite "billige Klischees" und veraltete "Stammtischparolen aus den 1970er-Jahren". So könne man nicht über die "folgenreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts" sprechen, meinte Schwarzer, die sich offenbar auch persönlich angegriffen sah: "Sodann bürsten Sie mich ab, klar", schreibt die Kölnerin. Schröder behaupte "hanebüchenen Unsinn" über ihre - Schwarzers - Bücher, die sie wohl nicht richtig gelesen habe.

Schröder sagt im "Spiegel" auch: "Ich finde, dass wir das Thema Jungen- und Männerpolitik sträflich vernachlässigen." Dazu Schwarzer: Man dürfe feministischen Pädagoginnen nicht unterstellen, dass sie Jungen vernachlässigen. Es sei reines Klischee, dass eine Überzahl von weiblichen Erziehern und Pädagogen Mitursache für schlechte schulische Leistungen bei einigen Jungen seien. Fakt sei dagegen, dass Männer diese schlecht bezahlten und nicht anerkannten Jobs einfach nicht machen wollten.

Nur Namenswechsel spektakulär

"Ich halte Sie für einen hoffnungslosen Fall. Schlicht ungeeignet", schreibt Schwarzer, die zuvor eher mit CDU-nahen Statements etwa pro Kanzlerin Angela Merkel aufgefallen war. Polemisch meinte die Kölner "Emma"-Herausgeberin: "Die einzig aufregende Nachricht aus Ihrem Amt war Ihr Namenswechsel von Köhler auf Schröder".

dho/DPA / DPA