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Aschewolke über Europa: Das passiert im Hintergrund

Ein Krisenzentrum in Brüssel, ein europäisches Warnsystem nach verschiedenen Zonen und standardisierte Regelungen in Deutschland: Die Aschewolke des Vulkan Grimsvötn trifft Europa diesmal nicht unvorbereitet.

Die Lehren des Eyjafjallajökul: Ein Jahr nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans sorgen Aschewolken von der Insel im Nordatlantik erneut für Störungen im europäischen Flugverkehr. Doch bei Grimsvötns Ausbruch können die Behörden auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Ein Einblick hinter die Kulissen:

Europäisches Krisen- und Koordinierungszentrum

Nach dem Ausbruch des Grimsvötn wurde in Brüssel umgehend ein Krisenzentrum eingerichtet. Die Einrichtung heißt "European Aviation Crisis Coordination Cell" (EACCC) und tritt nur bei Bedarf in Aktion. In ihr vertreten sind die europäische Flugsicherung, die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA, die EU-Kommission, die nationalen Regierungen, Fluglotsen-Dienste, Fluggesellschaften und Flughäfen. In der Krisenzelle werden Informationen ausgetauscht und Maßnahmen koordiniert. Entscheidungen über Flugverbote fallen hier aber nicht, diese Kompetenz verbleibt bei den Staaten.

Drei-Zonen-Warnsystem

Das europäische Krisenzentrum legt seiner Arbeit ein Drei-Zonen-Warnsystem zugrunde, das sich an der Konzentration der Vulkanasche-Teilchen in der Luft orientiert. Es gibt eine blaugrüne Zone mit einer Aschekonzentration von 0,2 bis zwei Milligramm pro Kubikmeter Luft, eine graue Zone mit einem Aschegehalt von zwei bis vier Milligramm und die rote Zone für mehr als vier Milligramm. Je höher die Konzentration, desto höher das Risiko.

Handlungsvorgaben für die Zonen gibt das Zentrum nicht vor, es spricht nur allgemeine Empfehlungen aus. Berechnet werden die Zonen vom Londoner Volcanic Ash Advisory Center (VAAC). Auf europäischer Ebene werden aber auch Daten nationaler Wetterbehörden und anderer Organisationen ausgetauscht. So betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein Netzwerk aus 52 Messstationen am Boden. Zudem waren im Auftrag des DWD am Mittwoch zwei Flugzeuge unterwegs, um die Aschekonzentration zu messen.

Standardisierte Regelung in Deutschland

Für den deutschen Luftraum hat das zuständige Bundesverkehrsministerium Maßstäbe entwickelt, ab welchen Aschekonzentrationen wie zu verfahren ist. Angesichts des Grimsvötn-Ausbruchs erließ es am Montag eine Verfügung, die den Flugbetrieb unter Sicherheitsaspekten regelt. Demnach ist eine Konzentration von mehr als zwei Milligramm Asche pro Kubikmeter Luft der kritische Grenzwert, ab dem alle Turbinenflugzeuge am Boden bleiben müssen. In der Stufe darunter, bei einer Konzentration von 0,2 bis zwei Milligramm, darf unter Auflagen noch geflogen werden, sofern bei der Wartung besondere Vorgaben beachtet werden.

Die standardisierte Regelung entwickelte das Verkehrsministerium, nachdem es beim Ausbruch des Eyjafjallajökul vor einem Jahr vielfach Kritik an fehlenden objektiven Maßstäben für Flugraumsperrungen gegeben hatte. Zwei Milligramm Vulkanasche je Kubikmeter markierten laut Ministerium jene Schwelle, bis zu der die Hersteller Probleme mit Flugzeugen und Triebwerken derzeit definitiv ausschließen.

Phillipp Saure und Sebastian Bronst, AFP / AFP