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Leipzig Aufstand im Hörsaal - so wehren sich Studenten gegen ihren umstrittenen Professor

"Professor Rauscher hat sich auf Twitter mal wieder etwas geleistet. Und nun ist es so, dass wir Twitter wieder zurück in die reale Welt holen möchten." In rund 5 Minuten zeigen Studenten des sozialistisch-demokratischen Studentenverbandes, was sie damit meinen. Auf einer Leinwand erscheinen Tweets des Professors für Internationales Privatrecht und Bürgerliches Recht der Universität Leipzig. Zwei Studenten lesen einige der Tweets vor und kommentieren sie.
Die Studenten fordern in ihrem Redebeitrag das Rektorat zu Disziplinarmaßnahmen gegen Rauscher auf und riefen ihre Kommilitonen zum Boykott gegen den Professor auf: "Wir bitten euch alle, auch wenn der Schein so wichtig ist,  zeigt Zivilcourage, bildet Lerngruppen und boykottiert die Vorlesung. Das muss natürlich keiner machen. Das ist nur unsere Bitte."
Professor Rauscher stellte seinen Twitter-Account mittlerweile inaktiv. Die Uni Leipzig teilte bereits zuvor mit, dienstrechtliche Schritte prüfen zu wollen. Auf Facebook sorgt die Aktion und das Video für viel Diskussionsstoff: In unzähligen Kommentaren werden die Studenten zu ihrer Aktion für Meinungsfreiheit und gegen Hetzer beglückwünscht. Andere Kommentatoren beschimpfen die Studenten via Facebook aber auch auf üble Weise. 

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"Rauscher rausch ab": In Leipzig wehren sich Studenten gegen die rassistischen Tweets von Professor Thomas Rauscher, der von einem "weißen Europa" träumt. Im Hörsaal kam es nun zum Showdown.

Er verbreitete auf Twitter regelmäßig fremdenfeindliche Ansichten: "'Ein weißes Europa brüderlicher Nationen'. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!", schrieb Thomas Rauscher, Professor für Internationales Privatrecht und Bürgerliches Recht an der Universität Leipzig. Oder: "Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben." Auch zur Ehe für alle äußerte sich Rauscher und sprach von einer "pervertierten Lebensform".

In dieser Woche wehrten sich Studenten gegen den umstrittenen Professor. Bei einer geplanten Übung zum Thema "BGB für Fortgeschrittene" konfrontierten sie Rauscher in einem Hörsaal der Universität am Donnerstag mit seinen rassistischen Tweets, verteilten Flugblätter und dokumentierten seine Äußerungen via Beamer. Ein Video der Aktion veröffentlichten sie auf der Facebook-Seite des sozialistisch-demokratischen Studierendenverbandes. Es zeigt einen konsternierten Professor, der den Redebeitrag von zwei Studenten zunächst zu verhindern versuchte.

"Ich weiß, was an Hass und Wut gegen mich läuft", hört man Rauscher sagen. Er droht damit, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen. Als mehrere Teilnehmer der Übung sich lautstark für die Studenten einsetzen, lässt er schließlich gewähren. Nicht ohne den Hinweis, dass er "keine körperliche Gewalt anwenden wolle", auch wenn dies ein Fall der Notwehr wäre. "Ich wäre dazu berechtigt", behauptet Rauscher.

Studenten rufen zum Boykott gegen Rauscher auf

Die Studenten lesen einige der Tweets vor und kommentieren sie. "Wir finden, schon lange, aber spätestens jetzt ist ein Maß erreicht, das wir als Studierendenschaft nicht mehr hinnehmen sollten." Die rassistischen Tweets von Professor Rauscher müssten als "Anfeindung, Ausgrenzung und Beleidigung an alle Menschen und insbesondere Studierende der Universität Leipzig verstanden werden, die nicht in sein Weltbild passen." Die Studenten fordern in ihrem Redebeitrag das Rektorat zu Disziplinarmaßnahmen gegen Rauscher auf und riefen ihre Kommilitonen zum Boykott gegen den Professor auf: "Wir bitten euch zeigt Zivilcourage, bildet Lerngruppen und hört auf die Vorlesung von Professor Rauscher zu besuchen."

Inzwischen wurde das Video der Protestaktion mehr als 760.000 Mal aufgerufen. Mehrere Medien berichteten darüber. Professor Rauscher stellte seinen Twitter-Account mittlerweile inaktiv. Die Uni Leipzig teilte bereits zuvor mit, dienstrechtliche Schritte prüfen zu wollen. Der Protest der Studenten wird weitergehen. Für Dienstag haben sie um 13 Uhr zu einer Kundgebung aufgerufen: "Rauscher rausch ab! Für eine Uni ohne Rassismus".

Hinweis: Dieser Text war einer der meistgelesenen Artikel auf stern.de im Jahr 2017 - zum Jahresrückblick spielen wir die besten Artikel in loser Reihenfolge bis zum Ende des Jahres.


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