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Vergewaltigungsvorwürfe Bill Cosby will Ausstrahlung von Interview verhindern

Persönlich hat Bill Cosby bisher nichts zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn gesagt. Auch in einem Interview gab sich der 77-Jährige bedeckt - und bat anschließend doch, das Material zu löschen.

Der Wirbel um US-Komiker Bill Cosby reißt nicht ab: Seit Bekanntwerden des ersten Vergewaltigungsvorwurfs gegen den 77-Jährigen melden sich immer mehr Frauen, die angeben, von Cosby - meist unter Einsatz von Drogen oder Alkohol - sexuell missbraucht worden zu sein.

Cosby äußerte sich bisher nicht persönlich zu den Beschuldigungen, sondern ließ diese stets nur von seinem Anwalt Marty Singer zurückweisen. "Herr Cosby will diese Anschuldigungen nicht würdigen, indem er sie kommentiert", schrieb sein Anwalt jüngst in einem Statement. Nun tauchte ein Interviewvideo der US-Nachrichtenagentur AP (Associated Press) im Netz auf, in dem ein Journalist Cosby am Ende des Gesprächs mit den Vorwürfen konfrontiert.

Sehr auf eine vorsichtige Wortwahl bedacht, spricht der Reporter die aktuelle Berichterstattung über den TV-Star an. Noch bevor er eine konkrete Frage stellen kann, unterbricht ihn der sichtlich angespannte Cosby und macht klar, dass er darauf nicht antworten wird. Auch weiteres Nachhaken des Journalisten läuft ins Leere. Nachdem das bereits am 6. November in Washington geführte Interview beendet ist, hat der 77-Jährige allerdings eine Bitte: Er möchte, dass die strittige Sequenz des Videos nicht ausgestrahlt wird. Mehrfach appelliert Cosby dabei an die Integrität des Journalisten. Schließlich habe er sich nur auf das Gespräch eingelassen, weil er dachte, dass AP so seriös sei, die Vorwürfe gegen ihn nicht zu thematisieren.

AP stellt sich gegen Cosbys Bitte

Auch die Anmerkung des Journalisten, Cosby habe doch gar nichts gesagt, lässt der TV-Star nicht gelten und besteht weiterhin darauf, die Ausstrahlung des Materials zu unterlassen. AP entschied sich nun bewusst dagegen. Es habe keine Vereinbarung gegeben, dass derartige Fragen nicht gestellt werden dürften oder dass das Video unter Verschluss gehalten werden müsse, sieht die Nachrichtenagentur keinen Grund, die Aufnahme zurückzuhalten.

Cosbys Anwalt spricht von Medienwahnsinn

Cosbys Anwalt Singer wies unterdessen die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten erneut entschieden zurück. Die Vorwürfe seien "völliger Unsinn", hieß es laut "People.com" und "The Hollywoodreporter" in einer neuen Stellungnahme. "Die Leute" kämen aus dem Nichts "mit dieser sinnlosen Geschichte" - so etwas passiere im mediengetriebenen Wahnsinn, so der Anwalt. Stinger soll zudem versucht haben, einige der Frauen zu diskreditieren, die Cosby sexuellen Missbrauch vorwerfen.

Von den Produzenten der erfolgreichen "Bill Cosby Show" bekam der Schauspieler indes Rückendeckung. "Wir kennen Bill als brillanten und wundervollen Mitarbeiter eines Formats, das die Fernsehlandschaft verändert hat", werden Tom Werner und Marcy Carsey auf dem Onlineauftritt des Unterhaltungsblatts "Variety" zitiert.

Siebte Frau berichtet über sexuellen Übergriff

Derweil erhob eine siebte Frau öffentlich Vorwürfe gegen Cosby. Die "New York Times" berichtete online, dass eine inzwischen 57-Jährige dem US-Sender WPTV ein Interview zum Thema gegeben habe. Dort habe sie geschildert, dass Cosby ihr 1976 Tabletten gegeben habe und es dann zu einem "sexuellen Übergriff" gekommen sei. Zu diesem Fall äußerte sich Anwalt Stinger dem Blatt zufolge noch nicht.

Gegen Cosby waren in den vergangenen Tagen wiederholt Vergewaltigunsvorwürfe bekannt geworden - nicht ohne Konsequenzen. Während der 77-Jährige derzeit - scheinbar unbeeindruckt - mit seiner eigenen Stand-Up-Show um den Globus reist, wurde er zuletzt aus den Talkshows von Queen Latifah und David Letterman ausgeladen. Zudem gab Netflix bekannt, dass das Special "Bill Cosby 77" erst einmal nicht gesendet wird. Auch Cosbys Haussender NBC machte einen Rückzieher. So soll eine geplante Sitcom mit dem Komiker vorerst nicht weiter vorangetrieben werden.

mod/mit DPA

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