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Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Bill Cosby: Der Absturz einer Popkultur-Ikone

Einst als schwarzes Pendant zum Brady Bunch gefeiert, scheint die Karriere von Bill Cosby nun vorbei zu sein. Nach den Vergewaltigungs-Vorwürfen distanziert sich jetzt auch NBC von dem Komiker.

Von Frank Siering, Los Angeles

Bill Cosby steht im wohl größten Shitstorm seines Lebens. Geäußert hat er sich zu den Vergewaltigungs-Vorwürfen bisher nicht.

Bill Cosby steht im wohl größten Shitstorm seines Lebens. Geäußert hat er sich zu den Vergewaltigungs-Vorwürfen bisher nicht.

Bill Cosby hat niemals ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum ging, afroamerikanische Gesellschaftsstrukturen in den USA zu kritisieren. "Wir müssen unseren Männern beibringen, was Familienzusammenhalt bedeutet", sagte er in der Vergangenheit. Der beliebte TV-Star, dessen Show über Jahrzehnte eine heile schwarze Welt im sonst so weißen TV-Alltag Amerikas präsentierte, sprach an, was sonst nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde.

Der Prozentsatz von afroamerikanischen Männern, die ihre Ehefrauen betrügen und die eigene Familie im Stich lassen, ist in den USA noch immer überproportional hoch - und Cosby weigerte sich, dieses Phänomen totzuschweigen. "Unsere Männer müssen lernen, die Hose anzulassen", sagte Cosby einst im US-Fernsehen.

Bill Cosby als Sex-Monster

Da ist es schon fast ein bisschen ironisch, dass ausgerechnet dieser wohlerzogene Mann mit Doktortitel, der jahrzehntelang konservative Familienwerte über die Mattscheibe und bei Diskussionsrunden an Universitäten predigte, nun plötzlich und sehr rapide seine Glaubwürdigkeit und vielleicht auch schon in absehbarer Zeit seine Freiheit einbüßen muss.

Diverse Frauen haben den mittlerweile 77-jährigen Komiker Cosby in den letzten Wochen und Tagen beschuldigt, sie sexuell missbraucht zu haben. Vor allem der sehr detaillierte und schockierende Bericht des ehemaligen, aber heute in den USA wegen ihrer Sucht nach ständiger Aufmerksamkeit nicht ganz unumstrittenen Top-Models Janice Dickinson zeichnete Cosby als ein sexbesessenes Monster, das sie mit Drogen gefügig gemacht und sich mehrfach an ihr vergangen habe.

Cosby selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang noch nicht geäußert. Bislang haben seine Anwälte alle Anschuldigungen abgestritten. Auch eine offizielle Anklage gegen Cosby liegt noch nicht vor.

Keine Reaktion von Cosby

Doch Hollywood reagiert schnell, wenn die Worte "sexueller Missbrauch" am Horizont auftauchen. So wurde Cosby, der gerade mit seiner eigenen Stand-Up-Show um den Globus tingelt, nicht nur kurzerhand aus diversen Talkshows mit Queen Latifah und auch David Letterman ausgeladen. Auch hatte Netflix bereits am Mittwoch bekanntgegeben, das Cosby Special "Bill Cosby 77" erst einmal nicht senden zu wollen. Jetzt sprang auch Cosbys Haussender NBC auf den Anti-Cosby-Zug mit auf und ließ mitteilen, dass eine geplante Sitcom mit dem Komiker nicht länger in Planung sei.

Und das, obwohl die Präsidentin von NBC Entertainment, Jennifer Salke, sogar schon Details zum Inhalt der neuen Cosby-Show bekanntgegeben hatte. Demnach sollte Cosby als "Patriarch einer Familie fungieren, in der mehrere Generationen unter einem Dach leben". Noch im August wurde bestätigt, dass die Serie im Herbst 2015 auf Sendung gehen sollte.

Und Cosby selbst? Er steht im wohl größten Shitstorm seines Lebens und tut so, als sei nichts passiert. Sein Management ließ mitteilen, dass der Entertainer sehr wohl plane, seine für Donnerstag und Freitag geplanten Stand-Up-Shows auf den Bahamas und in Melbourne, Florida durchzuziehen. Eine weitere Show ist in Las Vegas geplant.

CNN-Reporter entschuldigt sich

Der TV-Sender "TV Land" allerdings, der althergebrachte Erfolgs-Shows wie “Bonanza”, “Raumschiff Enterprise” oder auch "Detektiv Rockford" zeigt, hat jetzt erst einmal die "Cosby Show" von der Website des Senders verbannt. Ein Klick auf das Cosby-Icon führt seit Mittwoch auf eine "Fehlermeldung" im System. Es gilt als wahrscheinlich, dass auch die Ausstrahlung der alten Folgen noch in dieser Woche eingestellt wird.

Als peinliche Randnotiz im "Fall Cosby" musste sich CNN-Reporter Don Lemon jetzt bei Joan Tarshis, eines der mutmaßlichen Opfer von Cosby, öffentlich entschuldigen. Lemon hatte in seinem Interview mit Tarshis gesagt, dass die Frau, die nach eigenen Aussagen vor 45 Jahren von Cosby zum Oralsex gezwungen wurde, sich doch mit ihren "Zähnen als Waffe" hätte wehren können. Tarshis zeigte sich daraufhin verwundert und antwortete, dass sie darüber in dem Moment "nun wirklich nicht gedacht hatte". Lemon entschuldigte sich für seine rüde Anmerkung live auf CNN.

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