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Camp Lipa in Bosnien Flüchtlinge bei minus 15 Grad unter freiem Himmel: EU erhöht Druck auf Behörden

Sehen Sie im Video: Das vergessene Elend in Bosnien – Migranten schlafen bei Minusgraden unter freiem Himmel.






Die Vereinten Nationen machen sich zunehmend Sorgen über Geflüchtete an der bosnisch-kroatischen Grenze. Eine Vielzahl von Migranten aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten harren seit vergangener Woche unter freiem Himmel aus, nachdem ein provisorisches Lager durch ein Feuer zerstört wurde. Trotz Bemühungen der Behörden hat sich ihre Lage kaum verbessert, beschreibt Peter Van der Auweraert, Leiter der UN-Organisation für Migration in Bosnien-Herzegowina. "Es regnet seit ein paar Tagen, nachts fallen die Temperaturen unter Null. Unsere humanitäre Hilfe kann zwar das menschliche Leid lindern, aber das Hauptproblem ist bisher ungelöst: Die Unterbringung in einer sicheren und menschenwürdigen Unterkunft." Weiter erklärt Peter Van der Auweraert: "Angesichts der Tatsache, dass die Menschen mittlerweile weit verstreut sind, ist eine medizinische Versorgung ziemlich schwierig. Die Menschen schlafen jetzt seit geraumer Zeit im Freien. Es gibt die ersten Fälle von Atemwegsproblemen, oder Hautproblemen. Generell eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes." Dabei gebe "es eigentlich Platz für alle, die derzeit draußen schlafen. Nur konnte sich bisher die Regierung, die üblicherweise für so etwas zuständig ist, nicht mit den lokalen Behörden einigen, die über zwei geeignete Zentren verfügen. Es gibt internationale Gelder, internationale Unterstützung. Aber es fehlt der politischen Konsens, wo diese Migranten untergebracht werden können", so Van der Auweraert weiter. Die Verhandlungen sollen diese Woche fortgesetzt werden. Bosnien ist Teil der wichtigsten Transitroute für Flüchtlinge aus Asien, dem Nahen Osten und Nordafrika. Viele Migranten hoffen, vom Nordwesten des Landes aus in das westlich gelegene EU-Mitgliedsland Kroatien zu gelangen.
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Die Zustände im Flüchtlingslager in Bosnien-Herzegowina sind prekär: Bei minus 15 Grad schlafen fast 2000 Menschen im Freien, um an Wasser zu kommen, wird Schnee geschmolzen. Die EU-Innenkommissarin erwartet nun Lösungen.

Angesichts der verheerenden Lage im bosnischen Flüchtlingscamp Lipa hat EU-Innenkommissarin Ylva Johansson die Behörden vor Ort erneut zum Handeln aufgerufen. "Sie müssen den politischen Willen zeigen, Leben zu retten, und eine langfristige Lösung bieten", sagte die Schwedin im Brüsseler Europaparlament.

Sie sei sich bewusst, dass die Gespräche zwischen lokalen und nationalen Behörden schwierig sein könnten. Aber die "unverzügliche Priorität" sei nun, Leben zu retten und zu verhindern, dass aus der humanitären Krise ein humanitäres Desaster werde. Im Februar wolle sie Lipa sowie die bosnischen Behörden besuchen.

Bosnien-Herzegowina: Migranten schlafen bei minus 15 Grad im Freien

Das Camp Lipa im Nordwesten des Landes war im Dezember von der Internationalen Organisation für Migration geräumt worden, weil die bosnischen Behörden es nicht winterfest gemacht hatten. Die Migranten blieben zeitweise bei bis zu minus 15 Grad unter freiem Himmel. "Die Welt" zitierte aus einem vertraulichen Bericht der EU-Kommission, wonach sich die Zelte häufig in mangelhaftem Zustand befänden. Migranten beklagten, "dass Wasser durch Löcher eindringt und die Luft verschmutzt ist, weil die Heizsysteme mit Kraftstoff angetrieben werden und keine Ventilatoren vorhanden sind".

Wegen fehlender sanitärer Anlagen litten "viele Menschen" an Hautkrankheiten. Einige wiesen Covid-19-Symptome auf. Nach Angaben der EU-Kommission hat sich die Situation mittlerweile leicht verbessert, laut des Onlineportals "klix.ba" soll das Lager allerdings erst in drei Monaten voll funktionsfähig sein. 

Zugleich erneuerte Johansson ihre Forderung, das Camp Bira im nahe gelegenen Bihac wieder zu eröffnen. Es sei frustrierend, Zelte aufbauen zu müssen, wenn es nur 30 Kilometer entfernt eine ausgestattete und winterfeste Unterkunft gebe. Die EU-Kommission sei weiter bereit, Bosnien-Herzegowina zu unterstützen.

Aber das Land müsse zeigen, dass es in der Lage sei, Migration zu managen und seiner Verantwortung gerecht zu werden. Als Land mit der Aussicht auf einen EU-Beitritt erwarte man, dass Bosnien-Herzegowina an langfristigen Lösungen arbeite und im ganzen Land Unterkünfte für Migranten errichte.

aen dpa

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