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Busunglück: Todesfahrt nach Paris

Bei einem schweren Unfall eines bayerischen Reisebusses sind am Samstagmorgen an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich zwölf Menschen verbrannt.

Bei einem schweren Unfall eines bayerischen Reisebusses sind am Samstagmorgen an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich zwölf Menschen verbrannt. 37 Menschen konnten sich aus den Flammen retten, zum Teil dank des Einsatzes des Beifahrers. Der Bus hatte aus noch ungeklärter Ursache eine Fahrbahnbegrenzung aus Betonteilen gerammt und rasend schnell Feuer gefangen. Die meisten Passagiere sind Deutsche, aber auch Reisende aus zahlreichen anderen Ländern waren in dem Bus. Es sind überwiegend Studenten unter 25 Jahre.

Verkohlte Leichen

Die Polizei setzte ein Team von Spezialisten zur Identifizierung der Toten ein. Die meisten Leichen waren verkohlt. Unter den Todesopfern ist auch der Fahrer, der nach ersten Vermutungen der Ermittler möglicherweise am Steuer eingeschlafen war. Seine Leiche soll obduziert werden. Der belgische Prinz Philippe begab sich an den Unfallort, auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe wurde dort erwartet.

Praktisch keine Zeugen

Es gibt bislang kaum Zeugen für den verheerenden Unfall auf der fast leeren Autobahn E 19. Der Gouverneur der Provinz Hennegau, Michel Tromont, sagte: "Den einzigen Hinweis haben wir von einem Fernfahrer. Er sagt, er sei einem Bus gefolgt, der in Zick-Zack- Linien fuhr. Der Zeuge hatte den Eindruck, der Busfahrer sei eingeschlafen." Hinter Planen wurden die Leichen aus dem völlig ausgebrannten Fahrzeug geborgen. Am Nachmittag wurde auch das Wrack des Busses von der Unglücksstelle entfernt.

Unterwegs für Rainbow Tours

Der Bus gehörte der Firma Polster-Reisen aus Gößweinstein in Oberfranken. Eigner Rainer Polster betonte, der Fahrer sei ein erfahrener Mann gewesen. Mit einem zweiten Fahrer sei für einen Wechsel gesorgt worden, der Bus sei in technisch einwandfreiem Zustand gewesen. Die Firma fuhr im Auftrag des Hamburger Reiseunternehmens Rainbow Tours. Die Reise hatte am Freitagnachmittag in München begonnen und sollte über Augsburg, Ulm, Stuttgart, Frankfurt/Main und Köln nach Paris führen.

80 Kilometer von Brüssel entfernt

Um 5.20 Uhr am Samstagmorgen geschah dann das Unglück auf der Autobahn bei Hensies unmittelbar vor der französischen Grenze, etwa 80 Kilometer südwestlich von Brüssel. Zahlreiche Passagiere haben ihr Überleben offenbar dem zweiten Fahrer zu verdanken. "Er hat in der Schlafkabine geschlafen, wurde bei dem Unfall herausgeschleudert und hat schnell die Türe geöffnet, die verklemmt war", sagte der Geschäftsführende Gesellschafter von Rainbow Tours, Mathias D. Kampmann, unter Berufung auf den Mann und Zeugen. Ein Fernfahrer war auf dem Parkplatz an der Grenze von dem Lärm geweckt worden. Er sagte: "Ich habe gesehen, wie die Leute aus den Fenstern kletterten. Sie waren sehr nervös und schrien. Das war wirklich hart."

Viele Passagiere schliefen

Der Sprecher der Feuerwehr aus dem nahe gelegenen Quiévrain, Grégory Dufert, vermutete, dass viele Passagiere zur Zeit des Unfalls schliefen und sich plötzlich in der Flammenhölle wiederfanden. Zeugen sprachen von einem "Feuerball", der sich schnell vom Heck des Busses nach vorne fraß. "Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Tank bei dem Aufprall gesprungen ist und Treibstoff sich an heißen Teilen entzündete", erläuterte der Feuerwehrmann.

Bis auf Metallgerippe ausgebrannt

Von dem Bus blieb nur ein schwarzes Metallgerippe übrig. Die meisten Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verkohlt; ihre Nationalität war zunächst unklar. Die Passagierlisten seien dem Auswärtigen Amt geschickt worden, sagte der Rainbow-Tours- Gesellschafter. Unter den Toten sei auch die Reiseleiterin. Viele der Geretteten erlitten einen Schock. In der Schule von Hensies wurden sie betreut. Viele waren nur leicht verletzt, zwei der Opfer mussten aber zur Behandlung von Brandwunden in eine Klinik gebracht werden.

Prinz Philippe, der belgische Thronfolger, begab sich am frühen Nachmittag an den Unfallort, um mit Überlebenden und Rettern zu sprechen. Auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe reiste dorthin. Das Busunternehmen schickte ein Ersatzfahrzeug los, das die Überlebenden abholen sollte. Die meisten Geretteten sagten Helfern, sie wollten so schnell wie möglich nach Deutschland zurück.

Besser Standards gefordert

Das Unglück ist nur eines in einer Serie von Busunfällen in Europa in diesem Jahr, bei der mindestens 200 Menschen starben. Sicherheitsfachleute etwa des ADAC oder der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderten immer wieder bessere technische Standards und eine Verschärfung der Regeln für Unternehmer und Buspersonal. Erst am Freitag hatte der Bundesrat eine Verordnung beschlossen, nach der vom Frühjahr an das Anlegen von Sicherheitsgurten in Bussen Pflicht ist. Der ADAC fordert auch die Ausstattung mit Abstandsradar und schwer brennbaren Materialien.

Angehörige der Opfer können sich bei einem Not-Telefon der belgischen Behörden (0032-65-457-955) sowie beim Auswärtigen Amt in Berlin (030-5000-0) über das Schicksal ihrer Verwandten informieren.

dpa / DPA
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