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Christchurch nach dem Beben: "Wir können die Hoffnung nicht aufgeben"

Häuser liegen in Trümmern. Hunderte Menschen wollen fliehen. Die Rettungskräft rechnen mit mehr als 300 Toten. Das Erdbeben von Christchurch hinterlässt eine Stadt in Chaos und in Angst. Nachbeben erschüttern den Ort im Westen Neuseelands. Dennoch halten die Menschen vor Ort zusammen.

Zwei Tage nach dem Erdbeben in der neuseeländischen Stadt Christchurch hat es kaum noch Hoffnung für die mehr als 200 Vermissten gegeben. Es gebe keine Lebenszeichen unter den eingestürzten Gebäuden, sagten die Rettungskräfte am Donnerstag nach der Bergung von fast hundert Leichen. Die Polizei wappnete sich verstärkt gegen Plünderer und verstärkte ihre Präsenz in der Stadt.

98 Leichen wurden seit dem Beben der Stärke 6,3 vom Dienstag geborgen, 226 Menschen wurden noch vermisst. "Wir machen uns große Sorgen um sie", sagte der Bezirkschef der Polizei, Dave Cliff. Die Rettungskräfte schlossen aus, Überlebende unter den Trümmern eines sechsstöckigen Gebäudes zu finden, in dem der Fernsehsender CTV und die Englisch-Sprachschule King's Education untergebracht waren. Dort wurden bis zu 120 Menschen verschüttet.

Die Sprachschule berichtete von mindestens 48 vermissten Schülern und Lehrern, darunter viele Asiaten. Nach Angaben des japanischen Außenministeriums wurden mindestens 27 japanische Schüler vermisst, Peking gab die Zahl der vermissten chinesischen Sprachschüler mit 20 an. Außerdem sollen zwölf Philippiner in dem Gebäude gewesen sein und ein Geschwisterpaar aus Südkorea. Deren Vater traf am Donnerstag in Christchurch ein und sagte, er wolle selbst nach seinem Sohn und seiner Tochter suchen. Auch für rund 20 Menschen, die unter der Kathedrale von Christchurch verschüttet wurden, bestand kaum noch Hoffnung.

Neuseelands Premierminister John Key sagte, bei vergleichbaren Katastrophen in anderen Ländern werde immer wieder von wundersamen Rettungen "mehrere Tage oder sogar Wochen nach dem Ereignis" berichtet. "Wir können die Hoffnung nicht aufgeben, aber wir müssen auch realistisch sein", sagte er dem Fernsehsender TV3. Die Polizei gab die ersten Namen von Todesopfern bekannt, darunter zwei fünf und neun Monate alte Babys. Das Außenministerium in London bestätigte den Tod zweier Briten.

Polizei-Bezirkschef Cliff sagte, hunderte Experten, auch aus dem Ausland, seien mit Spürhunden, Spezialkameras und Ortungsgeräten unterwegs, um nach Lebenszeichen zu suchen. Am ersten Abend nach dem Beben waren 30 Überlebende aus den Trümmern geborgen worden, am Mittwoch waren es nur noch eine Handvoll Menschen. Cliff warnte vor Plünderungen und kündigte eine starke Präsenz von Sicherheitskräften in Christchurch und den Vororten an. Die Patrouillen würden "aktiv beobachten, wer auf kriminelle Weise versucht, die Situation auszunutzen."

Am Flughafen von Christchurch warteten hunderte Menschen, die aus der 390.000-Einwohner-Stadt fliehen wollten. Seit dem schweren Beben vom Dienstag wurde die Stadt von zahlreichen Nachbeben erschüttert. Viele Menschen kamen bei Freunden und Verwandten unter.

Die Stromversorgung wurde weitgehend wieder hergestellt, doch noch immer gab es kein Trinkwasser. Nach Angaben der in Christchurch lebenden Deutschen Brigitta Kurenbach funktionierte auch das Abwasserssystem nicht. "Jeder hat jetzt ein Loch im Garten oder einen Eimer im Bad", berichtete die 38-jährige Biologin. Trinkwasser habe sie teilweise vorrätig gehabt, außerdem entnehme sie Wasser aus dem Boiler, und mit einer Plastikplane sammele sie im Garten Regenwasser. Nachbarn und Freunde helfen sich laut Kurenbach gegenseitig, das Gemeinschaftsgefühl sei "extrem stark".

liri/AFP / AFP
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