Dresden Hochwasser-Situation verschärft sich


Die Situation wird immer dramatischer: Das Elbe-Hochwasser steigt langsamer, aber höher als erwartet. Der Katastrophenalarm wurde ausgedehnt, nun ist auch die Bundeswehr im Einsatz.

Die Lage in den Hochwassergebieten der Elbe spitzt sich immer mehr zu: Das sächsische Landeshochwasserzentrum erwartete für Sonntag einen Höchstpegelstand von 7,80 Metern. Der Katastrophenalarm im oberen Elbtal wurde am Samstag um Meißen und Heidenau auf jetzt insgesamt acht Städte ausgedehnt.

Insgesamt waren mehr als 1.300 Menschen zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgerufen. In Dresden war der Uferdamm am Samstag an drei Stellen überspült. Bereits seit Freitagabend waren 75 Bundeswehrsoldaten in Pirna im Katastropheneinsatz. Wie eine Sprecherin des Landeshochwasserzentrums am Samstag mitteilte, wird der Scheitelpunkt jetzt für Anfang nächster Woche erwartet. Als Grund nannte sie starke Regenfälle im Einzugsgebiet der Moldau in Tschechien. So liege die Prognose für den Pegel Schöna an der Grenze zu Tschechien für Sonntagabend jetzt bei 8,80 Meter. Für Montag werden sogar 8,90 Meter erwartet. Ursprünglich war mit einem Maximum von 8,75 gerechnet worden.

Dammteile aufgegeben

Nach Angaben der Polizeidirektion Dresden waren am Samstag rund 100 Polizisten im Einsatz. Zugleich verwies er auf den freiwilligen Charakter der Evakuierungen. Niemand werde zum Verlassen der Häuser gezwungen. Gleichwohl würden die Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass die Hilfskräfte handeln müssten, wenn Gefahr für Leib und Leben bestehe, sagte der Sprecher. Im Stadtteil Gohlis, wo der Uferdamm seit der Nacht zum Samstag überspült wurde, waren rund 300 Menschen zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden. Bis zum Samstag hatten sich einige Familien geweigert, dies zu tun.

Einige Teile des Dammes in Gohlis wurden nach Angaben des Leiters der Dresdner Feuerwache Löbtau, Harald Behr, angesichts des Hochwasser am Samstag aufgegeben. Häuser stünden dort aber nicht, sondern es handele sich nur um angrenzende Felder. Dort, wo hingegen Wohngebäude sind, verteidigten die Helfer Haus für Haus und sicherten den Damm mit Sandsäcken.

Bundeswehr im Einsatz

In Pirna waren seit Freitagabend auch 75 Bundeswehrsoldaten eines Luftlandeunterstützungsbataillons im Einsatz. Sie wurden vom Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißwasser verlegt und füllten Sandsäcke auf, wie Bundeswehrsprecher Hermann-Josef Dresbach mitteilte. Nach Angaben einer Stadtsprecherin wurden aus der Innenstadt von Pirna 40 Personen evakuiert. Bereits am Freitag waren rund 1.000 Menschen aus Bad Schandau evakuiert worden. In Meißen wurde durch das Hochwasser der Elbe Grundwasser durch die Kanalisation hochgedrückt, so dass ein Teil der Innenstadt überflutet wurde, wie ein Sprecher des Landratsamtes in Meißen erklärte. 12 Personen eines Heimes für betreutes Wohnen seien evakuiert worden.

Wegen des Hochwassers wurde in den Katastrophengebieten Elbbrücken und zahlreiche Straßen für den Fahrzeugverkehr gesperrt worden. Außerdem wurde dort der Strom abgeschaltet. Wegen des Hochwassers bleiben in Pirna am Montag zudem drei Gymnasien und das dortige Berufsschulzentrum geschlossen.

Kritische Lage in Tschechien

Auch in Tschechien ist die Lage kritisich. In mehreren Regionen sind mehrere tausend Menschen aus ihren Häusern evakuiert worden. Wie Behördensprecher mitteilten, stieg der Pegel der Dyje (Thaya) in Mähren so weit an, dass weitere 8.000 Menschen aus 14 Dörfern vor den Fluten aus ihren Häusern flüchten mussten. In Znojmo (Znaim) waren schon im Lauf der Woche 2.000 Menschen evakuiert worden. Die Elbe überflutete bei Usti nad Labem (Aussig) Dutzende Häuser entlang des Ufers; mehrere hundert Einwohner wurden vor den Fluten in Sicherheit gebracht. Der höchste Pegelstand werde bis zum Sonntag erwartet; die Sperrung von zwei Brücken wurde vorbereitet.

In Prag und Olmütz bereiteten die Behörden die Evakuierung hunderter Einwohner aus niedrig gelegenen Stadtteilen vor. Im Süden der Hauptstadt würden vermutlich 100 Menschen von der steigenden Moldau betroffen sein, in Olmütz stieg der Pegel der Morava wegen Tauwetters im Jeseniky-Gebirge an. Hier wurden 60 Menschen evakuiert. In Veseli nad Luznici (Weseli an der Luznitz) wurden 250 Menschen evakuiert. In Ober- und Niederösterreich entspannte sich unterdessen entlang der Donau die Hochwasserlage leicht.

Entspannung, aber keine Entwarnung in Bayern

Die Anrainerländer der Donau stellten sich ebenfalls auf steigende Fluten ein. Ungarn verstärkte seine Schutzmaßnahmen, in Budapest wurde für Montag der Höchststand von 8,20 Metern erwartet. Im Südosten Rumäniens sind bereits mehrere Uferregionen überschwemmt.

Trotz einer leichten Entspannung in den bayerischen Hochwassergebieten an Donau und Main wollte das Bayerische Landesamt für Umwelt am Samstag keine Entwarnung geben. Vor allem an Main, Naab und Regen würden die Pegelstände bis zum Sonntag nochmal ansteigen. Zudem soll es in den nächsten Tagen wieder regnen. In Passau wurden deshalb die Sandsackbarrieren zum Schutz der Altstadt nicht abgebaut.

Auch im Südosten Polens herrschte weiter Hochwasserbereitschaft, obwohl die Pegelstände der Weichsel und ihrer Zuflüsse sanken. In vielen Orten waren die Hochwassermarken noch immer überschritten. Ackerflächen, Straßen und ufernahe Häuser standen unter Wasser. Heftige Regenfälle hatten in der Nacht zum Samstag vor allem in den Bergen Bäche anschwellen lassen.

DPA DPA

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