VG-Wort Pixel

Elbe-Hochwasser Sachsen erwarten Hochwasserscheitel

Der Hochwasserscheitel der Elbe passiert offenbar gerade Sachsen. Seit der Nacht sind die Pegel nicht mehr gestiegen, dennoch bleibt die Lage angespannt - stromabwärts fürchten die Menschen weiter die Flut.

Seit Stunden gebe es in Schöna und Dresden gleich bleibende Pegelstände, teilte die Hochwasserzentrale mit. In Schöna an der deutsch-tschechischen Grenze wurden seit Montag 22.00 Uhr konstant 8,88 Meter gemessen, in Dresden waren es seit dem frühen Morgen 7,49 Meter. Experten rechnen damit, dass sich die Werte nur noch um ein oder zwei Zentimeter ändern werden. Bei der Jahrhunderflut 2002 kam Dresden auf 9,40 Meter. Normal sind in der Landeshauptstadt etwa zwei Meter. In Tschechien begann die Elbe bereits leicht zu sinken. In Niederösterreich und in Ungarn blieb die Hochwassersituation hingegen angespannt.

Die Landeshochwasserzentrale hatte schon vor Tagen für Dresden einen Höchststand von 7,50 Meter vorausgesagt. Später wurden die Werte noch etwas nach oben korrigiert. Zuletzt ging die Behörde von einem Scheitel zwischen 7,65 und 7,85 Meter aus. Das aktuelle Hochwasser ist dennoch eines der größten in der Geschichte der Elbestadt. In den vergangenen 500 Jahren wurde der Wert von 7,50 Meter nur 17 Mal überschritten. Nach den Prognosen soll das Wasser jetzt nur langsam zurückgehen.

Hochwasserscheitel passiert Sachsen

In Dessau stieg der Wasserstand der Elbe indes nicht weiter an. Zur Stunde verharrt der Pegel bei einem Wert von 6,52 Meter. Grund dafür ist das zurückgehende Wasser der Mulde. Der mittlere Normalwert der Elbe beträgt in Dessau 2,37 Meter.

Die Behörden hatten in Sachsen-Anhalt am Montag für zahlreiche Landkreise die höchste Alarmstufe vier ausgerufen. Überall entlang des Flusses wurden Deichkontrollen verstärkt und Deichabschnitte zusätzlich gesichert. Laut Vorhersagen sollen die Elbe-Pegel in den kommenden Tagen weiter steigen und am Freitag ihren Höchststand erreichen.

Wasser auf der falschen Seite gestaut

Der Gohliser Damm in Dresden wurde in der vergangenen Nacht weiter verstärkt. Mehr als 500 Helfer von Bundeswehr, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) waren dort nach Angaben der Stadtverwaltung im Einsatz. Mit etwa 10 000 Sandsäcken sollte der Damm, der den Ortsteil vor der Elbe schützt, an mehreren Stellen um etwa 60 Zentimeter erhöht werden. In Gohlis im Landkreis Riesa-Großenhain soll heute Vormittag eine Straße an zwei Stellen aufgebrochen werden, die als Damm wirkt und das Hochwasser zur falschen Seite anstaut. Dazu wurden am Montag Hilfe der Bundeswehr angefordert.

In Torgau könnte am Mittwoch mit 8,20 Meter bis 8,35 Meter der Höchststand erreicht werden, das wären gut sechs Meter mehr als normal. Danach sei mit langsam sinkenden Wasserständen zu rechnen, sagte der Chef des Landesamtes für Umwelt und Geologie, Hartmut Biele. Durch die angekündigten Nachtfröste verlangsame sich die Schneeschmelze in den böhmischen Mittelgebirgen, begründete er die Prognose.

Sachsen weist Kritik an Hochwasserschutz zurück

Unterdessen wies Sachsen Kritik der Deutschen Umwelthilfe (DUH) an seinem Hochwasserschutz zurück. "Kein anderes Bundesland hat in den letzten Jahren so viel dafür getan", sagte Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) am Montag. Er reagierte damit auf Äußerungen der DUH. Diese hatte bemängelt, dass es kein Bundesländer übergreifendes Hochwasserschutzkonzept gebe, und eine stärkere koordinierende Rolle des Bundes verlangt. Sachsen und Brandenburg hätten nach der Flut 2002 Deichhöhen eigenmächtig festgelegt und eine länderübergreifende Ausweisung von Poldern und Flussaufweitungen verweigert, hieß es.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte am Montag nochmals vor einer Gleichsetzung des Hochwassers mit der Lage von 2002. "Wir dürfen Sachsen jetzt nicht als Katastrophenland darstellen. Das ist der Situation nicht angemessen." Ein kleiner Teil Sachsens sei betroffen, "nicht aber das Land flächendeckend", sagte Milbradt.

Lage in Niederösterreich und Ungarn weiter angespannt

Nach einem Dammbruch nordöstlich von Wien an der March bei Dürnkrut durchbrachen die Fluten an einer weiteren Stelle den aufgeweichten Damm. Noch in der Nacht mussten nach Angaben des österreichischen Rundfunks ORF drei weitere Orte geräumt werden. Die Bewohner von insgesamt 79 Häusern verbrachten die Nacht in Kindergärten. In Dürnkrut standen weiter rund 350 der 900 Häuser unter Wasser. Die Behörden wollen die Einsatzkräfte verstärken.

In Ungarn mussten bisher mehr als 500 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. Landesweit waren 25 000 Helfer im Einsatz. In der Hauptstadt Budapest lag der Wasserstand am Morgen mit 8,57 Meter bereits drei Zentimeter unter dem für den Abend erwarteten Höchstwert von 8,60 Meter. Die Uferstraßen waren überflutet. Einsatzkräfte versuchten mit Sandsäcken, ein Eindringen des Wassers in die ufernahen U-Bahnschächte zu verhindern.

DPA DPA

Mehr zum Thema

Newsticker