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Elbe-Hochwasser: Kampf gegen steigendes Wasser

Die Hochwasserlage an der oberen Elbe spitzt sich dramatisch zu: In Tschechien wurde der Notstand ausgerufen, in Österreich ist ein Damm gebrochen und der Ort Dürnkrut überflutet worden, viele Häuser wurden evakuiert.

Auch wenn die Pegel der Elbe wohl nicht den Stand aus dem Jahr 2002 erreichen werden, ist die Lage in den Hochwassergebieten dramatisch: In Tschechien steigt die in Richtung Sachsen fließende Elbe weiter. In der nordböhmischen Stadt Usti nad Labem (Aussig) seien am Montagmorgen etwa 8,80 Meter gemessen worden, meldet die Prager Nachrichtenagentur CTK.

Wegen des Hochwassers habe eine von zwei wichtigen Brücken der Stadt gesperrt werden müssen. Da auch viele Uferstraßen überschwemmt seien, sei der Verkehr zusammengebrochen, hieß es. Nach neuen Prognosen werde die Elbe aber nicht mehr wesentlich steigen, heißt es.

Die Regierung in Prag rief nach einer Sondersitzung den Notstand für den Kreis Usti nad Labem und sechs weitere Regionen aus. Besonders betroffen ist der mährische Kreis Olomouc (Olmütz). Der Notstand gelte zunächst bis zum 10. April, sagte Ministerpräsident Jiri Paroubek. Durch die zu erwartende Schneeschmelze könne sich die Situation noch verschlimmern, befürchten Experten.

Der Dammbruch legte auch die internationale Bahnverbindung nach Tschechien lahm. Die Sperre der Strecke wird nach Angaben der Österreichischen Bundesbahnen "mit Sicherheit mehr als 24 Stunden andauern". Der Wasserpegel des Flusses liegt zurzeit bei rund fünf Metern. Im Laufe des Tages wird erneut mit einem leichten Anstieg gerechnet. Auch die Donau und die anderen Flüsse in Österreich führen zurzeit Hochwasser. Dort wurde die Lage in den vergangenen Tagen allerdings als "stabil" bezeichnet.

In Niederösterreich ist nach einem Dammbruch an der March der Ort Dürnkrut von den Wassermassen überflutet worden. Zahlreiche Häuser der 2100-Seelen Gemeinde im Bezirk Gänserndorf mussten evakuiert werden. Der Damm war gegen 3.30 Uhr auf einer Länge von 100 Metern gebrochen. Hilfsmannschaften waren am Morgen bemüht, das Wasser entlang einer Bundesstraße aufzuhalten. Dürnkrut hat etwa 2000 Einwohner und liegt 50 Kilometer nordöstlich von Wien.

Die Elbe steigt in den sächsischen Hochwassergebieten derzeit stündlich um etwa einen Zentimeter und soll am Dienstag ihren Höchststand erreichen. Am Montagmorgen wurden in Dresden 7,38 Meter gemessen, teilt die Stadt mit. In Pirna lag der Pegelstand am frühen Morgen bei 7,86 Meter. In Schöna werden 8,73 Meter gemessen. Die Rekordwerte der Jahrhundertflut von 2002 werden aber voraussichtlich nicht erreicht.

"Die Dämme halten gegen die Wassermassen, wir haben sie die ganze Nacht auf Schwachstellen überprüft", sagte der Sprecher der Stadt Dresden, Sven Kindler. Mehrere hundert Menschen mussten entlang der Elbe bislang ihre Häuser verlassen. Für mehrere Orte gilt Katastrophenalarm. Deiche werden mit Sandsäcken gesichert. Hunderte Helfer bemühen sich rund um die Uhr, die Situation zu beherrschen. Die Deiche wurden intensiv kontrolliert, vielerorts wurden Sandsäcke aufgetürmt, Dämme verstärkt und Wasser abgepumpt.

Kein Sonderprogramm

In Sachsen wird es nach Angaben der Staatskanzlei kein Sonderprogramm für Flutopfer geben. Ministerpräsident Georg Milbradt appellierte nach Angaben eines Sprechers an die Notopferverbände. Diese seien jetzt gefordert. Er werde aber prüfen, ob noch Restbestände der Hochwasserhilfe 2002 genutzt werden könnten. Niemand werde allein gelassen.

In Sachsen mussten bislang schätzungsweise 1500 Menschen ihre Heime verlassen, weil das Hochwasser Straßen überflutete und ihre Wohnhäuser bedrohte. Am Wochenende war der Katastrophenalarm auf weitere Ortschaften ausgeweitet worden, was neue Evakuierungen nach sich zog. Der höchste Wasserstand wird am Dienstag erwartet. Am Samstag war die Vorhersage für Dresden auf 7,85 Meter angehoben worden. Grund dafür war den Angaben zufolge, dass Wasser aus den Talsperren am Oberlauf des Stroms in Tschechien abgelassen wird, weil die Becken sonst überzulaufen drohen.

Poblitz evakuiert

Gewöhnlich liegt der Pegel der Elbe in der sächsischen Landeshauptstadt bei zwei Metern. Mit dem Anstieg des Wassers, der langsamer verläuft als erwartet, wächst der Druck auf die Deiche. Trotz einzelner Durchsickerungen sieht Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) derzeit keine akute Gefahr eines Deichbruchs. Die Stellen könnten abgedichtet werden, sagte er. Die Situation wird dadurch erschwert, dass die Schutzwälle gefroren waren und nun auftauen. In Sachsen gibt es entlang der Elbe rund 130 Kilometer Deiche.

In Pirna und Meißen blieb die Lage angespannt. Verschärft hat sich die Situation im Landkreis Torgau-Oschatz. Dort mussten im Ort Polbitz rund 100 Menschen ihre Häuser verlassen. Der Deich um den Ort ist von Wassermassen eingeschlossen. Laut Tillich kann er daher nicht mehr stabilisiert und verteidigt werden. Auch in Sachsen-Anhalt stieg die Elbe. In Bayern hatten die Zeichen wegen schwacher Niederschlagsmengen weiter auf Entspannung gestanden.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters