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Ebola in Nigeria: Infizierter Arzt versetzt eine ganze Stadt in Angst

Ausgerechnet ein Arzt: Im Süden Nigerias hatte ein mit Ebola infizierter Mediziner zu Dutzenden Menschen engen Kontakt. Jetzt fürchtet die Stadt Port Harcourt, dass sich das Virus rasant ausbreitet.

Mit tragbaren Fernthermometern werden Menschen in Port Harcourt untersucht. Erhöhte Temperatur könnte auf eine Ebola-Infizierung hindeuten.

Mit tragbaren Fernthermometern werden Menschen in Port Harcourt untersucht. Erhöhte Temperatur könnte auf eine Ebola-Infizierung hindeuten.

Unruhe liegt in diesen Tagen über Port Harcourt, einer Stadt im Süden Nigerias und die Drehscheibe für das Öl-Geschäft im Niger-Delta. Seit bekannt wurde, dass ein Arzt sich trotz eigener Ebola-Infektion noch seinen Patienten widmete und insgesamt zu mehr als 200 Menschen Kontakt hatte, herrscht Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des potenziell tödlichen Virus. Bei zwei Menschen - der Frau des Arztes und einer weiteren Frau - wurde das Virus bereits nachgewiesen.

Alle Fälle in Nigeria gehen auf einen einzelnen Fluggast aus Liberia zurück: Der Regierungsberater war im Juli in die Millionen-Metropole Lagos geflogen, am Flughafen zusammengebrochen und einige Tage später gestorben. Sofort hatten sich mehrere Menschen angesteckt. Schlimm genug, doch zumindest blieb der Ausbruch von Ebola im Land zunächst auf wenige Fälle in Lagos beschränkt.

Doch nun rückt mit Port Harcourt eine weitere Stadt in den Fokus. Und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt wegen der vielen Kontaktpersonen des Arztes, dass dieser Ausbruch größer und schneller ausfallen könnte als jener in Lagos. Das Beispiel könnte zudem schlechte Schule machen, fürchten einige. "Wenn ein Arzt - der über das Virus Bescheid weiß - vollkommen unverantwortlich handelt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Tausende andere genauso handeln", sagt ein Bewohner von Port Harcourt, wo mehr als eine Million Menschen leben.

Verheerende Angst vor Stigmatisierung

Bislang sind in Afrikas bevölkerungsreichstem Staat acht Menschen an Ebola gestorben. Insgesamt wurden nach Angaben der WHO bis zum 5. September mehr als 20 Ebola-Fälle aus Nigeria gemeldet. Die Behörden hatten sich massiv bemüht, den Ausbruch auf Lagos zu beschränken und rasch einzudämmen.

Doch Anfang August begann jene unheilvolle Kette an Ereignissen, die das Virus in die 435 Kilometer östlich von Lagos gelegene Hafenstadt brachte: Ein nigerianischer Diplomat, Kontaktperson im Umkreis des Mannes aus Liberia, flüchtete aus einer Isolierstation und flog nach Port Harcourt. Als er dort in einem Hotel entdeckt wurde, war es bereits zu spät: Der Arzt Samuel Enemou aus einem nahe gelegenen Krankenhaus hatten den Mann bereits behandelt und sich dabei selbst infiziert. Am 11. August habe der Arzt dann die typischen Symptome gezeigt und sei zehn Tage später gestorben, berichtet die WHO.

Weil beide Männer ihre Krankheit verschwiegen, hätten sie andere in besonderem Maße gefährdet, so die Organisation. So habe der Arzt auch nach dem Auftreten der ersten Symptome weiter Patienten im Krankenhaus behandelt und mindestens zwei davon sogar operiert. Zudem habe er zahlreiche Kontakte zu Bekannten und Freunden gehabt, die ihn zu Hause besuchten.

Als Enemou schließlich am 16. August im Good Heart Hospital aufgenommen wurde, hätten ihn dort Mitglieder seiner Kirchengemeinde besucht und Riten zu seiner Heilung abgehalten, darunter auch Handauflegen. Noch während der letzten sechs Tage in seinem Leben sei der Arzt mit zahlreichen Krankenhausmitarbeitern in Kontakt gekommen, darunter auch zwei Ärzten.

Entsprechend groß ist der Kreis jener, die sich angesteckt haben und die Krankheit gar schon weitergegeben haben könnten. Und es drohen neue Probleme. So floh die Frau aus dem Umkreis des Arztes, bei der die Infektion bereits bestätigt wurde, zunächst vor der Quarantäne. "Sie ist offensichtlich aus Sorge vor Stigmatisierung geflüchtet", sagte der Gesundheitsbeauftragte des Bundesstaates Rivers, Sampson Parker, der Zeitung "Punch".

Panik auf den Straßen Nigerias

Auch wenn das Gesundheitsministerium darauf beharrt, dass es außerhalb von Port Harcourt und Lagos keine Ebola-Verdachtsfälle gibt: Bei den Nigerianern macht sich Panik breit. Die Straßen rund um das Hotel, in dem sich der Diplomat versteckte, das Krankenhaus, in dem Samuel Enemou arbeitete sowie jene Klinik, die ihn später aufnahm, sind verlassen.

Mehr als 200 Kontaktpersonen stünden unter Beobachtung, schreibt die WHO. Bei 60 davon besteht demnach ein hohes bis sehr hohes Infektionsrisiko. Mittlerweile hat die Organisation eine Isolierstation mit 26 Betten in Port Harcourt eingerichtet und 15 Experten entsandt, die die Arbeit des Gesundheitsministeriums unterstützen sollen. Es gibt zwei Teams zur Dekontamination, 21 Teams, die Kontaktpersonen ermitteln sollen sowie eine für Beerdigungen zuständige Mannschaft.

Ob all das hilft, entscheiden am Ende auch die Patienten mit einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Krankheit. Nicht zuletzt deshalb warnt die WHO: "Die Angst vor Ebola schafft ernsthafte Probleme, die Krisenmaßnahmen erschweren könnten".

Kristin Palitza/Zainab Junaid/DPA / DPA